Auf der Grossleinwand wird die entscheidende Filmsequenz aus «Over the top» mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle immer wieder gezeigt: der finale Armwrestling-Kampf in Las Vegas. Mit «Epic battle» ist die Szene untertitelt. Das Ganze wird mit Rockmusik untermalt. Vom Jurytisch kommt zwischendurch der Hinweis, die Musik lauter oder wieder leiser zu machen – je nachdem, was auf der Bühne gerade passiert. Die zahlreichen Männer und Frauen im Kulturzentrum Trotte in Villigen geben sich an diesem Samstagnachmittag ihrer Leidenschaft hin: dem Armwrestling oder Armdrücken.

An Side-Tables wärmen sich die Teilnehmer auf, üben ihre Technik. Juniorin Melanie Brunner trainiert an einem der Tische mit ihrer Schwester Sarah. «Für mich ist das Armwrestling etwas Aussergewöhnliches und Spezielles», sagt Melanie Brunner. Auf der Bühne sitzt die Jury, davor messen sich an zwei Stehtischen die Armwrestler. In allen Kategorien werden die Schweizer Meister erkoren. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden in Gewichtsklassen im Zehnkilogramm-Abstand von bis 60 kg bis +110 kg eingeteilt. Da sind 14- bis 15-jährige und 16- bis 21-jährige Junioren am Start, die Amateurs, die über 40-jährigen Masters sowie die Behindertenklasse. Die Profis aus 11 Klubs sind aus verschiedenen Kantonen der Schweiz angereist.

Schweizer Meisterschaft im Armwrestling

Schweizer Meisterschaft im Armwrestling

Mit Kraft und Technik wird der Arm des Gegners runtergedrückt. Dabei spielt auch die mentale Stärke eine wichtige Rolle.

Dann gehts los: Speaker Thomas Brunner, selbst ehemaliger Aktiver, begrüsst die zahlreichen Gäste im Saal, darunter Freunde, Fans, Familien mit Kleinkindern. Auf der Bühne zeigen sich die Schiedsrichter in ihren schwarz-weiss-gestreiften Shirts. Der erste Durchgang gehört denjenigen Sportlern, mit dem kräfigen linken Arm. «Da sind eher weniger am Start. Die meisten kämpfen mit dem rechten Arm», erklärt Sven Roller, den alle «Jackass» nennen. Nebst den Gewichtsklassen spielt also auch rechts oder links eine Rolle. Der vierfache Schweizer Meister konnte früher mit beiden Armen drücken, seit einem Motorradunfall tritt er nur noch rechts an.

Armwrestling als Lebenseinstellung

Sven Roller ist an den Schweizer Meisterschaften als Präsident des organisierenden Armsportclub Wolf hier, als Schiedsrichter und als Teilnehmer in der Kategorie +110 kg rechts. Für ihn ist das Armwrestling eine Lebenseinstellung. «Ich trage diesen Sport auch gegen aussen, laufe immer mit meiner Kutte herum», sagt der Mann mit dem Bocksbärtchen und Schiebermütze. Auf der «Kutte», seiner Weste, prangt das Logo des Armsports. «Kraft, Technik und die mentale Stärke sind ausschlaggebend», erklärt er, der früher auch an Wettbewerben wie «Strong man» oder «Highland Games» teilnahm. Zwölf Aktive sind in seinem Club, den er mit drei Kollegen gründete, vertreten.

Mehr als nur starke Oberärme: Die Schweizermeisterschaft im Armdrücken

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Beitrag von TeleM1 (16.03.2017)

Einmal wöchentlich treffen sie sich zum Training in Rüfenach. «Hier wird dann die Technik antrainiert, um alles zu automatisieren. Das Krafttrainings erfolgt individuell.» Die Professionalität dieser Randsportart betont Roller, denn man möchte weg vom Image des «Beizen-Drückers». «Jeder darf den Sport ausprobieren, um sich selbst ein Bild zu machen», sagt Roller.

Unterdessen sind die Kämpfe auf der Bühne in vollem Gang. Beeindruckend, wie genau nur schon das Ineinandergreifen der Hände vor dem Start von den Schiedsrichtern beäugt wird. Dort, wo es zu lange dauert, bis die beiden Teilnehmer ihre optimale Ausgangsposition gefunden haben, werden die Hände kurzerhand zusammengebunden, um jedem dieselbe Chance zu erteilen. Dann gehts meist sehr schnell: Innert Hundertstelsekunden wird ein Handrücken auf die Tischplatte gedrückt. Dort, wo es länger dauert, sind Kraftschreie zu hören. Das Publikum feuert an, filmt und fotografiert.

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