Brugg
Die Lyrik-Lesungen schaffen den Ausgleich zum Alltag

Die neue Reihe im Forum Odeon will das Publikum mit Lesungen wieder für die Dichtkunst begeistern.

Timea Hunkeler
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Im Forum des Kulturhauses Odeon finden bald einmal pro Monat Lyriklesungen mit Diskussionsrunden statt.Michael Hunziker

Im Forum des Kulturhauses Odeon finden bald einmal pro Monat Lyriklesungen mit Diskussionsrunden statt.Michael Hunziker

Michael Hunziker

«Mit Lyriklesungen lassen sich in der Regel keine grossen Säle füllen», sagt Gabi Umbricht, Initiantin der neuen Lyrikreihe im Forum Odeon. Dennoch soll «Ein (W)Ort für die Lyrik» bald viele Menschen aus der Region Brugg ins Kulturhaus Odeon locken. Das Angebot an Lyriklesungen sei bescheiden, da diese für Veranstalter nicht attraktiv seien. «Mit der neuen Lyrikreihe möchten wir in der Region Brugg eine Lücke füllen», sagt Umbricht. Seit kurzer Zeit bestehe für den Kulturverein die Möglichkeit, einen Raum im ersten Stock des Kulturhauses Odeon nutzen zu können. Dieser sei ideal für kleinere Veranstaltungen, da die flexible Bestuhlung eine Raumeinteilung ermöglicht, die für alle Veranstaltungen angepasst werden kann.

Vermehrt Interesse an Lyrik

«Es gibt so viele gute Lyrikerinnen und Lyriker, die wenig Möglichkeiten haben, ihre Werke einem Publikum vorzustellen», findet Umbricht. Gleichzeitig sei der Trend bemerkbar, dass sich wieder mehr Menschen für die Lyrik interessieren. «Diese beiden Tendenzen haben mich seit längerem beschäftigt», sagt sie. Umbricht engagiert sich seit zwölf Jahren im Literaturteam des Kulturhauses Odeon. Lange sei dort fast ganz auf Lyrik verzichtet worden, da sich der Kinosaal nicht für kleinere Literaturveranstaltungen eigne. «Das habe ich persönlich immer sehr bedauert», sagt die Initiantin. Nun sind es nicht nur einzelne Lyrikveranstaltungen, sondern gleich eine ganze Reihe, die dem Publikum Kontinuität schaffen soll und es ihm so möglich mache, die Lyriklesungen kennen zu lernen und auch Gefallen daran zu finden. Hinter der Reihe, die vorläufig für drei Jahre geplant ist, stecke eine doppelte Absicht. Einerseits soll die Freude an der Lyrik geweckt und eine attraktive Veranstaltung präsentiert, andererseits den Autorinnen und Autoren so eine Plattform geboten werden. «Natürlich kann man Gedichte auch zu Hause lesen. Doch Lyrik wirkt dann am besten, wenn sie nicht nur gelesen, sondern auch gehört wird», findet Umbricht. Lyrische Texte leben von Klang und Rhythmus, was man an einer Lesung unmittelbar erfahre.

Sie selbst hat die Autorinnen und Autoren, basierend auf eigenen Vorlieben, für die Lesungen ausgewählt. Diese durften sich jeweils zusätzlich einen Gesprächspartner aussuchen. Zwei Autoren werden somit einmal im Monat ihre Werke vorlesen und anschliessend darüber diskutieren.

Die Lesungen seien für all jene, die sich in irgendeiner Form für Lyrik interessieren. «Ich höre oft, dass Leute mit Lyrik nichts anfangen können, weil es ihnen zu kompliziert ist. Das stimmt nicht. Man sollte Gedichte nicht immer in erster Linie verstehen wollen», sagt Umbricht. Jedoch interessieren sich die Leute auch immer mehr für Lyrik. Sie sieht den Grund dieser neugewonnenen Begeisterung vor allem darin, dass die Lyrik ein Ausgleich zur schnelllebigen Zeit darstellt. «Lyrik braucht die Bereitschaft, sich auf einen Text einzulassen, denn Multitasking ist dabei nicht möglich. Lyrik bringt Vergnügen und ist immer ein echter Erkenntnisgewinn», sagt sie.

Erste Lesung von Andreas Neeser und Katharina Lanfranconi am 27. Oktober, von 19 bis 20 Uhr. Eintritt: 16 Franken.