Seit über sechs Jahren, mit Unterbrüchen aufgrund von Wechseln in den Pfarreileitungen, laufen bei den Katholiken die Vorbereitungen zur Errichtung des Pastoralraums Region Brugg-Windisch. Dieser besteht aus der Pfarrei Brugg mit den Kirchenzentren Brugg, Riniken und Schinznach-Dorf sowie der Pfarrei Windisch mit den Kirchenzentren Windisch und Birrfeld.

Auf politischer Ebene sind heute bereits alle Mitglieder in der Römisch-katholischen Kirchgemeinde Brugg vereint. Jürg Meier, seit fünf Jahren Kirchenpflegepräsident, spricht im Zusammenhang mit dem Pastoralraum von strukturellen Vereinfachungen. Mit anderen Worten: Es geht nicht um einen sichtbaren Raum, den man betreten kann.

Das Thema habe zu vielen Diskussionen geführt und auch immer wieder Ängste oder Bedenken ausgelöst, sagt Präsident Jürg Meier. Nun stellt er fest: «Je konkreter das Projekt wird, desto ruhiger wird es.» In zehn Monaten ist es dann endlich so weit: Bischof Felix Gmür vom Bistum Basel wird am Sonntag, 30. Oktober, bei der feierlichen Lancierung des neuen Pastoralraums anwesend sein.

An der Kirchgemeindeversammlung Anfang Dezember haben die Stimmberechtigten verschiedene Bausteine für den neuen Pastoralraum verabschiedet. Das diakonische Angebot «Wegbegleitung» kann nach dem Pilotprojekt institutionalisiert werden, mit der Caritas Aargau wird eine Leistungsvereinbarung zur Führung eines kirchlichen Regionalen Sozialdienstes abgeschlossen. So bald wie möglich gibt es eine Kommunikationsstelle und das Pfarrhaus in Windisch wird ab nächstem Sommer für 2,17 Millionen Franken saniert. Um die Finanzierung der geplanten und künftigen Bauvorhaben sicherzustellen, steigt der Steuerfuss ab 2016 von 18 auf 20 Prozent.

Geleitet wird der neue Pastoralraum von Projekt- und Gemeindeleiter Simon Meier sowie vom leitenden Priester Pater Solomon. «Kirche sein bedeutet heute weit mehr, als regelmässig Gottesdienste anzubieten», sagt Projektleiter Simon Meier aus Brugg. Durch die neuen Strukturen sollen vermehrt auch kirchenferne Leute angesprochen werden. Gleichzeitig sollen die treuen Kirchengänger weiterhin auf ihre Rechnung kommen. Gegenüber heute soll die Zusammenarbeit in der Katechese, der Seelsorge, im Projektunterricht, der Jugendarbeit und mit den Verbänden enger werden.

Priester unbefristet angestellt

Pater Solomon ist gebürtiger Nigerianer, kam aus Deutschland und trat seine neue Stelle als leitender Priester bei der Kirchgemeinde Brugg im September an. Der 47-Jährige hat ein unbefristetes Anstellungsverhältnis, was einem lang gehegten Wunsch der Kirchenpflege entspricht. Er wohnt im Pfarrhaus in Windisch und zieht während des Umbaus in die kircheneigene Liegenschaft am Gladiatorenweg 11.

Die grosse Herausforderung beim Pastoralraum besteht darin, die verschiedenen Zielgruppen wie Liturgie-Gewohnte, Senioren, Familien, Jugendliche oder Alleinerziehende abzuholen und ihnen ein attraktives Angebot zu unterbreiten. Simon Meier ist überzeugt, dass mit neuen Strukturen Freiraum für neue Ideen geschaffen und die diakonische Präsenz spürbar breiter wird. Arbeitsgruppen definieren Ziele, planen und priorisieren. Künftig soll vermehrt kampagnenartig gearbeitet werden. Davon erhofft man sich eine höhere Medienpräsenz. Kirchenpflegepräsident Jürg Meier betont, dass sich die Lebenswirklichkeit der Leute in den letzten 50 Jahren massiv verändert hat. Die Seelsorge sei vielfältiger und aufwendiger geworden, sagt er.

Freiwilligenarbeit nimmt zu

Kirchenaustritte bedeuten weniger Einnahmen und doch soll das Angebot unter dem Strich breiter werden. Wie geht das auf? Gemeindeleiter Simon Meier erklärt: «Wir werden vermehrt in Resonanzgruppen arbeiten, um die Bedürfnisse der Pfarreiangehörigen besser herausspüren zu können. Die Zahl der Ausgebildeten nimmt eher ab und muss verstärkt durch Freiwilligenarbeit aufgefangen werden.» Die Freiwilligen sollen eingebunden, weitergebildet und beispielsweise befähigt werden, Wortgottesdienste durchzuführen. Kirchenpflegepräsident Jürg Meier betont noch einmal: «Mit dem neuen Pastoralraum wird nicht zentralisiert. Die Kirchenzentren bleiben erhalten und es wird weiterhin auch liturgische Feiern geben.»