Windisch

Die Musikgesellschaft Windisch entstand auf dem Jassteppich

Dieses Foto der «Eintracht Windisch» ist sehr alt – es stammt aus dem Jahr 1929. ZVG

Dieses Foto der «Eintracht Windisch» ist sehr alt – es stammt aus dem Jahr 1929. ZVG

Die Musikgesellschaft Eintracht feiert dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Am 16.Juni 1912 verspricht der Altstoffhändler Hermann Daetwiler beim Jass den Windischer Musikanten seine Unterstützung - der Grundstein für die Gründung des Musikvereins.

Es ist Sonntagabend, 16. Juni 1912. Im Restaurant Linde sitzt der Landwirt Ernst Spillmann, der als Hobby ein Blasinstrument spielt, mit einem andern Windischer zusammen. Da tritt der hiesige Altstoffhändler und Fabrikant Hermann Daetwiler zusammen mit seinem Buchhalter ins Lokal.

Die vier Männer beginnen zu jassen. Daetwiler neckt Spillmann: «Mit euch Windischer Musikanten ist nichts los; dass ihr in unserem grossen Dorf noch keinen Musikverein zustande gebracht habt! Stets muss für das Windischer Jugendfest ein auswärtiges Musikkorps beigezogen werden!»

Spillmann erwidert, es fehle das Geld für die Anschaffung der Instrumente, worauf Daetwiler verspricht: «Wenn euch die Gründung einer Musikgesellschaft Windisch gelingt, zahle ich in die Vereinskasse 500 Franken!» Die Wirtin eilt sofort mit Papier, Feder und Tinte herbei, worauf eine Einladung zur Gründungsversammlung an musikbegeisterte Einwohner aufgesetzt wird. Termin: 20. Juni im Schulhaus Dorfstrasse. Zudem wird für das Lokalblatt ein Inserat aufgegeben, dessen Kosten Daetwiler ebenfalls übernimmt.

Mit 12 Mann gestartet

An besagtem Tag fanden sich 12 Mann zur Gründungsversammlung ein. Sie wählten einen Vorstand, den Vereinsnamen Eintracht und arbeiteten die Statuten aus. Im Herbst begannen die Proben; ein Teil der Instrumente wurde leihweise übernommen. Die Gemeinde unterstützte den neuen Verein mit 100 Franken. Eine Uniformanschaffung lag gleichwohl nicht drin. Die Musikanten beschlossen aber im folgenden Jahr die Anschaffung von 20 einheitlichen Hüten, braunen «Grenzwächterhüten» für Fr. 3.60 pro Mitglied.

Der Verein bestritt nun diverse Auftritte, auch am Fasnachtsumzug und nach ausgiebigen Proben am Jugendfest 1913 mit Vorträgen in der Kirche, am Umzug und auf der Tanzbühne. Das von den Erwachsenen beigesteuerte Tanzgeld belief sich auf 102 Franken. Daetwiler spendete erneut und nicht zum letzten Mal 100 Franken; er wurde aufgrund all seiner Verdienste mit der Ehrenmitgliedschaft belohnt. Die Gagen des Vereines waren unterschiedlich: An einem Waldfest 1913 in Mülligen erhielt der Verein 15 Franken, am Festgottesdienst vom 21. September im Amphitheater 50 Liter Bier.

Der erste Vereinsausflug führte 1915 zu Fuss und zeitweise mit musikalischen Vorträgen (laut Protokoll «klingende Misstöne») nach Schinznach-Bad, Scherz und Lupfig, wobei mehrere Gaststätten frequentiert wurden. Per Dampfross gings zurück nach Windisch mit Abschluss in drei weiteren Beizen. Ein zweiter Ausflug wurde auf einem Daetwiler-Lastwagen unternommen. Auf der Rückfahrt kippte in Wildegg eine Bank, worauf fünf Musikanten samt ihren Instrumenten in den Dreck flogen.

In hervorragender Verfassung

Ein paar wenige Notizen zu weiteren Ereignissen: 1919 erste Teilnahme mit 22 Mann an einem Musikfest in Dintikon (mit silbernem Lorbeer ausgezeichnet), 1922 Einweihung der ersten Uniform (grüner Rock, grüne Mütze, schwarze Hose), 1923 Besuch Eidgenössisches Musikfest in Zug (ehrenvoller 9. Rang unter 35 Korps dieser Kategorie), 1924 Fahnenweihe (Aufdruck: «In Freud und Leid zum Spiel bereit»), 1997 Gründung «Musig-Würm».

Die Musikgesellschaft durfte in den 100 Jahren viele Erfolge feiern. Natürlich gab es auch Tiefpunkte. Doch auch heute befindet sie sich – mit 44 Aktivmitgliedern – in hervorragender Verfassung und wird dies auch an den bevorstehenden Jubiläums-Jahreskonzerten unter Beweis stellen.

Jubiläums-Jahreskonzerte: 5. Mai, 20 Uhr; 6. Mai, 14 Uhr, Turnhalle Dorfstrasse Windisch: Musikalische Perlen und kabarettistische Einlagen.

Quellen: Festschriften 50 Jahre Eintracht Windisch (Verfasser: Werner Keller) und 75 Jahre Eintracht (Verfasser Hans Peter Urech).

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