Das Thema Fusion ist nicht nur an den öffentlichen Foren der gemeinsamen Ortsplanungsrevision zwischen Brugg und Windisch wieder in aller Munde: Die Stadt Baden hat die Absicht, die mit Abstand grösste Gemeinde im Kanton zu werden – von «Grossbaden» ist die Rede, wie die «Schweiz am Sonntag» berichtete.

Im westlichen Kantonsteil heisst das Stichwort «Zukunftsraum Aarau». 2006 tobte in Brugg und Windisch eine Fusionsdebatte. Angestossen wurde sie durch eine Unterschriftensammlung. Doch 2009 sagte der Brugger Souverän deutlich Nein, weil der Steuerfuss hätte angehoben werden müssen.

Schwung nach Campus-Bau ist weg

In den Debatten über «Grossbaden» und den «Zukunftsraum Aarau» drohe die Region Brugg unterzugehen, sagt nun Markus Leimbacher, aufgewachsen in Baden und wohnhaft in Brugg. Der ehemalige SP-Fraktionspräsident im Grossen Rat und Leiter mehrerer Fusionsprojekte spricht Klartext: «Brugg-Windisch hat mit dem Campus-Neubau vom Kantonsparlament ein riesiges Geschenk bekommen.»

Die Freude war auf beiden Seiten der Bahngleise gross. Doch kaum ist der Campus eröffnet worden, sei der Schwung weg gewesen. Leimbacher glaubt nicht, dass sich der Grosse Rat unter diesen Voraussetzungen heute noch einmal für Brugg-Windisch aussprechen würde. Um eine starke Stimme im Kanton zu werden, müssten sich die Einwohner – nicht nur die Exekutiven – der Zentrumsgemeinden Gedanken über eine gemeinsame Zukunft machen.

«Der funktionale Raum des Zentrums umfasst nicht nur Brugg und Windisch, sondern auf jeden Fall auch die Gemeinde Hausen», sagt SP-Grossrat Dieter Egli aus Windisch. Als Co-Präsident der IG Zusammenschluss Brugg-Windisch räumt Egli ein: «Der Einbezug einer dritten Gemeinde in die Zusammenschluss-Diskussion hätte bestimmt auch den Vorteil, dass Brugg und Windisch etwas aus der gegenseitigen Fixierung heraus kämen. Das würde sicher für frischen Wind sorgen.» Ende letzten Jahres belief sich die Einwohnerzahl der drei Gemeinden zusammen auf 21 032. Damit wäre die fusionierte Agglomerationsgemeinde Brugg die zweitgrösste Gemeinde im Kanton Aargau nach «Grossbaden».

Wichtiger als die Einwohnerzahl ist für Egli, dass die neue Gemeinde eine Grösse hätte, die eine Führung zuliesse mit höherer Qualität, mit mehr Voraussicht und mit Visionen.

«Sollte es in Brugg und Windisch zu einem Zusammengehen kommen, wird das sicher für Hausen Grund zum Nachdenken geben», sagt Eugen Bless, Gemeindeammann in Hausen. Man wolle nicht primär zum Zentrum gehören, aber mit diesem näher zusammenarbeiten, so Bless. Im Leitbild 2040 zu Hausen von morgen heisst es deshalb: «Mit rund 3800 Einwohnern noch überschaubar und doch gross genug für ein eigenes öffentliches Leben.»

Gemeindeammann Heidi Ammon aus Windisch sagt zur Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden: «Seit diesem Jahr treffen sich die Ammänner der Gemeinden Brugg, Hausen und Windisch rund alle zwei Monate zu einem Gedankenaustausch.» Die Gemeinde Hausen sei dabei aufgrund ihrer Nähe und Grösse ein sehr wichtiger Partner für Windisch in den Bereichen Schulangebot der Oberstufe, Friedhof oder Feuerwehr. Ob eine Fusion zum Thema werde, müsse sich weisen, so Ammon.

«Ich bin überzeugt, dass einmal mehr die Ressourcen – und darunter verstehe ich die Baulandreserven und die Finanzen – am Schluss den Knackpunkt für ein Zusammengehen darstellen», räumt Finanzministerin Heidi Ammon ein.

SVP springt auf Fusionsthema

Nach den gescheiterten Fusionsvorbereitungen mit Windisch im Jahr 2009 sei Resignation spürbar gewesen, sagt der Brugger Stadtammann Daniel Moser. Seiner Ansicht nach ist die Schonfrist nach dem Negativentscheid nun abgelaufen. Der Stadtammann warnt davor, in der Diskussion – Moser spricht von Fortschrittskultur – alles auf die Finanzen zu reduzieren. «Es geht nicht nur darum, aus ökonomischen Gründen zu fusionieren. Wir brauchen eine gemeinsame Vision. Davon spüre ich in der Bevölkerung aber wenig.»

Beim Stichwort Fusion dürfe man nicht nur an Windisch und Hausen denken, sondern müsse Habsburg, Riniken, Schinznach-Bad und Villnachern in die Überlegungen miteinbeziehen. Das Thema beschäftigt: Die SVP Windisch organisiert am 24. Juni um 20 Uhr im Restaurant Sonne einen öffentlichen Polittreff zu «Grossstadt Baden – Stadt Brugg/Windisch/Hausen».