Brugg
Die Kinder melden 454 Gefahrenstellen - Brugg muss Schulwege sicherer machen

Für die IG-Verkehrssicherheit Brugg ist der Fall klar: Die Schulwege müssen schnellst möglich sicherer werden. Denn die heutige Verkehrsinfrastruktur in der Stadt genüge den Bedürfnissen der Kinder – vor allem der 4- bis 6-jährigen – nicht.

Michael Hunziker
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Neue Markierung auf der Laurstrasse: Der Anteil der Schüler, die mit dem Velo unterwegs sind, ist gering.

Neue Markierung auf der Laurstrasse: Der Anteil der Schüler, die mit dem Velo unterwegs sind, ist gering.

Michael Hunziker

Mit übersichtlichen Strassenquerungen, einem durchgehenden Fuss- und Radwegnetz sowie Tempo-30- und Begegnungszonen könnten viele Gefahrenstellen entscheidend entschärft werden, so die IG-Verkehrssicherheit Brugg. Aber: «Die Verkehrserziehung ist eine gemeinsame Aufgabe von Eltern, Schule und Polizei», betonte Präsidentin Judith Bühler. An einer Pressekonferenz stellte sie die Ergebnisse der umfangreichen Befragung der Schüler zur Schulwegsicherheit vor.

Kindergärtler werden begleitet

Rückblick: Um zu erfahren, wie die Schulkinder ihren Schulweg zurücklegen und wo sich die heiklen Punkte befinden, verteilte die IG-Verkehrssicherheit an allen Brugger Primarschulen und Kindergärten Fragebogen. Die Kinder – wie auch die Eltern und Lehrkräfte – sollten sich mit dem Thema auseinandersetzen. Die IG-Verkehrssicherheit ihrerseits wollte sich einen Überblick über die Gefahrenstellen verschaffen.

Von den rund 600 ausgeteilten Fragebogen wurden über 500 retourniert. Die grosse Resonanz – nicht zuletzt zurückzuführen auf die Unterstützung der Lehrkräfte – sei eine positive Überraschung gewesen, sagte Hörby Künzi vom Vorstand der IG-Verkehrssicherheit. Und sie zeige auch die Relevanz des Themas.

Insgesamt markierten die Kinder 454 Gefahrenstellen. Am häufigsten genannt wurden die Habsburgerstrasse, die Laurstrasse, die Sommerhaldenstrasse sowie die Schöneggstrasse. Interessant sei die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Kindergärtler auf ihrem Weg in den Kindergarten regelmässig durch Erwachsene begleitet würden, hielten Judith Bühler und Hörby Künzi fest. Diesser Umstand – und auch Aussage der Eltern, die als Hauptgrund den gefährlichen Verkehr angaben – ist laut der IG-Verkehrssicherheit besorgniserregend.

Provisorisches Trottoir signalisiert

Weiter stellte sich heraus, dass der Anteil der Schüler, die das Velo benutzen, gering ist. Das Velo sei als Verkehrsmittel seitens der Schule und Eltern zu fördern, lautete denn auch der Appell. Zwischen den einzelnen Schulhäusern sind gemäss Judith Bühler grosse Differenzen bei der Wahl der Verkehrsmittel auszumachen, was wohl nicht nur durch das Einzugsgebiet, sondern auch durch die unterschiedlichen Schulhausregeln bedingt sei. Gewisse Massnahmen hätten bereits erwirkt werden können, fuhr die Präsidentin fort. So habe die Regionalpolizei – unbürokratisch – ein provisorisches Trottoir entlang der Baustelle an der Habsburgerstrasse signalisiert.

Zwei Studenten der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften haben die Ergebnisse der Schülerbefragung in einer Projektarbeit ausgewertet. Inzwischen wurden die Daten zu Schulwegen und Gefahrenstellen aufbereitet, digitalisiert und ins Planungswerkzeug der Stadt Brugg integriert.

Stadt ist gefordert

Entstanden ist laut Judith Bühler eine Art elektronischer Gefahren-Meldekataster. Auf diesen könne die Stadt zurückgreifen. Die darin enthaltenen Daten stehen übrigens auch der Öffentlichkeit zur Verfügung. Die IG-Verkehrssicherheit erwartet, dass die gewonnenen Erkenntnisse bei laufenden Planungen und kommenden Projekten einfliessen. Konkret verwies die Präsidentin auf den Kommunalen Gesamtplan Verkehr (KGV). Der Verein hat das Ziel, die anstehenden Tätigkeiten in den Arbeitsgruppen oder Kommissionen zu begleiten. Denn viele Gefahrenstellen sind vorläufig ungelöst, so Judith Bühler. «Hier ist die Stadt nun gefordert.»

Der unter den Zuhörern anwesende Stadtrat Leo Geissmann lobte die Arbeit der IG-Verkehrssicherheit. Den KGV bezeichnete er als einen nächsten Schritt. Er wies gleichzeitig darauf hin, dass unterschiedlichste Interessen unter einen Hut gebracht werden müssten.

Der Schulweg sei ein bedeutender Erfahrungsort für die Kinder, sagte Schulpflegepräsidentin Evelyn Ziegler. Aus diesem Grund habe die Schulpflege das Projekt der IG-Verkehrssicherheit von Anfang an unterstützt. «Die bis jetzt ergriffenen Massnahmen sind ein wichtiger Schritt. Weitere sollen folgen.»

Seit fünf Jahren aktiv

Zur Erinnerung: Die IG-Verkehrssicherheit ist ein Brugger Verein, der sich seit fünf Jahren mit verschiedenen Projekten ehrenamtlich für die lokale Verkehrssicherheit einsetzt. In einem ersten Projekt wurden rund 130 Gefahrenstellen aufgenommen, die hauptsächlich die Sicht der
Erwachsenen wiedergaben. Gegründet wurde in der Folge eine Projektkommission Verkehr, die dem Stadtrat ein Massnahmenpaket vorschlug. Die vorgeschlagenen Sofortmassnahmen für die Laurstrasse, die Sommerhaldenstrasse und die Habsburgerstrasse bewilligte der Einwohnerrat im Januar 2013. Die Markierungsarbeiten auf der Laurstrasse sind in dieser Woche abgeschlossen worden.

Da Kinder – neben den Senioren – zu den schwächsten Verkehrsteilnehmern gehören, initiierte die IG-Verkehrssicherheit das Projekt «Schülerbefragung zur Schulwegsicherheit». Die Vorlaufzeit für dieses Vorhaben ist laut Präsidentin Judith Bühler recht lang gewesen. Mit den jetzt vorliegenden Ergebnissen sei ein erster Meilenstein erreicht, aber: «Das Projekt ist noch nicht abgeschlossen.»