Aargau Marathon

Die Marathon-Siegerin aus Windisch ist schnell im Aargau angekommen

Läuferin Fränzi Inauen aus Windisch wohnt erst seit kurzem im Kanton Aargau und ist trotzdem schon ziemlich bekannt: Die 29-Jährige gewann den 1. Aargau Marathon und wird seither auf der Strasse erkannt und angesprochen.

Einige Tage sind zwar schon vergangen seit dem ersten Aargau Marathon. Beim Gedanken an den Grossanlass beginnen die aufgeweckten braunen Augen von Fränzi Inauen aber noch immer zu leuchten.

Denn dass sie nach 42,2 Kilometern – und klar unter drei Stunden – als schnellste Frau die Ziellinie in Brugg überqueren konnte, hatte sie nicht unbedingt erwartet.

«Das war ein ausserordentlich schönes und spezielles Gefühl», erinnert sie sich mit einem ansteckenden Lachen. «Dieser Sieg war ein wunderbares Willkommensgeschenk.»

Erst im März ist die aufgestellte 29-Jährige von Luzern zu ihrem Partner nach Windisch gezogen – der Liebe wegen also, wie sie mit einem Schmunzeln sagt.

Als im letzten Sommer klar gewesen sei, dass sie zügle, habe sie sich auch für den Aargau Marathon angemeldet.

In bester Erinnerung bleiben ihr – neben dem Zieleinlauf, wo sie von mehreren Hundert Zuschauern lautstark angefeuert wurde – vor allem die Strecke, die vielerorts über Naturwege führte.

Der Dauerregen störte sie nicht. «Warum auch, ändern kann ich am Wetter ja sowieso nichts», sagt sie und zuckt mit den Schultern.

Gefreut hat sie sich überdies über die lieben Reaktionen im Nachhinein. Plötzlich sei sie auf der Strasse und beim Einkaufen von fremden Menschen erkannt und angesprochen worden. «Jetzt bin ich so richtig im Aargau angekommen. Ich fühle mich sehr wohl hier.»

Bergauf, das mag sie

Die Sportlerin strotzt vor Tatendrang und Lebensfreude. Immer wieder belegt sie an Wettkämpfen Spitzenplätze, konnte sich 2014 am Swiss City Marathon in Luzern als Siegerin feiern lassen.

«Ich habe so meine Lieblingsläufe», stellt sie fest. «Meine grossen Favoriten sind die Bergläufe. Ich mag die schmalen Wege bergauf mit dem unebenen Untergrund.» Sowieso halte sie sich gerne in der Natur auf – vorzugsweise alleine auf weiter Flur.

Zielvorgaben macht sie sich vor den Wettkämpfen übrigens keine. «Ich setze mich nicht unter Druck.»

Bei den Vorbereitungen ist sie weder mit einer Uhr unterwegs noch hält sie sich an einen bestimmten Trainingsplan oder braucht gar einen Coach. «Ich höre auf meinen Körper», führt sie aus.

«Dieser weiss am besten, was er braucht und was zum jeweiligen Zeitpunkt am besten passt, ob eine längere, langsamere oder eine kürzere, schnellere Einheit. Ich will frei über Dauer und Intensität entscheiden können. Das ist für mich am effizientesten.»

1. Aargau Marathon wird zur Tortur

1. Aargau Marathon wird zur Tortur

Feucht-frostiges Aprilwetter macht den Teilnehmern der Marathon-Premiere den Lauf schwer. Trotzdem lassen sich 2000 Teilnehmer nicht verscheuchen.

Döner Kebab war nicht ideal

Der Trainingsaufwand ist denn auch – kein Wunder – von Woche zu Woche unterschiedlich, kann einmal drei Stunden betragen, dann wieder zwölf Stunden.

«Starre Strukturen wären nichts für mich», sagt die sympathische Sportlerin. Regelmässig ist sie ebenfalls auf dem Velo, mit den Inlineskates oder beim Wandern anzutreffen.

Oft packt sie den Rucksack und rennt einfach drauflos, ohne bestimmtes Ziel. «Es gibt nichts Besseres, um die Umgebung kennenzulernen.» Für den Rückweg steigt sie dann in den Zug oder nimmt den Bus.

«Ich seckle, weil ich Spass daran habe. Solange ich gesund bin, mache ich weiter», fährt Fränzi Inauen fort und ergänzt: «Durch das Laufen bin ich zufriedener.» Das komme, fügt sie mit einem schelmischen Blick an, ebenfalls ihrem Umfeld zugute. «Ich brauche das zum Ausgleich», sagt die ausgebildete Ergotherapeutin.

«Im Beruf arbeite ich gerne mit Menschen zusammen, privat pflege ich gerne Beziehungen zu Familie und Freunden. Beim Sport dagegen kann ich abschalten und den Kopf durchlüften.»

Einschränkungen müsse sie durch das Training – «ich empfinde das sowieso nicht als Belastung» – im Alltag kaum in Kauf nehmen, auch bei der Ernährung nicht.

Mit einer Ausnahme: Einmal habe sie just vor einem Wettkampf einen Döner Kebab gegessen. Das war, so stellte sich heraus, nicht ideal – «und das werde ich in Zukunft deshalb vermeiden».

Beim nächsten Mal wieder dabei

Fränzi Inauen – offiziell Franziska, «aber bis zu meinem 30. Geburtstag im Dezember nenne ich mich Fränzi», sagt sie mit einem Augenzwinkern – wuchs im Kanton Luzern auf, wo sie die Kantonsschule besuchte.

Als Kind schloss sie sich einer Laufgruppe an und liess sich zu einer Teilnahme an einem Wettkampf überreden. Später entdeckte sie den Marathon für sich. «Diese Distanz liegt mir offenbar.»

Im August wird sie ihre neue Stelle bei den Zentren Körperbehinderte Aargau (Zeka) am Standort Baden antreten. «Auf diese Herausforderung freue ich mich.»

Bis dahin wird sie für eine Hilfsorganisation einen Einsatz leisten in einem Flüchtlingslager – ob in Griechenland oder einer anderen Destination, werde sich weisen. «Ich wende meine Energie gerne für Menschen auf, denen es nicht so gut geht wie mir», sagt sie.

Schon im letzten Jahr hielt sie sich als Helferin drei Monate in Uganda in Afrika auf. «Das war eine wertvolle Erfahrung.»

Zurück zum Aargau Marathon. Auch wenn noch nicht feststeht, wann dieser das nächste Mal stattfinden und wo die Strecke durchführen wird: Ist Fränzi Inauen erneut mit dabei?

«Selbstverständlich», antwortet sie ohne zu zögern. «Und wenn die Zeit wieder stimmt, dann ist es umso schöner.»

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