Der Heimat- oder Bürgerort ist eine schweizerische Eigenheit. Die einen habe eine emotionale Bindung zu diesem Ort. Andere waren noch nie dort und notieren ihn höchstens gelegentlich in einem Formular. Grundsätzlich gilt: Der Heimatort hat an Bedeutung verloren. Aber was passiert, wenn der Heimatort fusioniert? Das wollte vergangene Woche auch eine Frau am Infoabend in Lupfig wissen.

Die Antwort von Projektbegleiter Jean-Claude Kleiner fiel allerdings etwas knapp aus. Bei einem Zusammenschluss gebe es keinen Grund zur Hektik, sofort alle Dokumente anzupassen, sagte er, ohne auf Details einzugehen. Denn: Läuft im Eigenamt alles nach Plan, können sich die beiden Kommunen Lupfig und Scherz per 1. Januar 2018 zur Gemeinde Lupfig zusammenschliessen. Auch wenn die beiden Ortsteile sowie die Postadressen erhalten bleiben, gibt es ab dann nur noch einen gemeinsamen Bürgerort. In diesem Fall Lupfig.

Anpassungen kosten nichts

So war das auch 2014 bei der Fusion von Schinznach-Dorf und Oberflachs zur Gemeinde Schinznach sowie beim Zusammenschluss Anfang 2013 von Gallenkirch, Linn, Ober- und Unterbözberg zur Gemeinde Bözberg. Beim letzten Beispiel sorgte unabhängig vom neuen Heimatort – vor allem im Ortsteil Linn – die Änderung sämtlicher Postadressen für grosse Diskussionen und heftige Auseinandersetzungen.

«Die Chancen und Risiken für die Gemeinden sind unterschiedlich»: Die Ammänner von Lupfig und Scherz legen ihre Argumente auf den Tisch

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Der Kanton, seine öffentlich-rechtlichen Anstalten und die Gemeinden nehmen die aufgrund einer Fusion zwingend erforderlichen Änderungen amtlicher Dokumente und des Grundbuchs unentgeltlich vor. So steht es im Gemeindegesetz des Kantons Aargau.

Bei Pässen und Identitätskarten ist die Anpassung allerdings nicht unbedingt erforderlich, heisst es beim kantonalen Departement Volkswirtschaft und Inneres (DVI). Eine Richtigstellung erfolgt dann, wenn diese Dokumente regulär erneuert werden müssen, weil sie ungültig werden oder verfallen. Dann fallen für die Antragsteller auch wieder die üblichen Gebühren an.

Deutlich kürzer ist die Frist beim Führerausweis. Hier gilt die Regelung, dass er innerhalb von 14 Tagen angepasst werden muss. «Wenn man diese Frist versäumt, kann durch die Polizei eine Busse bis zu 100 Franken ausgesprochen werden», sagt DVI-Sprecher Samuel Helbling. Sollte bei einer Kontrolle der Heimatort im Führerausweis nicht aktualisiert sein, dürfte sich die Polizei im ersten Jahr vermutlich kulant zeigen. Samuel Helbling ergänzt: «Wenn der Umtausch respektive die Adressanpassung nach einer Gemeindefusion innerhalb des Kalenderjahrs getätigt wird, werden vom Strassenverkehrsamt für den neuen Führerausweis keine Kosten in Rechnung gestellt.»

Das Freiburger Kantonsparlament hat vor einem Monat entschieden, dass man im Fall einer Gemeindefusion den alten Heimatort auf Wunsch behalten kann. Sind diesbezüglich auch im Kanton Aargau Reformen vorgesehen oder in Bearbeitung? Der DVI-Sprecher verneint.

Im Bezirk Brugg ist derzeit nicht nur der Zusammenschluss von Lupfig und Scherz ein Thema. Auch die Gemeinde Schinznach-Bad ist mit der Stadt Brugg daran, vertiefte Fusionsabklärungen zu treffen. Bereits seit 2013 ist eine Projektgruppe dabei, eine Fusion zu prüfen. Wird der Zeitplan eingehalten, könnte der Zusammenschluss per 1. Januar 2020 realisiert werden. Personen mit Bürgerort Schinznach-Bad müssten diesen dann früher oder später auf Brugg wechseln.