Noch liegt an diesem Sonntagmorgen etwas Nebel auf der Anhöhe Höli, dort wo die Grenze zwischen den Gemeinden Lupfig und Scherz verläuft. Eine Frau schiebt ihren Rollator bergaufwärts, andere sind mit dem Velo unterwegs. Mitglieder der Blaskapelle Eigenamt holen am Strassenrand ihre Instrumente aus dem Auto. Und im Festzelt laufen die letzten Vorbereitungen für den Apéro. Von Scherz her kommt Gemeindeammann Hans Vogel anmarschiert. «Das ist ein schöner Flecken hier. Der gehört nun uns», sagt er bestens gelaunt, als er die ersten Anwesenden aus Lupfig begrüsst. Kurz darauf trifft Ammann Richard Plüss von Lupfig ein. Die Freude ist gross.

Hohe Stimmbeteiligung in Scherz

Und als ob das zum Protokoll gehört, zeigt sich kurz vor 11 Uhr die Sonne. Die Blaskapelle Eigenamt spielt «Im Aargau sind zwöi Liebi». An diesem Morgen müsste es heissen: «Im Eigenamt sind zwöi Liebi. [...] Die händ enander gern, gern, gern.» Als Hans Vogel den über 100 Anwesenden das Abstimmungsresultat bekannt gibt und sagt, dass «nach zwei Jahren gehaltvoller Diskussionen» der Zusammenschluss zwischen Lupfig und Scherz Tatsache wird, gibt es Applaus.

Das sagt der Gemeindeammann von Scherz, Hans Vogel:

Gemeindeammann Hans Vogel von Scherz

Gemeindeammann Hans Vogel von Scherz

Im Rahmen des obligatorischen Referendums ist nun der Beschluss von der letzten Sommergmeind in beiden Gemeinden an der Urne deutlich bestätigt worden. Mit 73,4 Prozent ist die Stimmbeteiligung in der kleineren Gemeinde Scherz besonders hoch. Von 477 Stimmberechtigten heissen 233 den Zusammenschluss gut. 113 sind dagegen.

In Lupfig ist die Stimmbeteiligung mit 47,4 Prozent eindeutig tiefer. Von von den 1596 Stimmberechtigten sprechen sich 503 für die Fusion aus. Dagegen sind 240 Lupfiger. Anders gesagt: Mit rund zwei Drittel Ja-Stimmen nehmen die Stimmberechtigten von Lupfig und Scherz den ersten Gemeindezusammenschluss im Eigenamt an. Ammann Hans Vogel bedankt sich bei den zahlreichen Mitwirkenden in den Arbeitsgruppen – aus der Bevölkerung sowie den Behörden und Verwaltungen. In den 15 Monaten, die bis zur Umsetzung der Fusion verbleiben, geht es nun darum, gemeinsame Reglemente zu verfassen, Wahlen durchzuführen und offene Frage zu klären.

Das sagt der Gemeindeammann von Lupfig, Richard Plüss:

Gemeindeammann Richard Plüss von Lupfig

Gemeindeammann Richard Plüss von Lupfig

Eine erneut paritätisch zusammengesetzte Steuerungsgruppe werde sich diesen Aufgaben annehmen und dafür sorgen, dass weiterhin transparent kommuniziert wird, versichert Hans Vogel. Sogar den Fusionsgegnern aus Scherz windet der Ammann ein Kränzchen, weil sie «sehr faire Opposition» betrieben haben.

«Es wird Reibungspunkte geben»

Lupfigs Ammann Richard Plüss erinnert in seiner Rede daran, dass vor allem die kleinen Gemeinden beim Erfüllen der vielen Aufgaben an ihre Grenzen stossen. Er sei überzeugt, dass die Lupfiger und Scherzer den richtigen Entscheid für die Zukunft gefällt haben. Im Hinblick auf die Umsetzung sagt er: «In den ersten Jahren wird es für die neue Gemeinde noch einige Knacknüsse und Reibungspunkte geben.» Wichtig bleibe die gegenseitige Offenheit und der Wille, vorwärts zu gehen.

Regierungsrat Urs Hofmann stellt zuerst klar, dass er auch bei einer Ablehnung der Fusion der Einladung ins Eigenamt gefolgt wäre. «Ab 2018 wird der Kanton Aargau nicht mehr 213, sondern nur noch 212 Gemeinden haben», bringt er die neue Ausgangslage auf den Punkt. Der Kanton mache keine Vorgaben, wie viele Gemeinden es im Aargau geben soll. Zentral sei aber, dass die Gemeinden handlungsfähig und «nicht nur Folklore» sind. Das hänge vor allem vom Gestaltungswillen der Gemeinderäte ab.

Das sagt Regierungsrat Urs Hofmann:

Regierungsrat Urs Hofmann

Regierungsrat Urs Hofmann