Bözberg
Die geschichtsträchtige Linner Linde kämpft mit Pilzen

600 bis 800 Jahre soll sie alt sein, verschiedene Sagen widmen sich ihr: Die Linner Linde in Bözberg ist jedem ein Begriff. Nun muss Baumpfleger Martin Erb den markanten Baum vor toten Ästen und Streusalz schützen.

Claudia Meier
Drucken
Teilen
Geschäftsführer Martin Erb von der Tilia AG in Frick unter der Linner Linde: «Es gibt kaum eine ältere Linde ohne diese Pilze.» CM

Geschäftsführer Martin Erb von der Tilia AG in Frick unter der Linner Linde: «Es gibt kaum eine ältere Linde ohne diese Pilze.» CM

«Das ist kein Zufall, dass dieser Baum hier steht», sagt Martin Erb, Geschäftsführer der Tilia Baumpflege AG, im Schatten der Linner Linde. «Dieser Standort ist so markant.»

Um den berühmten Baum im Bözberger Ortsteil Linn ranken sich viele Geschichten. Bekannt ist die Sage, wonach die Linde von einem der letzten Überlebenden aus dem Dorf für die Pestopfer gestiftet wurde.

Für Erb ist diese Sage wenig plausibel, weil die Pest in Linn im 17. Jahrhundert besonders heftig wütete. Das Alter der Linde wird hingegen auf 600 bis 800 Jahre geschätzt.

Pilzbefall nimmt seit 15 Jahren zu

Baumpfleger Erb betreut die Linner Linde seit 35 Jahren. Der Fricker kann kaum über den Bözberg fahren, ohne noch kurz beim Baum vorbeizuschauen. «Diese alte Linde ist genauso vital wie eine junger Pflanze», sagt Erb auf dem Boden sitzend.

Sein rechter Arm zeigt zur Baumkrone hoch: «Wenn Parasiten einen Baum angreifen, können einzelne Teile absterben. Gleichzeitig befinden sich andere Bereiche zum selben Zeitpunkt in einem embryonalen Zustand.»

Die Linde hat mit zwei Problemen zu kämpfen: Einerseits ist sie von zwei Pilzen – Verticilum und Nectria – befallen, welche die Äste angreifen und zum Absterben bringen. «Dieses Phänomen hat sich in den letzten 15 Jahren – aus nicht bekannten Gründen – verstärkt», so Erb. Andererseits haben Blattläuse die Blätter angegriffen.

Der Pilzbefall ist für die Tilia AG eine grosse Herausforderung: Baumpfleger versuchen, mit gezielten Massnahmen die Pilzausbreitung zu verlangsamen.

Dazu gehört, dass abgestorbene Äste bei trockener Witterung im Herbst sorgfältig entfernt werden und die Wiese um die Linde herum nicht gedüngt wird. Auch der Winterdienst und Streusalz können dem Baum zusetzen. Grosse Steine am Strassenrand halten die Fahrzeuge fern.

Erb hat vor einigen Jahren ein spezielles Substrat mit Kompost in der Erde integriert. Mikroorganismen sollen so helfen, den Pilz zu bekämpfen. Damit das Substrat seine volle Wirkung entfalten kann, bekommt die Linde bald einen eigenen Wasseranschluss.

Seile halten Krone zusammen

Martin Erb leitete bereits 1979 die grosse Sanierung der Linner Linde. Damals habe man aus dem hohlen Stamm alle faulen Stellen entfernt und die Oberfläche mit Holzschutzmittel behandelt, was nach dem heutigen Wissensstand nicht gross geholfen, aber auch nicht geschadet habe, sagt Erb.

Seit vielen Jahren sorgen Seile dafür, dass die Baumkrone ihre typische Form behalten kann.

Erb freut sich, dass die Linner Linde das Wappen der neuen Gemeinde Bözberg ziert: «Die Linde ist ein Gerechtigkeitssymbol und ein Wesen, das eine Botschaft hat. Ich bin froh, dass der Baum der Dorfbevölkerung so wichtig ist.» Das sei auch gut für die Kontrolle, denn Brände oder Kletterer können den Baum stark beschädigen, so Erb.

Die Linner Linde hat schon unzählige Gewitter und Stürme – so auch den «Lothar» – überstanden. «Das alles hat sie offensichtlich nicht beeindruckt», sagt Erb und nimmt einen Ast in die Hand. «Ich habe in den letzten 35 Jahren gealtert; der Baum nicht. Er kann noch Jahrhunderte leben.»

Der Baumsachverständige ist immer wieder fasziniert, welche Erlebnisse die Leute mit der Linner Linde verbinden: «Das ist wichtig. Die Leute sollen eine Beziehung zu ihren Bäumen haben.»

Was für jeden Einzelnen gilt, ist auch für die Behördenmitglieder der neuen Fusionsgemeinde von Bedeutung. Erb hat deshalb die Mitglieder des Gemeinderats vor kurzem über die Besonderheiten der Linner Linde informiert. Denn: «Die Behörden wechseln, aber der Baum bleibt.»

Aktuelle Nachrichten