Veltheim
Die neuste Waldweide befindet sich im Steinbruch Unteregg

Der Steinbruchh Unteregg ist ein Naturschutzgebiet von kantonaler Bedeutung: Geissen übernehmen dort nun die Waldpflege.

Karin Pfister
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Die Geissen klettern gerne: Früher wurde das Häuschen, das heute als Geissenstall dient, wohl als Materialraum für Sprengstoff gebraucht. kpf

Die Geissen klettern gerne: Früher wurde das Häuschen, das heute als Geissenstall dient, wohl als Materialraum für Sprengstoff gebraucht. kpf

Alex Spichale

In Sachen Waldweiden gelte der Kanton Aargau als Pionier, so Isabelle Flöss von der Abteilung Landschaft und Gewässer. Momentan unterhält der Kanton rund 15 Waldweiden; die neuste befindet sich im Steinbruch Unteregg in Veltheim.

Eigentlich ist das Weiden im Wald seit 1902 verboten, da die Wälder damals nicht zuletzt durch die intensive Beweidung übernutzt und kahl gefressen waren. Bewilligt werden Waldweiden nur, wenn sie dem Naturschutz dienen. Statt des Försters übernehmen Tiere die Waldpflege, um Lebensraum für Schmetterlinge oder Orchideen zu schaffen. Bei viel Gras werden meistens Rinder oder Schafe eingesetzt; ist es felsiger und hat es viele Sträucher, kommen Geissen zum Zug.

Den Tieren gefällt es

Die sechs Strahlengeissen und der Bock hätten sich im Steinbruch Unteregg sofort wohlgefühlt, erzählt René Deubelbeiss von der Jura Cement, welche das Projekt durchführt. «Die Geissen klettern sehr gerne, eine steht meistens zuoberst auf dem Geissenstall.» Dieses Häuschen befindet sich schon mehrere Jahrzehnte auf dem Gelände und wurde früher wohl als Materialraum für Sprengstoff gebraucht.

Den Geissen scheint auch das Futter zu schmecken. Schon nach knapp zwei Wochen sind erste Resultate zu sehen. Die Tiere haben fleissig an den Sanddorn-Sträuchern geknabbert. Zwar sei Sanddorn eine einheimische Pflanze, aber sie komme in der Regel nur in der Nähe von Flüssen vor, so Isabelle Flöss. Der Sanddorn im Steinbruch sei wahrscheinlich über eine Rabatte vor dem ehemaligen Verkehrssicherheitszentrum Veltheim, welches dort bis 2007 seinen Standort hatte, eingeschleppt worden. Der Sanddorn, der als Zierstrauch diente, habe sich schnell verbreitet und verdrängt nun im Föhrenwald die ansässige Flora, so auch die Bienen-Ragwurz; eine Orchidee, welche im Unteregg vorkommt und durch Auslichtung des Waldes gefördert werden soll.

Jura Cement ist für die Pflege zuständig

Der Steinbruch Unteregg ist ein Naturschutzgebiet von kantonaler Bedueutng, so Isabelle Flöss. Total gibt es im Kanton Aargau fast 500 solcher Gebiete, die eine Fläche von 1983 Hektaren ausmachen. Dies entspricht 1,4 Prozent der gesamten Kantonsfläche. Normalerweise ist der Kanton für die Pflege verantwortlich, im Fall des Steinbruchs Unteregg liegt die Verantwortung für die Pflege bei der Jura Cement als Teil des ökologischen Ausgleichs für den Materialabbau. (KPF)

Spannende Kletterpartien

Die Weidebewilligung wurde für sechs Jahre erteilt. Jeweils zwei Monate, zwischen Anfang Juli und Ende Oktober, sind die Geissen im Steinbruch im Einsatz. Und neben dem Sanddorn und spannenden Kletterpartien gibt es noch andere Attraktionen für die Geissen. René Deubelbeiss hat die Weide extra so eingezäunt, dass die Tiere Richtung Abbaugebiet klettern «und dort die Maschinen bei der Arbeit beobachten können», wie er schmunzelnd erzählt. Er ist jeden Tag einmal vor Ort, um nach dem Rechten zu sehen. Regelmässig muss auch der Zaun kontrolliert und von herabfallenden Ästen befreit werden.

Momentan ist die Weide für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Im nächsten Jahr soll das Weidegebiet erweitert werden, dann können Interessierte den Geissen von der Verbindungsstrasse Veltheim–Auenstein aus bei «ihrer Arbeit» zusehen.

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