Forum Botia

Die Leser haben die Zukunft des Qualitätsjournalismus in der Hand

Die Initianten posieren mit dem Referenten hinter dem Restaurant Post in Bözen (v. l.): Daniel Büeler, Publizist Peter Hartmeier, Verena Erb, Andrea Imhof und Stefan Höchli. Bild: cm

Die Initianten posieren mit dem Referenten hinter dem Restaurant Post in Bözen (v. l.): Daniel Büeler, Publizist Peter Hartmeier, Verena Erb, Andrea Imhof und Stefan Höchli. Bild: cm

Die Initianten des Forums Botia haben Medienkenner Peter Hartmeier zum Referat nach Bözen eingeladen. Obwohl sich die Medien aufgrund der Digitalisierung in einem kostspieligen Transformationsprozess mit ungewissem Ausgang befinden, hat Hartmeier auch Chancen aufgezeigt.

Der digitale Wandel schreitet in der Gesellschaft rasant voran und kaum eine Branche wird davor verschont. Damit verbunden tauchen plötzlich Fragen auf wie: Braucht es in Zukunft noch Banken, Reisebüros oder Autogaragen? Und was passiert mit den Medien? Wer verdient noch Geld damit? Warum interessieren sich Junge nur noch für Unterhaltung und kaum für Nachrichten?

Er erzähle aus einer Branche, die jetzt viel Neues ausprobieren, aus Fehlern lernen und laufend Korrekturen vornehmen müsse, sagte Publizist Peter Hartmeier am Donnerstagabend in der Einleitung zum Referat «Medien, Meinungsbildung, Macht und Markt» am 11. Forum Botia in Bözen.

Für die Demokratie ist Meinungsbildung wichtig

Das Forum Botia lädt – einmal pro Jahr im Oktober – Dutzende Wirtschafts- und Politikvertreter aus dem Fricktal und dem Aaretal zum Ideen- und Wissensaustausch ins Restaurant Post ein. Für die bei den rund 90 Gästen beliebte Veranstaltung konnte das Kernteam – bestehend aus Stefan Höchli, Verena Erb, Daniel Büeler und Andrea Imhof – dieses Mal mit Peter Hartmeier einen Kenner der europäischen Medienlandschaft begrüssen. Der 67-Jährige ist auch Vorsitzender des Publizistischen Ausschusses von CH Media, dem Unternehmen, das unter anderem diese Zeitung herausgibt.

Obwohl mit der digitalen Transformation das Mediensystem auf den Kopf gestellt wurde und die Journalisten ihre Torwächter-Funktion aufgrund der grossen Zahl neuer Kanäle längst verloren haben, fand Hartmeier optimistische Worte zur Zukunft des Qualitätsjournalismus. «Für die Demokratie ist Meinungsbildung wichtig. Und die Glaubwürdigkeit von Journalisten und Verlegern sowie von der SRG ist zentral. Die Konsumenten sind anspruchsvoller als früher», sagte er. «Es braucht Produkte, die die Kunden wollen und für die sie bereit sind zu zahlen.»

Journalisten stellen einen Teil der Wahrheit dar

Mit Blick auf die aktuellen Proteste in Hongkong strich Peter Hartmeier den Wert der Meinungsvielfalt in der Gesellschaft hervor. «Journalisten sollen in den Medien unter Quellenangaben den Teil der Wahrheit darstellen, den sie zu kennen glauben.» Zum Handwerk gehören kritische Fragen und eine klare Einordnung. Mit einem Journalisten, der einen Leser ärgert, könne man sprechen. Das sei bei Anonymität im Netz nicht möglich.

Da die Schweiz auch künftig grosse und kleine Medienunternehmen braucht, ist laut Hartmeier temporär eine indirekte Presseförderung sinnvoll. Um sich Qualitätsjournalismus leisten zu können, brauche es Abonnenten und Inserenten.

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