Grossratswahlen
Die neue Sitzverteilung: Warum die Verliererin doch gewinnt

Am Sonntag sind die Würfel gefallen: Die SVP holt im Bezirk Brugg trotz Wählerverlust einen zusätzlichen Sitz. FDP und SP legen zwar zu, profitieren aber nicht. Diese Resultate werfen Fragen auf.

Claudia Meier
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Die neue Grossrats-Sitzverteilung im Bezirk Brugg wirft Fragen auf.

Die neue Grossrats-Sitzverteilung im Bezirk Brugg wirft Fragen auf.

Sandra Ardizzone

Für den Bezirk Brugg politisieren in der kommenden Amtsperiode 11 Grossräte aus 6 Parteien im Grossen Rat: 4 SVP, 2 FDP, 2 SP, 1 CVP, 1 Grüne und 1 EVP. Die Grünliberalen sind mit Markus Lang nicht mehr vertreten (die az berichtete). Die SVP hat der GLP auf den ersten Blick diesen Sitz abgeknöpft. Doch wie ist es möglich, dass die SVP trotz stärkstem Wählerverlust (–3,3%) einen vierten Sitz geholt hat? Franziska Gross, stellvertretende Leiterin Kantonales Wahlbüro, erklärt die Besonderheit des Wahlsystems «Doppelter Pukelsheim»: «Bei der Sitzzuteilung wird auf den gesamtkantonalen Wähleranteil, die Mandatszuteilung auf die Bezirke sowie die Wähleranteile in den Bezirken geachtet.» Unter Berücksichtigung dieser ermittelten Grössen müssen 140 Sitze verteilt werden.

Störende Einzelfälle sind möglich

Ziel ist es, dass die Kräfteverhältnisse der Gesamtwählerschaft möglichst gut entsprechen. Aus diesem Grund dürfe man nicht von einem Wähleranteil einer Partei in einem Wahlkreis auf dessen Sitzanspruch schliessen, betont Gross. Mit anderen Worten: Es könne vorkommen, dass in der Unterzuteilung eine Partei einen Sitz in einem Wahlkreis verliert, obwohl ihr Wähleranteil in diesem Wahlkreis zugenommen hat. Vielleicht kann die Partei dafür dann in einem anderen Wahlkreis einen zusätzlichen Sitz holen, wie das nun die SVP im Bezirk Brugg vorgemacht hat.

Bezirk Brugg, Grossratswahlen: Gewählt und abgewählt (2016) Martin Wernli (SVP), Thalheim (bisher), 4195 Stimmen
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Maya Meier (SVP), Auenstein (bisher), 4040 Stimmen
Dominik Riner (SVP), Schinznach (neu), 3683 Stimmen
Tonja Kaufmann (SVP), Hausen (neu), 3596 Stimmen
Titus Meier (FDP), Brugg (bisher), 4318 Stimmen
Martina Sigg (FDP), Schinznach (bisher), 3634 Stimmen
Dieter Egli (SP), Windisch (bisher), 3470 Stimmen
Martin Brügger (SP), Brugg (bisher), 3439 Stimmen
Jürg Baur (CVP), Brugg (neu), 1692 Stimmen
Robert Obrist (Grüne), Schinznach (bisher), 2898 Stimmen
Roland Frauchiger (EVP), Thalheim (bisher), 1458 Stimmen
Abgewählt: Franz Hollinger (CVP), Brugg, 1600 Stimmen
Abgewählt: Markus Lang (GLP), Brugg, 1374 Stimmen

Bezirk Brugg, Grossratswahlen: Gewählt und abgewählt (2016) Martin Wernli (SVP), Thalheim (bisher), 4195 Stimmen

Zur Verfügung gestellt

Franziska Gross sagt weiter: «Das mag im Einzelfall störend sein, jede andere Zuteilung würde aber den Gesamtwählerwillen schlechter abbilden.» Damit lasse sich erklären, warum die SVP in den Bezirken Aarau und Lenzburg je einen Sitz verloren und in den Bezirken Brugg und Kulm je einen Sitz gewonnen hat. Dasselbe gelte für den Sitzverlust der GLP.

FDP und SP haben Pech

Am stärksten zugelegt haben im Bezirk Brugg bekanntlich ja die FDP und die SP (je +2,7%). Doch für einen dritten Sitz reichte es beiden Parteien nicht. Auf die Frage, wie viele Stimmen dazu fehlten, gibt es von Franziska Gross erneut keine einfache Antwort, weil durch zusätzliche Stimmen für die SP oder FDP sich das Gesamtbild wieder verändert hätte.

So gesehen ist also nicht die SVP die grosse Verliererin, sondern eher die FDP und die SP. Bei Tonja Kaufmann von der SVP war die Freude über den überraschend gewonnenen Sitz verständlicherweise gross. Weniger begeistert dürften am Sonntagabend wohl der Brugger Stadtrat Reto Wettstein (FDP) und der Windischer Gemeinderat Christoph Haefeli (SP) gewesen sein, die den Sprung nach Aarau eben nicht schafften. Sie müssen weiterhin auf dem ersten Ersatzplatz ausharren. Dieter Egli (SP) bleibt der einzige Vertreter aus Windisch im Grossen Rat.