Oberflachs
Die Oberflachser Dorfbeiz ist gerettet – also gibt es eine Antrinkete

Nach eineinhalb Monaten beizfreier Zeit, übernimmt eine sechsköpfige Familie aus Sri Lanka das Restaurant Linde in der idyllischen Gemeinde Oberflachs. Zuletzt hatte das Wirtepaar eine Gaststätte im Zürcher Oberland geführt.

Rebecca Knoth
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Familie Sinnathurai und Restaurant-Besitzer Peter Süess im Stübli
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Selvan Sinnathuray zeigt die Weine der Oberflachser Bauern
Die Mädchen streiten sich um die Neueröffnungs-Flyer
Das eingedeckte Stübli mit den selbstgenähten Tischdecken von Sathya Sinnathuray
Die Oberflachser Dorfbeiz ist gerettet – also gibt es eine Antrinkete
Das Gäste-WC ist neu gemacht worden

Familie Sinnathurai und Restaurant-Besitzer Peter Süess im Stübli

Rebecca Knoth

Ein Kältemonteur lässt den Geschirrspüler mit kritischem Blick laufen. Der Treuhänder breitet einige Dokumente auf dem Beiztisch aus. Der künftige Chef muss auf der Post ein Paket abholen.

Zwei Tage bevor Familie Sinnathurai die Bevölkerung mit einem Apéro-Buffet begrüsst, herrscht Gewusel im Restaurant Linde. Vor der Wiedereröffnung des jahrhundertealten Gasthauses muss noch eingekauft und müssen hausgemachten Ravioli vorbereitet werden.

Selvan Sinnathurai ist in Sri Lanka aufgewachsen. In seiner Kochausbildung hat er die japanische, singapurische und malaysische Küche erlernt. Seit 23 Jahren weilt er bereits in der Schweiz. «Sprechen Sie nur Schweizerdeutsch!», sagt der 42-Jährige, der damals wegen des Krieges geflohen war.

In Gossau (ZH), wo die Familie zuletzt fünf Jahre selbstständig ein Restaurant geführt hatte, war der Vertrag abgelaufen. «Wir suchten dann eine kleinere Gaststätte auf dem Land.»

«Ich bin sehr froh, dass unsere einzige Dorfbeiz weitergeführt wird», sagt Mitinhaber Fritz Süess. Das vorgängige Wirtepaar, Marlies und Peter Plüss, hatte sogar ein Jahr über das Pensionsalter gearbeitet. Zwölf Jahre lang hatten die beiden währschafte Gerichte wie Schnipo oder Tatarenhut aufgetischt.

Vereine und Stammgäste aus Dorf und Umgebung hatten die Gaststube gerne genutzt. «Die Leute freuen sich, dass es nun weitergeht!»

Fritz Süess hatte bereits an zehn Orten inseriert und kaum Echo erhalten, als sich Selvan Sinnathurai bei ihm meldete. «Wir sind sehr gut angekommen!», sagt der neue Koch und strahlt.

Seine vier Töchter im Alter zwischen 3 und 13 Jahren gehen seit der vorherigen Woche auf die Schule, bzw. in die Spielgruppe. Die Familie hat bereits Bekanntschaften mit den Nachbarn und den Leuten aus dem Blumenladen geschlossen.

Als das Restaurant Linde am 25. April dieses Jahres vorübergehend schloss, wurde die Gelegenheit genutzt, um das Gebäude sanft zu renovieren. Die WCs, die noch aus den Vierziger-Jahren stammen, wurden neu gemacht. In der Wirtewohnung wurden Böden frisch verlegt und Wände, auf Wunsch der Neubewohner, bunt gestrichen.

Die 34-jährige Sathya Sinnathurai hatte ausserdem sämtliche Tischdecken im Säli von Hand genäht. Nur noch wenige Tage und die Kochplatten werden aufgeheizt. Bedingt durch seine Herkunft wird Selvan Sinnathurai unter anderem asiatische Gerichte wie indisches Lammkurma kochen.

Ausserdem werden selbst gemachte Pasta und Cordon Bleus aufgetischt werden. «Ah ja, und im Herbst gibt es Metzgete!», fügt der Wirt hinzu. Auf seine Weinkarte ist er besonders stolz. Jeder Weinbauer der Rebbaugemeinde Oberflachs ist vertreten.