Veltheim/Thailand

Die Jägers leben ihren Traum vom Auswandern: «Wir haben es geschafft, weil wir nie aufgegeben haben»

Aus einem Reisfeld haben sie eine Anlage mit 13 Bungalows, einem Hotel und einem Restaurant gestampft, inzwischen beschäftigen die Veltheimer 23 Angestellte in ihrer Residenz. Hans-Jörg Jäger erzählt acht Jahre nach dem Auswandern, wie es ihm und seiner Ehefrau Lanee in Thailand geht.

Acht Jahre sind vergangen, seit Hans-Jörg Jäger und seine thailändische Ehefrau Lanee Jäger die Gemeinde Veltheim im Schenkenbergertal in Richtung Thailand verlassen haben. Dort angekommen, errichteten sie eine Seniorenresidenz für rüstige Senioren, Demenz-Betroffene, Timeout-Gäste und Ferienliebhaber. Über zehn Jahre planten sie das Projekt, das in Lanees Heimatdorf 2011 verwirklicht wurde.

Aus einem Reisfeld wurde eine Anlage mit 13 Bungalows, einem Hotel und einem Restaurant gestampft. Ausserdem sorgen Schwimmbad, Fitnessraum und Bocciabahn für zusätzliche Freizeitbeschäftigungen. Die Anlage wirkt wie ein kleines Dorf, das im Zentrum auch einen kleinen künstlichen See beherbergt. Obwohl die Residenz 90 Kilometer von der Provinzhauptstadt Buriam entfernt ist, und in der Landesmitte liegt, ist die Nachfrage hoch.

Hans-Jörg Jäger (61) und Lanee (52) sind immer noch Herz und Seele der Residenz. Zusammen führen sie 23 Angestellte. Da eine selbstständige Küchencrew vorhanden ist und auch das Reinigungs- und Betreuungspersonal weiss, was zu tun ist, hat das Ehepaar überhaupt erst die Möglichkeit, auch ab und zu selber auf Reisen zu gehen. «So bleiben meiner Frau nur noch Aufsichtspflichten und die Buchhaltung. Ich bin selber schon ins hintere Glied getreten und mache nur noch ein wenig Marketing», sagt Hans-Jörg Jäger.

Lanee's Residenz 2019

Anfängliche Schwierigkeiten

So organisiert und reibungslos war es aber nicht immer. Anfangs versank die Baustelle fast im Regen, die Eröffnung verschob sich und die Thailänder vor Ort sprachen kaum Englisch. Dazu kam, dass es keine ausgebildeten Bauarbeiter vor Ort gab und die Bungalows von einfachen Reisbauern gebaut werden mussten. Die Einreise und das Beantragen der Visa sind zwar auch heute noch kompliziert, doch vieles hat sich eingependelt.

Mit ihren Arbeitskräften kommen die beiden gut aus. Auch wenn Hans-Jörg Jäger dafür zuerst etwas toleranter werden musste. «Wir sind halt immer noch daran, unsere Swissness beizubehalten.»

Hans-Jörg Jäger ist zur Ruhe gekommen. Früher arbeitete er praktisch sieben Tage in der Woche. Heute verbringt er seinen Alltag mehrheitlich mit Schwimmen, Spaziergängen oder Fitnessübungen. «Ich widme mich nun mehr meiner Gesundheit.» Trotz ihrem eigenen kleinen «Dorf» an der Sonne Thailands, vermissen sie die Schweiz. «Gerade jetzt, wo wir eine Hitzewelle haben, wäre es schön, wieder einmal zwei, drei Tage kalt zu haben.»

Die Schweizer Ordnung und Abfallbewirtschaftung vermissen sie ebenfalls. Trotzdem fühlen sie sich in Thailand äusserst wohl. «Hier haben wir mehr Freiheiten und die Kleinlichkeiten der Schweiz fehlen uns gar nicht», fügt Jäger hinzu.

Einmal im Jahr besucht das Ehepaar Freunde und Angehörige und nutzt die Zeit, um Gesundheitschecks durchzuführen. «Um Freundschaften muss man kämpfen, denn nicht jeder hat die Möglichkeit, zu uns nach Thailand zu kommen. Daher gibt es beim Abschied auch jedes Mal viele Tränen.»

Alt werden im Paradies

Alt werden im Paradies: So berichtete Tele M1 im Januar 2016.

Die Anlage wird nicht ausgebaut

Die Residenz ist praktisch zu einem Selbstläufer geworden. Die Jägers erhalten etwa zwei bis drei Anfragen pro Tag. «Vor fünf Jahren waren es noch ein bis zwei Anfragen pro Woche.»

Neben den 13 Bungalows liessen sie deshalb noch eine Einliegerwohnung im Hotel bauen. Die Infrastruktur der ganzen Anlage wurde ausserdem so errichtet, dass es für 20 weitere Bungalows Platz hätte. Trotzdem will das Ehepaar nicht mehr grösser denken: «Wir haben Angst, dass der familiäre Charakter der Residenz verloren gehen würde. Ausserdem wollen wir uns nicht wieder Arbeit aufhalsen, wo es doch auch ohne geht.»

Die beiden haben vor, noch lange in der Residenz zu wohnen. «Wir denken schon, dass wir noch 15 bis 20 Jahre hier in der Geschäftsleitung sein werden.» Danach wäre es ihnen am liebsten, wenn ein Ehepaar im Auftrag ihrer Kinder das Management übernehmen würde. Bis dahin wollen sie sich die Zeit nehmen, und ihr Dasein mit ihren Gästen geniessen. «Wer weiss schon, was in 20 Jahren ist?»

Im Schnitt beherbergt das Ehepaar etwa zehn Dauergäste. Gegenwärtig sind fünf davon Pflegefälle, die rund um die Uhr betreut werden. Durch die gemeinsamen Essen im Restaurant kommt keine Hotelatmosphäre auf. Man kennt sich und lebt «wie in einer grossen WG» zusammen.

Trotz des medialen Interesses aus Thailand, der Schweiz und Deutschland haben es Hans-Jörg und Lanee Jäger geschafft, das familiäre Ambiente der Anlage beizubehalten. Sie können gut davon leben und brauchen nicht mehr. «Wir haben es geschafft, weil wir nie aufgegeben haben. Wir haben immer daran geglaubt, dass wir Erfolg haben werden, und das gab uns auch die Kraft, durchzuhalten, obwohl wir geschäftlich oder krankheitshalber sehr harte Zeiten hatten.»

«Auf und davon – ein Jahr danach»: SRF-Dok über Hans-Jörg Jäger und den Aufbau der Altersresidenz in Thailand.

«Auf und davon – ein Jahr danach»: SRF-Dok über Hans-Jörg Jäger und den Aufbau der Altersresidenz in Thailand.

Die Rolle der Kinder

Hans-Jörg und Lanee haben vier gemeinsame Kinder. Sie sind alle zwischen 32 und 39 Jahre alt und leben auf der ganzen Welt verstreut. Ob ihr Sohn, der in Dubai lebt, oder eine ihrer drei Töchter, selbst eines Tages die Residenz weiterführt, steht noch in den Sternen. «Klar wären wir stolz, wenn eines Tages eine solche Nachfolge stattfinden würde. Doch wir haben unsere Kinder nie zu etwas gezwungen, und das bleibt auch so», stellt Hans-Jörg Jäger klar.

Wie auch immer die Nachfolge eines Tages aussehen wird, das Ehepaar Jäger lebt seinen Traum und möchte den ruhigen Alltag im Herzen Thailands noch lange weiter geniessen.

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