Brugg-Windisch
Die Kirche geht mit der Zeit und denkt neu grossräumiger

Mit einem feierlichen Gottesdienst wird der neue Pastoralraum eingeweiht. Denn nun kann man Arbeitsabläufe optimieren, die Doppelspurigkeiten beseitigen oder auch Lasten auf mehr oder andere Schultern verteilen.

Michael Hunziker
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Der Einweihungsgottesdienst findet am Sonntag in der grössten Kirche des neuen Pastoralraums statt, in der St.-Marien-Kirche in Windisch.

Der Einweihungsgottesdienst findet am Sonntag in der grössten Kirche des neuen Pastoralraums statt, in der St.-Marien-Kirche in Windisch.

zvg

Nach intensiven Diskussionen und einer aufwendigen Aufbauphase: Diesen Sonntag, 30. Oktober, kann mit einem Gottesdienst und anschliessenden Festivitäten der Pastoralraum Brugg-Windisch feierlich eingeweiht werden. Für die operative und personelle Führung verantwortlich zeichnen künftig Pastoralraumleiter Simon Meier sowie der leitende Priester Pater Solomon Obasi. Zusammen mit einer Strategiegruppe legen sie überdies die Ausrichtung der Seelsorge fest.

Mit dem neuen Pastoralraum wird aber nicht nur das seelsorgerische Angebot angepasst, sondern es werden auch die Strukturen vereinfacht. Der Hintergrund: Die Kirche will mit der Zeit gehen, sich dem gesellschaftlichen Wandel nicht verschliessen und sich den vielfältigen Herausforderungen stellen. Gebildet werden deshalb grössere Räume, in denen sich die – immer weniger – Priester und Seelsorgenden organisieren.

In diesem Bestreben des Bistums, in der Seelsorge grossräumiger zu denken und Pfarreien zusammenzuführen, sieht der designierte Pastoralraumleiter Simon Meier eine Chance. «Wir haben uns im Pastoralraumentwicklungsprozess Zeit genommen, die Situation in den Pfarreien Brugg und Windisch zu analysieren, mit Angehörigen aus den Pfarreien in themenspezifischen Resonanzgruppen zusammenzukommen, Bedürfnisse und den Zeitgeist abzuholen, um danach in Arbeitsgruppen die Rückmeldungen zu vertiefen und neu zu definieren.» Mittlerweile seien kurz-, mittel- und langfristige Ziele entstanden.

Auch wenn teilweise von lieb gewonnenen Traditionen Abschied genommen werden muss, da und dort vielleicht Ängste und Bedenken vorhanden sind: Den unterschiedlichen Charakteren der Kirchenzentren wird weiterhin Rechnung getragen, versichert Meier. Die Interessen der Pfarreiangehörigen würden wahrgenommen. «Der seelsorgerliche Bezug vor Ort ist weiterhin gewährleistet.»

Zentral bleiben die Begegnungen

Viel Aufmerksamkeit soll der heutigen Familienvielfalt, den Jugendlichen sowie den Senioren und ihren Anliegen geschenkt werden. Zentral bleiben die Begegnungen sowie Anlässe, die das Miteinander bereichern, betont Meier. Die Gläubigen werden begleitet bei erfreulichen Ereignissen wie einer Taufe und einer Hochzeit genauso wie in schweren Momenten: einer Lebenskrise, einer Krankheit oder einem Todesfall. «Die Vielfalt des Wirkens und die Präsenz der oft als verstaubten Institution verkannten Gemeinschaft wird spürbar werden», fährt Meier fort. Aufgegriffen würden Themen der Zeit, geschaffen würden Plattformen für aktuelle Interessen.

Rund 12 600 Katholiken sind dabei Der neue Pastoralraum umfasst die beiden römischkatholischen Pfarreien Brugg und Windisch mit den fünf Kirchenzentren: St. Nikolaus Brugg, St. Franziskus Schinznach-Dorf, Brugg-Nord Riniken, St. Marien Windisch und Paulus Birrfeld. Die beiden Pfarreien, die seit eh und je zu einer Kirchgemeinde gehören, zählen rund 12 600 Katholikinnen und Katholiken. An der Entwicklung des Pastoralraums beteiligten sich neben Seelsorgenden auch Vertreter der Pfarreiräte, Mitglieder der Kirchenpflege sowie viele Freiwillige in verschiedenen Arbeitsgruppen. Definiert wurde in den letzten eineinhalb Jahren nicht nur, welche thematischen Schwerpunkte gesetzt werden, sondern auch, welche Tätigkeiten nicht mehr weitergeführt werden. (mhu)

Rund 12 600 Katholiken sind dabei Der neue Pastoralraum umfasst die beiden römischkatholischen Pfarreien Brugg und Windisch mit den fünf Kirchenzentren: St. Nikolaus Brugg, St. Franziskus Schinznach-Dorf, Brugg-Nord Riniken, St. Marien Windisch und Paulus Birrfeld. Die beiden Pfarreien, die seit eh und je zu einer Kirchgemeinde gehören, zählen rund 12 600 Katholikinnen und Katholiken. An der Entwicklung des Pastoralraums beteiligten sich neben Seelsorgenden auch Vertreter der Pfarreiräte, Mitglieder der Kirchenpflege sowie viele Freiwillige in verschiedenen Arbeitsgruppen. Definiert wurde in den letzten eineinhalb Jahren nicht nur, welche thematischen Schwerpunkte gesetzt werden, sondern auch, welche Tätigkeiten nicht mehr weitergeführt werden. (mhu)

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Gleichzeitig können Arbeitsabläufe optimiert, Doppelspurigkeiten beseitigt oder auch Lasten auf mehr oder andere Schultern verteilt werden. Die Zahl der Freiwilligen nehme zwar wie auch andernorts ab, räumt Meier ein. Diejenigen aber, die sich engagieren, seien mit viel Herzblut dabei und eine grosse Entlastung für das professionelle Seelsorgeteam aus beiden Pfarreien. Apropos Seelsorgeteam: Dieses wachse zusammen, sei motiviert, kreativ und interessenorientiert, freut sich Meier. «Ich stelle fest, dass die Berührungsängste unter den Pfarreimitgliedern und zwischen den einzelnen Kirchenzentren deutlich abgenommen haben und dass Personen, die in den Prozess involviert waren, untereinander einen deutlich offeneren Zugang zueinander gefunden haben – unabhängig von der Kirchenzentrumszugehörigkeit.» Diese Erfahrung, hofft Meier, sollen in Zukunft viele weitere Angehörige des Pastoralraums machen können.

Soziales Engagement ist wichtig

Vermehrt gesetzt wird im neuen Pastoralraum – neben der Seelsorge vor Ort – ebenfalls auf das soziale Engagement. Bereits ausgebaut werden konnte der professionelle kirchliche Sozialdienst dank einer Kooperation mit Caritas Aargau. Die unterstützten Projekte sind vielfältig. Als Beispiele aufgeführt werden die «Wegbegleitung», eine Vermittlungsstelle, die Menschen in schwierigen Lebenssituationen mit geschulten freiwilligen Wegbegleitern zusammenbringt; die Betreuung von «Tischlein deck dich», einer Abgabestelle, an der Lebensmittel an armutsbetroffene Menschen verteilt werden; oder «Carton du Coeur», eine regelmässig stattfindende Aktion mit Schülerinnen und Schülern, die vor Einkaufsläden Lebensmittel sammeln, die dann ebenfalls bedürftigen Menschen zukommen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Austausch mit Menschen anderer Nationalität und Sprache. Gemeinsam wird jedes Jahr das multikulturelle Fest der Nationen gefeiert. «Uns ist bewusst, dass die Flüchtlingsthematik und die Themen Migrationshintergrund sowie Integrationsarbeit Bereiche sind, in denen wir uns als Kirche vor Ort verstärkt engagieren wollen», sagt Meier.
Neu geschaffen wurde eine Kommunikationsstelle, um die Aktivitäten in der Region bekannt zu machen und dem Pastoralraum ein Gesicht zu geben. Zudem werde, ergänzt Meier, die diakonische Präsenz im Pastoralraum deutlich sichtbarer werden, «da wir Projekte entwickeln werden, in denen wir aus der Kirche heraus an öffentliche Plätze gehen». Kurz: Vielfalt in der Einheit sei im Pastoralraum Brugg-Windisch kein Widerspruch, sondern eine Chance und Bereicherung für alle, fasst Meier zusammen.

Diesen Sonntag wird gefeiert

Gefeiert wird die Einweihung des neuen Pastoralraums Brugg-Windisch mit den Angehörigen aus allen fünf Kirchenzentren sowie der Missionen zusammen mit Bischof Felix Gmür und dem Seelsorgeteam mit einem Gottesdienst am Sonntag, 30. Oktober, 9.30 Uhr in der Kirche St. Marien in Windisch. Dieser wird musikalisch begleitet von den drei Kirchenchören aus Brugg, Windisch und Schinznach unter der Leitung der Kirchenmusiker Jan Sprta und Giuseppe Raccuglia, der Brugger Schola Gregoriana und einem Bläserquartett. Anschliessend folgt das Mittagessen im geheizten Zelt mit abwechslungsreichem Unterhaltungsprogramm bis in den Nachmittag.

Im Pfarreisaal stellen die Pfarreiräte ihre Kirchenzentren an einem Stand vor. Ebenfalls präsentieren werden sich die Missione Cattolica Italiana sowie die Philippinische Mission. Beim designierten Pastoralraumleiter Simon Meier ist die Vorfreude gross. «Alles ist aufgegleist», stellt er fest. «Es wird reibungslos funktionieren.»