Brugg
Die Geburtsstunde eines Kulturorts wurde gross gefeiert

Eine Handvoll kulturdurstiger Menschen rief vor 15 Jahren den Kulturtreffpunkt Odeon in Brugg ins Leben. Das Haus beim Bahnhof ist längst zu einem ebenso beliebten wie renommierten Treffpunkt geworden.

Tabea Baumgartner
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Damals wurde noch geraucht im Kino – das Theater Marie rief im Odeon die Kinowelt von einst wieder ins Leben, samt obligater Zigarette. Tab

Damals wurde noch geraucht im Kino – das Theater Marie rief im Odeon die Kinowelt von einst wieder ins Leben, samt obligater Zigarette. Tab

Tabea Baumgartner

Ein warmes Licht strömte am Wochenende aus dem Kulturhaus Odeon auf die Brugger Strassen. Der rote Teppich verriet, dass dies kein gewöhnlicher Abend war. Drinnen wurde gefeiert, dass das Kino seit genau 15 Jahren mit Theater, Literatur und Musik bereichert wird.

Es öffnete sich das Tor in eine lebendige Kulturgeschichte; an einer Schnur hingen Plakate vergangener Theater-Höhepunkte. An den alten Programmen kleben Erinnerungen an eine Zeit, in der eine kleine Gruppe von kulturdurstigen Menschen sich zusammenraffte, um in Brugg neue Kulturtreffpunkte zu schaffen.

«Einmal im Monat verwandelten wir den Kinosaal Odeon in einen Theaterraum», berichtete Marianne Strebel, Kulturfrau der ersten Garde: In ihren Augen spiegelt sich noch heute das Feuer, welches dem Kino Odeon damals neuen Kulturgeist einhauchte. «Es waren verrückte Anlässe. Diese Erlebnisse will keiner von uns missen.»

Das Haus war kleiner, die Anlässe seien «aus dem Bauch heraus» entstanden, der ganze Betrieb basierte auf freiwilligem Engagement. Heute sei vieles anders, das Haus der heutigen Zeit entsprechend gewachsen. «Wir freuen uns darüber, dass das weitergeht, was wir initiiert haben», sagte Strebel. «Lichtspielhaus» – so wurde das Kino vor über 80 Jahren noch genannt, als es seine Tore öffnete.

Damals mit Orchestergraben und einer schmalen Bühne – wie mögen sich wohl die Sessel angefühlt haben? «Im Kino sitzt man in unbequemen Sessel», sagt die Stimme einer kokett gekleideten Dame, welche die Zuschauer augenblicklich in die 50er Jahre versetzt.

Das Quartett des Theater Marie warf in seinem Stück «Kino Marie» einen Blick zurück auf das Kino von damals; wie die freizügigen Bilder der 70er-Jahre über die Leinwand flimmerten, wie die Popcorns in den Kinosaal fanden, wie die Zigaretten ungehemmt qualmten.

Stimmen von drei Zeitzeugen

Dem Theater Marie ist es gelungen, die Stimmen der drei Brugger Zeitzeugen Cécile Laubacher, Marcel Weiss und Max Kuhn originell ins Stück einzuflechten.

Das Stück weichte die Grenzen zwischen Kino und Theater auf: Eine feinmaschige Leinwand, die mitten im Bühnenraum niederfiel, liess gedrehte Bilder und gespielte Theaterszenen ineinander verschmelzen, was bezeichnend ist für die Arbeit des Kulturverein Arcus – heute Odeon Brugg: Er scheute sich damals nicht davor, das Theater im Kino wieder aufleben zu lassen, mit Perspektiven zu spielen und die Köpfe des Publikums ins Rauchen zu versetzen.

Der Brugger Kulturort lebt, wandelt sich und trägt doch stets einen Zauber in sich, den zu erklären weder auf der Leinwand noch auf der Bühne jemals gelingen wird.

Die Ausstellung mit alten Kulturprogrammen und Plakaten des Kulturhauses Odeon sowie die Interviews mit den Zeitzeugen über die Geschichte des Hauses kann noch bis Ende Oktober im Foyer des Odeon besucht werden.

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