Brugg/Kaiseraugst
Die Gotthardlokomotive «Brugg» wird verschrottet

Die Ae 6/6 zog in unserer Gegend Schnell- und Güterzüge. Die Lokomotive wird bald in Kaiseraugst verschrottet. Damit geht eine Epoche zu Ende, welche 1952 begann.

Ruedi Wanner (Text und Foto)
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Das Wappen wurde schon vor einigen Jahren entfernt: Die Ae 6/6 steht auf dem Abstellgleis.

Das Wappen wurde schon vor einigen Jahren entfernt: Die Ae 6/6 steht auf dem Abstellgleis.

Ruedi Wanner

Die stolze SBB-Lokomotive mit dem Wappen von Brugg stand in Kaiseraugst und war somit zur Verschrottung vorgesehen. Damit geht eine Epoche zu Ende, welche 1952 mit den ersten beiden Prototypen begann. Die Ablieferungen der 120 Exemplare erstreckten sich bis 1966; für die Nr. 11470 gilt 1962 als Geburtsjahr. Damals als eigentliche «Gotthardlok» und als Nachfolge der legendären «Krokodile» gebaut, wanderte sie später ins Flachland ab und besorgte auch in unserer Gegend verschiedenste Dienste mit Schnell- und Güterzügen.
Die Leistung von 4300 kW (5830 PS) erlaubte, einen Güterzug von 650 Tonnen mit 75 km/h auf der Bergstrecke mit 26‰ Steigung zu befördern. War das Zuggewicht grösser, musste eine zweite Lok als Vorspann oder als Zwischen- oder Schiebelok beigefügt werden. Es galt nämlich, neben der Zugkraft auch die höchstmögliche Zughakenlast von 900 Tonnen zu beachten. Dieser Lokomotivtyp hatte 6 Triebachsen in 2 Drehgestellen. Bei der Talfahrt wirkte die elektrische Rekuperationsbremse zur Rückgewinnung von Fahrstrom.
Die Lok mit der Bezeichnung Ae 6/6 Nr. 11470 war 120 Tonnen schwer und konnte eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h erreichen. Im Zeitraum von 1984 bis etwa 2002 erhielten die meisten derartigen Lokomotiven anlässlich von Hauptrevisionen den roten statt grünen Anstrich sowie modernisierte Führerstände. Die Wappen wurden infolge Diebstählen und Vandalismus vor einigen Jahren entfernt, bleiben jedoch aufbewahrt.
Von den klassischen Gotthardlokomotiven waren die ersten 25 Exemplare mit den Kantonsnamen bezeichnet und erhielten seitliche Zierstreifen, die nachfolgenden 25 Nummern gehörten den Kantonshauptorten. Ab 11451 wurden Orte berücksichtigt, welche mit dem Lokomotivbau eine Beziehung hatten (Winterthur, Baden). Anschliessend folgten grössere Bahnknotenpunkte und Städte, und mit der Nummer 11470 gehört auch Brugg ziemlich weit vorne in diese Serie.
Mit dem Rückgang des Güterverkehrs und der Ablieferung neuerer Typen gerieten die Ae 6/6 bald auf das Abstellgleis und wurden nach 50 strengen Jahren nach und nach ausrangiert. Einige wenige Exemplare bleiben als historische Fahrzeuge erhalten, darunter auch die Nr. 11407 Aargau, welche im Bahnpark Brugg betriebsfähig remisiert ist.
Nachdem bis Ende 2015 nur noch eine Handvoll dieses Typs als letzte Reserve vorgehalten wurden, hat es nun auch die Lok «Brugg» erwischt. Sie wurde zusammen mit der noch grün gebliebenen Schwesterlok 11517 (Brunnen, mit Wappen von Ingenbohl) kürzlich nach Kaiseraugst geschleppt und dort vom Recycling- und Abbruchunternehmen Thommen verschrottet.