Die Veranstaltungen in den römischen Amphitheatern waren nicht einfach Shows zur Unterhaltung des Publikums, sie dienten als Demonstration römischer Wertvorstellungen wie Tapferkeit und Siegesideologie, verkörperten imperiale Politik und waren Teil des Kaiserkultes. Abbildungen auf Grabsteinen, Reliefs, Fresken und Öllampen geben Aufschluss über den Ablauf, der nach genauem Programm verlief.

Es begann mit einem feierlichen Um- und Einzug, dann folgten abwechselnd Tier- sowie Gladiatorenkämpfe. Bei letzteren handelte es sich um eine genauen Regeln unterworfene, eingeübte Kampfsportart. Als Vorübung kämpften die beiden Männer mit stumpfen Waffen, zum Teil Holzschwertern, gegeneinander, dann ging es mit voller Ausrüstung um einen «edlen Kampf um Leben und Tod». Die Bewaffnung war gleichwertig, es bestand keine waffentechnische Benachteiligung des einen Kämpfers. Das Publikum wollte die Kampfqualität objektiv beurteilen können. Zwei Schiedsrichter sorgten für den fairen Verlauf.

Todesurteil per Daumen?

Da die schwere Ausrüstung und damit auch die Kampfhandlungen viel Kraft kosteten, dauerte ein Kampf nach Einschätzung Hufschmids nur 5 bis 10 Minuten. Der überlebende Unterlegene gab mit dem Zeigefinger das Zeichen zur Aufgabe. Dass das Publikum nun mit dem Daumen nach oben oder unten das Urteil über Weiterleben oder Tod fällte, ist zwar zu einer weitverbreiteten Volksmeinung geworden, lässt sich aber nicht belegen. Dass der gegen Kehle oder Brust gerichtete Daumen auf das Todesurteil deuten könnte, wäre nachvollziehbar.

Sicherer aber ist, dass das Publikum lautstark sein Urteil in die Arena schrie. Hatte es Gefallen am Kampf des Unterlegenen gefunden, rief es «mitte», was so viel wie «lass ihn gehen» hiess; war es nicht befriedigt, bezeugte es dies mit dem Wort «iugula», «stich ihn ab»! Falsch ist auch die Meinung, die meisten Kämpfe hätten tödlich geendet. Gemäss Untersuchungen sind von 100 Kämpfen «nur» 19 tödlich ausgegangen. Allerdings ist ungewiss, wie sich die zugefügten Verletzungen später auswirkten, auch wenn die medizinische Versorgung gut war. Dem Sieger winkten ein Palmwedel und ein Geldbetrag. Neben Einzelkämpfen – vier pro Stunde waren das Maximum – gab es auch Gruppenkämpfe.

Beliebte Tierhatz

Beliebt waren beim Publikum aber auch die Tierjagden, die unterschiedlich verliefen. So trat beispielsweise ein Bär gegen einen Stier an. Oder aber es wurde ein Rudel Rehe und Hirsche in die Arena getrieben und dann gejagt und erlegt. Am verbreitetsten war der Kampf eines bewaffneten oder unbewaffneten Mannes gegen ein wildes Tier. Waren dies in Rom oder andern Städten im Süden exotische Tiere wie Löwen, Leoparden und Elefanten, die analog dem Dekor aus dem Untergeschoss via Lift in die Arena gehievt wurden, so sind im Norden wie in Vindonissa einheimische Tiere wie Bären und Wölfe eingespannt worden.

Zum Veranstaltungsprogramm gehörte schliesslich auch die mythologisch inszenierte Hinrichtung von verkleideten Delinquenten: Sie wurden, oft angekettet, wilden Tieren zum Frass vorgeworfen.