Region Brugg-Windisch
Die Katholiken wappnen sich für eine gemeinsame Zukunft

Seit über sechs Jahren, mit Unterbrüchen aufgrund von Wechseln in den Pfarreileitungen, laufen bei den Katholiken die Vorbereitungen zur Errichtung des Pastoralraums Region Brugg-Windisch. Im Herbst soll er lanciert werden.

Claudia Meier
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Pater Solomon (links) und Gemeindeleiter Simon Meier vor der katholischen Kirche St.Nikolaus in Brugg. Ab Oktober 2016 werden sie den neuen Pastoralraum Region Brugg-Windisch gemeinsam leiten. Chris Iseli

Pater Solomon (links) und Gemeindeleiter Simon Meier vor der katholischen Kirche St.Nikolaus in Brugg. Ab Oktober 2016 werden sie den neuen Pastoralraum Region Brugg-Windisch gemeinsam leiten. Chris Iseli

Chris Iseli

Seit über sechs Jahren, mit Unterbrüchen aufgrund von Wechseln in den Pfarreileitungen, laufen bei den Katholiken die Vorbereitungen zur Errichtung des Pastoralraums Region Brugg-Windisch. Dieser besteht aus der Pfarrei Brugg mit den Kirchenzentren Brugg, Riniken und Schinznach-Dorf sowie der Pfarrei Windisch mit den Kirchenzentren Windisch und Birrfeld.

Auf politischer Ebene sind heute bereits alle Mitglieder in der Römisch-katholischen Kirchgemeinde Brugg vereint. Jürg Meier, seit fünf Jahren Kirchenpflegepräsident, spricht im Zusammenhang mit dem Pastoralraum von strukturellen Vereinfachungen. Mit anderen Worten: Es geht nicht um einen sichtbaren Raum, den man betreten kann.

Brugg

Ins Laubsägelihuus kommt neues Leben

Vor eineinhalb Jahren wollte die Kirchenpflege an der Kirchgemeindeversammlung den Abriss des schmucken Laubsägelihuus neben der katholischen Kirche St. Nikolaus in Brugg vorschlagen, weil sich eine Sanierung nicht lohne. Dagegen regte sich Widerstand. Das über 100-jährige Haus tauchte zudem auf einer Liste mit schützenswerten Bauten der kantonale Denkmalpflege auf. Daraufhin strich die Kirchenpflege den Kreditantrag für den Hausabriss von der Traktandenliste. Ein Jahr später hat sich die Behörde erneut mit dem Haus befasst und der Stadt Brugg Fragen zum Thema Denkmalschutz gestellt. Die Antworten sind noch ausstehend. «Wir sind nochmals über die Bücher gegangen und wollen das Haus nicht als Denkmal, weil die Sanierung finanziell ungünstig ist und wir noch andere Bauprojekte haben», so Kirchenpflegepräsident Jürg Meier. Mittlerweile wurde die Mietwohnung im ersten Stock frei und der Papst rief im September alle Pfarreien auf, Flüchtlinge aufzunehmen. Die Kirchenpflege hat daraufhin verschiedene Varianten geprüft und sich entschieden, die Wohnung im Laubsägelihuus via Kanton vorläufig aufgenommenen Asylsuchenden zur Verfügung zu stellen. So lange jedenfalls, bis klar ist, wie es mit dem Traditionsbau weitergeht. (CM)

An der Kirchgemeindeversammlung Anfang Dezember haben die Stimmberechtigten verschiedene Bausteine für den neuen Pastoralraum verabschiedet. Das diakonische Angebot «Wegbegleitung» kann nach dem Pilotprojekt institutionalisiert werden, mit der Caritas Aargau wird eine Leistungsvereinbarung zur Führung eines kirchlichen Regionalen Sozialdienstes abgeschlossen. So bald wie möglich gibt es eine Kommunikationsstelle und das Pfarrhaus in Windisch wird ab nächstem Sommer für 2,17 Millionen Franken saniert. Um die Finanzierung der geplanten und künftigen Bauvorhaben sicherzustellen, steigt der Steuerfuss ab 2016 von 18 auf 20 Prozent.

Geleitet wird der neue Pastoralraum von Projekt- und Gemeindeleiter Simon Meier sowie vom leitenden Priester Pater Solomon. «Kirche sein bedeutet heute weit mehr, als regelmässig Gottesdienste anzubieten», sagt Projektleiter Simon Meier aus Brugg. Durch die neuen Strukturen sollen vermehrt auch kirchenferne Leute angesprochen werden. Gleichzeitig sollen die treuen Kirchengänger weiterhin auf ihre Rechnung kommen. Gegenüber heute soll die Zusammenarbeit in der Katechese, der Seelsorge, im Projektunterricht, der Jugendarbeit und mit den Verbänden enger werden.

Priester unbefristet angestellt

Pater Solomon ist gebürtiger Nigerianer, kam aus Deutschland und trat seine neue Stelle als leitender Priester bei der Kirchgemeinde Brugg im September an. Der 47-Jährige hat ein unbefristetes Anstellungsverhältnis, was einem lang gehegten Wunsch der Kirchenpflege entspricht. Er wohnt im Pfarrhaus in Windisch und zieht während des Umbaus in die kircheneigene Liegenschaft am Gladiatorenweg 11.

Die grosse Herausforderung beim Pastoralraum besteht darin, die verschiedenen Zielgruppen wie Liturgie-Gewohnte, Senioren, Familien, Jugendliche oder Alleinerziehende abzuholen und ihnen ein attraktives Angebot zu unterbreiten. Simon Meier ist überzeugt, dass mit neuen Strukturen Freiraum für neue Ideen geschaffen und die diakonische Präsenz spürbar breiter wird. Arbeitsgruppen definieren Ziele, planen und priorisieren. Künftig soll vermehrt kampagnenartig gearbeitet werden. Davon erhofft man sich eine höhere Medienpräsenz. Kirchenpflegepräsident Jürg Meier betont, dass sich die Lebenswirklichkeit der Leute in den letzten 50 Jahren massiv verändert hat. Die Seelsorge sei vielfältiger und aufwendiger geworden, sagt er.

Freiwilligenarbeit nimmt zu

Kirchenaustritte bedeuten weniger Einnahmen und doch soll das Angebot unter dem Strich breiter werden. Wie geht das auf? Gemeindeleiter Simon Meier erklärt: «Wir werden vermehrt in Resonanzgruppen arbeiten, um die Bedürfnisse der Pfarreiangehörigen besser herausspüren zu können. Die Zahl der Ausgebildeten nimmt eher ab und muss verstärkt durch Freiwilligenarbeit aufgefangen werden.» Die Freiwilligen sollen eingebunden, weitergebildet und beispielsweise befähigt werden, Wortgottesdienste durchzuführen. Kirchenpflegepräsident Jürg Meier betont noch einmal: «Mit dem neuen Pastoralraum wird nicht zentralisiert. Die Kirchenzentren bleiben erhalten und es wird weiterhin auch liturgische Feiern geben.»

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