Literatur
Die kleinen Tage der feinen Literatur in Brugg

Am Wochenende gingen die Brugger Literaturtage über die Bühne. Die Ausgabe stand unter dem Motto «Jugend», was man beim Hören der Texte allerdings kaum erraten hätte.

Lukas Gloor
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Catalin Dorian Florescu.HO

Catalin Dorian Florescu.HO

Ganz unterschiedliche Literatur gab es am Freitagabend zu hören. Doch vor Beginn der Lesung stand man vor dem Salzhaus beisammen, ein Feuer loderte, Crêpes und Grilliertes wurden verkauft. Ein bisschen Open-AirStimmung herrschte, wenn auch anständiger. Vielleicht trug auch die Kühle des Abends das ihre dazu.

Kürzestlesungen standen an, in denen jeder Autor eine Viertelstunde aus einem Werk las. Kurze Häppchen, zum Einstimmen auf das Wochenende, an dem die regulären Lesungen im Kulturhaus Odeon, im Rathaussaal und im Salzhaus folgten.

Franzobel tauchte nicht auf

Am Freitagabend aber sollten alle zusammenkommen. Acht Wasserflaschen standen nebeneinander auf der Bühne des gut besuchten Salzhauses. Gebraucht wurden dann nur sieben, weil Franzobel, der österreichische Schriftsteller, aus unerklärlichen Gründen nicht auftauchte.

Dafür waren alle anderen umso präsenter. Etwa Catalin Dorian Florescu, der letztjährige Schweizer Buchpreisträger. Er las zwar nicht aus dem preisgekrönten Roman «Jakob beschliesst zu lieben» – den hebe er sich für den Samstag auf –, sondern bot aus dem Vorgänger «Zaira» die hinreissende Geburt der Ich-Erzählerin in einem Wartesaal. Und entsagte es sich nicht, immer mal wieder witzige Sprüche über den ausgebliebenen Kollegen zu reissen. Das Publikum dankte es ihm mit Lachen.

Überhaupt brachten die gelesenen Texte das Publikum immer wieder zum Schmunzeln. So Katja Lange-Müllers Erzählung «Maudi und Pauli», die von einem Besuch in einem Restaurant der obersten Klasse und ihren seltsamen Gästen handelte, allen voran eine überaus zurechtgemachte alte Frau, die ihre Plüschtiere (Maulwurf und Hase) zum gemeinsamen Speisen mitbrachte.

Von Slam-Poet Renato Kaiser erwartete man nichts anderes – und er löste es mit einem Text über einen Verweigerer des Alterns hervorragend ein. Auf eine andere Art humorvoll und gleichzeitig abgründig war Laura de Wecks Dramolett «Schnitt»: Der Dialog zwischen einem Randständigen und einer jungen Frau über das Warten treibt eine Szene auf die Spitze, die wohl so mancher in Ansätzen schon erlebt hat. Während die junge Frau bloss auf das Tram wartet, wartet der Penner auf jenen (Film-)Schnitt, der ihn in ein anderes Leben katapultieren soll.

Auch die diesjährige Ausgabe der Brugger Literaturtage stand unter einem übergreifenden Thema. Diesmal lautete es «Jugend», das man beim Hören der Texte kaum erraten hätte. Der Slam-Poet Renato Kaiser formulierte es so: Er habe gedacht, wenn das Thema Jugend sei, lese er einen Text über das Alter.

Grosses Interesse

Ganz jung sind auch die Brugger Literaturtage nicht mehr, wurden sie doch vor mehr als einem Vierteljahrhundert ins Leben gerufen. Nach wie vor stösst das alle zwei Jahre stattfindende Festival in der Region auf grosses Interesse, wie die stets vollen Lesungen zeigen. Einzigartig und äusserst lobenswert an diesem Festival ist, dass es wirklich allen Interessierten offen ist. Die Stadt Brugg, das Aargauer Kuratorium und ein privater Sponsor finanzieren es zur Gänze, wodurch keine Eintrittspreise erhoben werden müssen.

So kommen Interessierte immer wieder in den Genuss hochkarätiger Literatur, die sie ohne Standesdünkel – hochgestochene Reden findet man in Brugg keine – hören können. Die lockere Atmosphäre trägt das ihre dazu bei. Auf der Bühne darf gelacht werden und der Moderator muss sich nicht kluger als die Autoren geben.

Die Brugger Literaturtage sind also seit der ersten Ausgabe 1986 kleine Tage der feinen Literatur. Denn sieht man sich frühere Programme an, merkt man rasch, dass in Brugg viele der ganz interessanten Autoren gelesen haben. Um nur einige zu nennen: Christoph Geiser, Otto F. Walter, Aglaja Veteranyi und eben: Catalin Dorian Florescu. Man darf sich schon auf das Jahr 2014 freuen.