Effingen

Die Knaben des Schulheims führen die «Die schwarzen Brüder» auf

Die Knaben des Schulheims Effingen spielen an der Weihnachtsfeier «Die schwarzen Brüder».

Die Knaben des Schulheims Effingen spielen an der Weihnachtsfeier «Die schwarzen Brüder».

Das Schulheim Effingen hat für das Jahresende ein düsteres Kapitel der Schweizer Geschichte aufgeschlagen. In der Weihnachtsaufführung spielen die Knaben die Geschichte von Giorgio und den «schwarzen Brüdern». Ein gelungenes Stück.

«Zu Weihnachten gehören nicht nur Geschenke, sondern auch Lichter, Emotionen und Begegnungen», sagte Schulleiterin Brigitte Röthlisberger zu Beginn der Weihnachtsfeier im Mehrzwecksaal am Mittwochabend. Die Emotionen lieferten die Knaben des Schulheims in Form einer wahren Geschichte. Sie spielten «Die schwarzen Brüder» und schlugen damit ein düsteres Kapitel Schweizer Geschichte auf. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurden aus wirtschaftlicher Not heraus Tessiner Buben nach Norditalien verkauft, um dort Schornsteine zu reinigen. Viele der sogenannten «Spazzacamini» überlebten die harte und dreckige Arbeit nicht, sie starben an Lungentuberkulose. Giorgio wird auch verkauft, nach Mailand zu Signor Rossi – für 20 Franken.

Vater ereifert sich

Der Vater zu Hause im Verzascatal wehrt sich zunächst, als ein gewisser Herr Luini das Angebot macht. «Meinen Jungen verkaufen, niemals», ereifert er sich. Doch als sich seine Frau den Fuss bricht, muss er auf das Angebot eingehen. Schweren Herzens lässt er Giorgio ziehen.

Nächste Szene: «Spazzacamino, Spazzacamino», rufen Giorgio und Signor Rossi. «Wir fegen jeden Schornstein.» Sie laufen durch die Gassen Mailands und bieten ihren Dienst an. Immer wieder werden sie von einer Jungen-Bande verfolgt, von den «Wölfen». Giorgio tritt den «schwarzen Brüdern» bei, sein Freund Alfredo ist deren Anführer. Schön zu sehen, wie die Schauspieler ihren Part beherrschen: Etwa als der Anführer der «Wölfe» mit Giorgio darüber verhandelt, wann sie sich zum nächsten Kampf treffen wollen. Doch dazu kommt es nicht mehr: Alfredo stirbt an Staublunge, an seiner Beerdigung versöhnen sich die Banden. Lange Textblöcke werden einwandfrei erzählt, die Knaben spielen ihre Rollen gekonnt. Für Giorgio nimmt die Geschichte doch ein gutes Ende: Er flüchtet mit anderen Knaben in die Schweiz und wird dort, mit der Unterstützung eines Arztes, Lehrer. Alfredos Schwester Bianca wird seine Frau.

Stiftungsratspräsident Ernst Kistler gratulierte den Knaben zu ihrer schauspielerischen Leistung. «Das habt ihr sehr gut gemacht.» Und drei Dinge, die Giorgio auszeichnen, wollte Ernst Kistler den Knaben mit auf den Weg geben. «Ich wünsche euch die Hilfsbereitschaft, den Mut und die Zielstrebigkeit von Giorgio.»

«Bauerei geht an die Substanz»

Ehe Weihnachtslieder wie «Oh when the Saints go marching in» angestimmt und Geschenke verteilt werden konnten, kommentierte Heimleiter Hans Röthlisberger das bald vergangene Jahr. «Es war ein schwieriges Jahr, denn die Bauerei geht an die Substanz. Im April haben wir die Hälfte geschafft, dann ziehen wir um.»

Bis im April können die Buben im Alter von 7 bis 17 Jahren in die neuen Gruppenhäuser einziehen. Danach wird das Knabenhaus neben dem Hauptgebäude abgebrochen. «Das wird wohl nochmals schwierig, denn die Baugrube befindet sich dann in der Mitte des Schulheims», so Hans Röthlisberger. Der 15 Millionen Franken teure Um- und Ausbau soll bis 2016 fertiggestellt sein.

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