Kulturhaus Odeon, Brugg: Hier spielt der erste Teil der Produktion «Heimat 52». Auf der rechten Seite der Bühne steht die Brugger Fraktion, links die Windischer. Und in der Mitte, als Puffer und neutrale Beobachter der Szenerie, die beiden Conférencier des Abends, Matilde Campo und Boris Beck. Alles ist miteinander verwoben – die Stummfilm-Einspieler auf der Leinwand, das Bühnengeschehen und die musikalische Begleitung. So ein Orchester gibt es wohl kein zweites Mal: Blockflöten in Kombination mit Saxofon, Posaunen, Akkordeon und Schlagzeug. Marc Urech, musikalische Leiter und Komponist, fasziniert das: «Das schafft für das Stück eine ganz eigentümliche musikalische Heimat.»

Bewegtbilder in schwarz-weiss

Und um Heimat geht es ja auch, sonst hiesse das Werk nicht «Heimat 52». Wo kommt man her? Wo gehört man hin? Wer gehört zu mir und wer zu den Anderen? «Heimat 52» widmet sich derlei Fragen und das am Beispiel der uralten Fehde zwischen Brugg und Windisch. Uralt sollen auch die Bewegtbilder anmuten, die das Bühnengeschehen ergänzen: schwarz-weiss, ohne Ton und im Zeitraffer-Tempo, Slapstick eben, Väter der Klamotte, überzeichnet, grotesk. Da wird ein Jugend-Austauschprogramm zwischen den beiden Gemeinden inszeniert. Da kommt ein Windischer Bauern-Bub in eine vornehme Brugger Familie und lernt dort Tischmanieren.

«Alles komplett erfunden», sagt Regisseur Adrian Meyer. «Die Ideen für die 14 Stummfilme sind oft ganz spontan entstanden», ergänzt Bühnenbildnerin Jacqueline Weiss. Sie, wie die anderen im Leitungs-Team, reizt, wie «Heimat 52» ihnen erlaubt, der Fantasie freien Lauf zu lassen. Kameramann Wolfgang Heilgendorff, der mit seinem Team die Filme von Sommer 2018 bis April 2019 vorproduziert hat, sagt: «Jetzt erst, auf der Bühne, in der Interaktion mit den Darstellern, erwachen sie zum Leben.»

1000 Tickets sind schon weg

Alle Projekt-Verantwortlichen sind guter Dinge. «Ich bin sehr zuversichtlich. Die Konzentration steigt. Alle haben inzwischen richtig Lust », sagt Meyer. Zufrieden stimmt auch der Ticketvorverkauf: 1000 Tickets seien schon weg, seit am 1. Mai der Vorverkauf gestartet ist. Für 2400 Besucher gibt es Plätze an den insgesamt 14 Theaterabenden, wovon drei, am 23./24./ 25. August, während des Brugger Stadtfests stattfinden.

Wer eine der Aufführungen besucht, darf etwas ganz Spezielles erwarten. Weil Brugg und Windisch die Hauptakteure sind, sind die Spielstätten auf die zwei Orte verteilt – auf das «Odeon» und auf den Hallerbau der Fachhochschule. Auch dazwischen, auf dem 20- bis 30-minütigen Spaziergang, wird den Besuchern mit Open-Air-Darbietungen etwas geboten. In Windisch angekommen, hat sich nicht nur die Szenerie dramatisch gewandelt, auch musikalisch kündigt Urech für dort eine radikale Kehrtwende an.

Und erschien die Brugger Bühne eher als statisch und starr, können sich die Protagonisten in der Dreidimensionalität des Hallerbau-Lichthofs so richtig austoben. Für Bühnenbildnerin Jacqueline Weiss eine echte Spielwiese – auf der auch die Besucher nicht mehr stillsitzen werden, sondern Teil des Geschehens sind.

Dass die 2400 Besucher den Weg in die 14 Vorstellungen finden werden, daran zweifelt Co-Produktionsleiter Christian Bolt nicht. Insgesamt sei man finanziell gut aufgestellt: «Zu 90 Prozent steht unser 190 000-Franken-Budget. Ein bis zwei Sponsoren aber suchen wir noch.»