Ein schmaler Weg, einem Teich entlang und über zwei steile Brückchen hinweg führt zum Hexenmuseum. Auenstein. Vom Dach äugen drei Steinraben auf die Besucher, die – bevor sie das Reich der Hexen betreten – zum Scherz auf die bereitstehenden grossen Besen sitzen. «Passt der Besen, so flieg ihn», steht auf einem Schild.

Wicca Meier-Spring (44), Direktorin des Hexenmuseums, empfängt die Besucher mit einem herzhaften Lachen. Ihre langen Haare trägt sie offen, und zu Ehren des fünften Geburtstages des Privatmuseums trägt sie am Freitagnachmittag ein langes, blaues Kleid – ihr Hochzeitskleid. «Sind Sie eine Hexe?», wird Wicca Meier, deren Taufname tatsächlich Wicca ist, oft gefragt. «Eine gute und moderne», antwortete sie dann. «Ich bin natur- und tierverbunden und befasse mich mit der Mythologie.» Eine gute Hexe entwickle sich und übernehme Selbstverantwortung. Böse Hexen übten Macht aus, verbreiteten Unheilvolles. Dies sei in der Vergangenheit so gewesen und habe sich bis heute nicht verändert.

4000 Besucher betreten jährlich das Schweizer Hexenmuseum: Touristen aus aller Welt, Privatpersonen, Firmen, der Landfrauenverein, Staatsanwälte. Die meisten Leute seien überrascht, wie umfassend und vielfältig die Ausstellung gestaltet sei, sagt Wicca Meier. «Sie erwarten ein Fasnachtsmuseum oder Räume mit gruseligen Geschichten. Doch lernen sie viel über Volksglaube, Volkskunde, Mythen und Götter und damit auch über sich selbst. Heilpflanzen, Heilsteine, Geisterphänomene und Jahreskreisfeste werden vorgestellt, und wer meint, Tarotkarten zu lesen sei kein Hexenwerk, wird im Museum eines Besseren belehrt.

Ein Raum widmet sich der dunklen Hexenverfolgung. Zwischen 1419 und 1782 gehörten Hexenprozesse in der Schweiz zur Tagesordnung. 10 000 Menschen wurden in dieser Zeit gefoltert und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Drei Menschen aus Auenstein wurden ebenfalls der Hexerei bezichtigt. Mitten im Raum stehen ein Original- Richt- und Henkerschwert, die Betrachter überkommt ein Frösteln. Auch Wicca Meier wirkt bedrückt, doch sie sagt: «Dies ist ein Teil der Schweizer Geschichte. Er darf nicht vergessen gehen.»

Das Hexenmuseum wird privat geführt und von einem Förderverein unterstützt. Wicca Meier hätte vor fünf Jahren kaum geglaubt, dass die Ausstellung so viele Leute anzieht. «Wir sind ein kleines Museum, doch bemühen wir uns, uns zu verbessern und weiterzubilden.»

Am Jubiläumsfest kosteten die Besucher erstmals eine Brotlinie, die Fredy’s Feinkost Bäckerei aus Baden den Themen Kelten, Brauchtum und Hexe widmet. Verhext hat ihn Wicca Meier: Sie half mit, die drei Brote zu kreieren.