Zimmermannhaus Brugg, Dienstagnachmittag. Tatjana Erpen hat gerade ihr letztes Kunstwerk an der Wand platziert. Ein Stock höher ist Myrien Barth dabei, ihre Videokunst fertig zu installieren. Alles ist auf Kurs, sodass sich die Vernissage-Gäste am Freitag über zwei gelungene Ausstellungen freuen dürfen.

Die 36-jährige Tatjana Erpen hat schon von Kindsbeinen an gerne fotografiert, was noch immer ihre Leidenschaft ist. Unter dem Titel self-shadow concealment zeigt sie 13 Arbeiten, bei denen fotografische Vorlagen mit einem selektiven Siebdruck künstlerisch verändert werden. Acht Werke zeigen Robbenfelle in unterschiedlicher «Tarnung» und somit deren Überlebensstrategien. «Der Name der Ausstellung spiegelt ein Phänomen wieder, das viele Tiere nutzen – ihren eigenen Schatten zu verschleiern. Dieses unsichtbar werden, von oben und unten nun anders aussehen das fasziniert mich», sagt Erpen.

So erstaunt denn nicht, dass ihre Kunst die Nähe zu einer möglichen Realität zeigen soll. Den Grundstein zu ihrem heutigen Schaffen hat sie bei der Ausbildung an der Hochschule Luzern Design und Kunst gelegt. Die 36-Jährige ist heute zudem als Ausstellungstechnikerin beim Kunstmuseum Luzern tätig.

Gesammelte Beobachtungen

«Alltägliche Sachen und Beobachtungen werden mit Flüchtigem – etwa Glück – was ja nicht greifbar, sondern nur fühlbar ist, verwoben», sagt Myrien Barth. In ihrer Videokunst werden somit dokumentarische Elemente mit Gesprochenem, ob als Erörterung oder Erinnerung, verknüpft. Was gefällt an dieser Kunstform? «Im Alltag einzelne Momente zu entdecken und einzufangen, das fasziniert mich», betont sie. «Ich sammle Beobachtungen, in Video- und Tagebuchform. Das erlaubt mir, später die Momente herauszuschälen, die mir für eine Arbeit besonders wichtig sind», sagt sie.

So sind unter anderem zwei Videoinstallationen entstanden, für deren Realisierung eine Japan- und eine Islandreise als Grundlage diente. Myrien Barth hat ebenfalls an der Hochschule Luzern Design und Kunst studiert – Studienrichtung Video. Heute ist sie als selbstständige Filmemacherin im Kunst- und Kulturbereich tätig. Ihr Experimental-Film «Liebes Tagebuch» wurde an den Solothurner Filmtagen und im Kunsthaus Aarau gezeigt.

«Wir berücksichtigen wieder vermehrt Künstler, die einen Bezug zum Aargau haben», sagt Drahu Kohout, Leiterin Zimmermannhaus Brugg. «Ob nun die Videokunst von Myrien Barth oder die manuelle Drucktechnik von Tatjana Erpen – speziell und faszinierend sind beide Kunstformen», sagt Drahu Kohout.

Zimmermannhaus Brugg, Vorstadt 19, Vernissage am Freitag, um 19 Uhr. Ausstellungsdauer bis 25. September.