Windisch
«Die HPS wird bauen müssen»

Gespräch mit Ernst Meier, Co-Schulleiter der Heilpädagischen Sonderschule (HPS) Windisch, im Vorfeld des Schuljubiläums. Am Samstag wird das 40-jährige Bestehen gefeiert.

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Ernst Meier, Co-Schulleiter der HPS Windisch

Ernst Meier, Co-Schulleiter der HPS Windisch

40 Jahre HPS Windisch, was bedeutet das?

Ernst Meier: Wir gehen sehr pragmatisch mit dem Jubiläum um. Das Jubiläum ist aber wichtig. Mit der Integrativen Schulung müssen die Sonderschulen ihre Existenz rechtfertigen und sich klar positionieren. Das geht nur über die Qualität. Dass die HPS Windisch diese Qualität aufweist, zeigt sich in den Audits der Schulevaluation, vor allem beim Wert über die Zufriedenheit der Eltern unserer Schülerinnen und Schüler. Betrachtet man die Entwicklungen im Bildungssystem, frage ich mich, ob die HPS in 40 Jahren noch bestehen wird. Wenn, dann sicher nicht in dieser Form.

Weshalb denn?

Meier: Wir erleben jetzt einen richtigen Schülerboom, dies auch wegen der Einführung der Integrativen Schulung. Kinder, mit denen die Regelschule nicht zurechtkommt, werden der HPS übergeben. Die Integration wird aber irgendwann zu greifen beginnen. Man weiss aus der Forschung, dass der Integration eine verstärkte Separation vorangeht. Der Boom bei den Schülerzahlen bedeutet aber auch, dass der Kanton in die Steuerung eingreifen muss, weil die Sonderschulen sonst aus dem Ruder laufen.

Gibt es denn überhaupt Möglichkeiten für eine Steuerung?

Meier: Man könnte vom Eintrittskriterium abrücken, das gemäss Verordnung zur Sonderschulung für die Zuweisung in eine HPS eine kognitive Behinderung mit einem Intelligenzquotienten von nicht mehr als 75 voraussetzt, und statt dessen beispielsweise die ICD-Richtlinien anwenden, die von einem IQ zwischen 60 und 65 ausgehen. Derzeit laufen auch Abklärungen, die Einzugsgebiete der Sonderschulen im Ostaargau neu zu regeln. Es gibt grosse Gemeinden, in denen man sich überlegen müsste, ob man nicht eine eigene Heilpädagogische Schule schaffen müsste.

Stellen Sie Veränderungen im Behinderungsbild der Kinder fest?

Meier: Die Klientel der Sonderschulen hat sich tatsächlich verändert. Wir haben heute weniger Kinder mit Down-Syndrom. Das hat auch mit der pränatalen Diagnostik zu tun. Zum Glück haben sich dabei aber die schlimmsten Befürchtungen in Bezug auf die Selektion Ungeborener nicht bewahrheitet. Es gibt aber heute mehr komplexe Behinderungsbilder als noch vor 20 Jahren.

Wie äussert sich der Boom an der HPS Windisch zahlenmässig?

Meier: Die Zahl der Schülerinnen und Schüler an der HPS Windisch ist von November 2009 bis August 2010 von 80 auf 94 gestiegen. In dieser Zahl sind die 9 Kinder aus dem Kinderheim Brugg enthalten, die seit Beginn dieses Schuljahres an der HPS Windisch unterrichtet werden.

Was bedeutet das für die HPS Windisch?

Meier:Die HPS quillt aus allen Nähten. Wir sind bereits jetzt auf verschiedene Pavillons angewiesen. Die Kinder der ehemaligen HPS Kinderheim Brugg werden zwar weiterhin in einem Pavillon beim Pflegeheim Süssbach unterrichtet. Das Mietverhältnis läuft aber voraussichtlich 2012 aus. Bis jetzt haben wir noch keine Lösung für die Zeit danach. Es stellt sich ja auch die Frage des Standortes. Man ist auf die Nähe zum Kinderheim angewiesen. Andernfalls muss eine komplette Infrastruktur samt Pflege- und Betreuungspersonal aufgebaut werden.

Was heisst das letztlich für die HPS Windisch?

Meier: Wir werden bauen müssen.

Der Mangel an Lehrpersonen ist nach wie vor ein grosses Thema. Wie sieht das an der HPS Windisch aus?

Meier: Wir spüren den Lehrkräftemangel nur bei längeren Stellvertretungen. Von den Lehrpersonen wird es geschätzt, an einer HPS zu arbeiten. Lehrpersonen wechseln gerne von Volksschulen an heilpädagogische Schulen. Für die HPS Windisch besteht allerdings eine gewisse Gefahr, indem in den nächsten fünf bis zehn Jahren jährlich zwei bis drei Lehrpersonen in Pension gehen werden. Es wird eine grosse Herausforderung sein, diese Abgänge zu bewältigen. Das auch deshalb, weil mit diesem Wechsel ein Umbruch in der Unternehmenskultur unserer Schule stattfinden wird. Die Kontinuität ist eine Qualität. Natürlich birgt sie aber eine gewisse Gefahr der Stagnation. Bei uns ist das aber weniger der Fall. Für uns ist es klar, dass wir in Bewegung bleiben und uns nicht zurücklehnen. Obwohl wir uns dies wegen der Ergebnisse der Schulevaluation schon ein bisschen erlauben dürfen.

40 Jahre HPS Windisch. Jubiläumsfeier. Samstag, 25. September, 11 bis 17 Uhr. 11 Uhr Festakt. Ab 12 Uhr Unterhaltungsprogramm.