Brugg
Die Eröffnung der Migros im Jahr 1975 war eine Sensation

In Scharen strömten die Menschen an die Migros-Eröffnung. Weit und breit gab es kein vergleichbares Geschäft. Die neue Migros veränderte aber auch die Situation der Läden in der Stadt.

Selina Mosimann
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Selbstbedienung mit Kaffee und Tee
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Früchte- und Gemüseabteilung
Putzmittel-Abteilung in der Migros
Es gab auch Nichtraucher-Ecken
Kundeninformation und Glasretouren
Eingang zum Selbstbedienungsrestaurant
Das erste Selbstbedienungsrestaurant in Brugg
Einkaufswagen beim Migros-Eingang
Die Migros im Neumarkt war eine Sensation
Der Novo-Discount im Neumarkt 1
So sah die Migros im Brugger Neumarkt bei ihrer Eröffnung 1975 aus.

Selbstbedienung mit Kaffee und Tee

zvg

Die Eröffnung des Neumarkts im Jahr 1975 war ein grosses Ereignis. Besucher aus der ganzen Region strömten am Eröffnungstag in die neue Migros in Brugg. Weit und breit gab es kein vergleichbares Lebensmittelgeschäft von dieser Grösse. Viele hatten noch nie zuvor in ihrem Leben einen Einkaufswagen benützt oder sogar gesehen. Plötzlich konnte man sich seine Ware selber aus dem Regal nehmen und war nicht ständig auf das Verkaufspersonal angewiesen.

Demnach kam der lang ersehnte Tag, an dem die Migros ihre Türen öffnete, einer kleinen Sensation gleich. Wie die Eröffnungsfeier genau aussah, kann man dem Brugger Tagblatt vom März 1975 entnehmen:

Einkaufswägeli als rares Gut

«Rund 200 Personen waren bereits frühmorgens auf den Beinen und warteten diszipliniert hinter dem Band mit den Aargauer Farben. Punkt 8 Uhr begrüsste der Geschäftsführer des neuen MMM, Hans Heller, die Menge, durchschnitt das Band (‹es isch fascht schad zum Verschnide›, meinte eine ältere Dame) und überreichte der ersten Kundin einen Blumenstrauss».

Unverzüglich ergoss sich der Strom neugieriger und mit Überraschung rechnender Kunden in die grosszügig ausgelegten Verkaufsräume. Das mit Nelken dekorierte Personal war bald emsig damit beschäftigt, die Käuferschaft in die verschiedenen Abteilungen einzuweisen. Nach dreissig Minuten steigerte sich der Kundenandrang, bis das Gedränge komplett war.

Die 18 Kassen klingelten auf Hochtouren und die 800 Einkaufswägeli wurden schnell zu einem raren Gut. Am Morgen als auch am Nachmittag mussten sich die Kunden auf die Rückgabe der begehrten Einkaufswagen gedulden. Dass die Bevölkerung mit grossem Interesse der Geschäftseröffnung entgegenfieberte, bewies die Besucherzahl am Eröffnungstag: Rund 7000 Kunden aus der ganzen Region wollten sich ein Bild von der neuen Migros machen. Dazu hat bestimmt auch ein Lockvogel beigetragen: 10 Prozent auf alles!

Alex Stuber, Brugg «Ich weiss noch, als das grosse Non-Food Sortiment kam. Meine Frau und ich gingen in der ersten Zeit richtig auf Entdeckungsreise im neuen Laden.»
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Helmut und Greti Moser, Brugg «Unsere Kinder spielten noch auf der Wiese, wo jetzt der Neumarkt steht.»
Renate Müller, Brugg «Die Umstellung von der kleinen Migros zur grossen war enorm, aber man hat sich schnell daran gewöhnt und die Leute sind immer sehr nett.»
Alice Kohler, Brugg «Ich erinnere mich noch, als ich mein erstes Migros-Wägeli geschoben habe, das war alles so neu. Vorher durfte man vielerorts nicht einmal selber die Ware aus dem Gestell nehmen.»
Johanna Zumstein, Brugg «Ich staune immer, wie unglaublich frisch die Lebensmittel sind. Das schätze ich sehr hier.»

Alex Stuber, Brugg «Ich weiss noch, als das grosse Non-Food Sortiment kam. Meine Frau und ich gingen in der ersten Zeit richtig auf Entdeckungsreise im neuen Laden.»

AZ

Mit der neuen Migros taten sich aber auch Probleme für die kleinen Geschäfte der Stadt Brugg auf: Der Ruf des Einkaufszentrums wurde zunehmend wichtiger und die Zugkraft einzelner Geschäfte liess schnell nach. Die Konkurrenzverhältnisse in Brugg wurden schärfer und einige Ladenbesitzer mussten ihre Türen schliessen. Gerade Metzgereien und Bäckereien hatten Mühe, mit den Preisen der Migros mitzuhalten.

Andere wiederum freuten sich über die erhöhte Anzahl der Stadtbesucher und profitierten von der Eröffnung der neuen Migros.
Bis zur Eröffnung war es allerdings ein langer Weg: 13 Jahre dauerte es zwischen dem Erwerb des Grundstücks gegenüber der bisherigen Filiale an der Alten Zürcherstrasse bis zur Eröffnung des riesigen Migros-Projekts. Der damalige Migros-Direktor Pfeifer sprach von einer Versorgungsnotlage der Bevölkerung, um die neue Migros zu rechtfertigen. Was entstand, konnte in keiner Weise mit dem bisherigen Geschäftsbetrieb verglichen werden. Der Grössenunterschied war enorm.

Neu kamen die gesamte Non-Food-Abteilung sowie 300 Parkplätze und das Migros-Restaurant hinzu. Während der Bauzeit hatte das Neumarkt-Gebäude jedoch seinen Besitzer gewechselt: Die Migros-Genossenschaft Aargau/Solothurn hatte es an den Berner Immobilien-Tycoon Viktor Kleiner verkauft, der später auch als Bauherr des Neumarkts 2 auftrat.

Zwei Monate nach der Migros-Eröffnung zogen die Neumarkt-Drogerie, der Novo-Discount sowie die Sofortreinigung Pressing-Frontmann in die Passage ein, die von der Presse mit dem Zürcher Shop-Ville oder dem Badener Metro-Shop verglichen wurde.

Neumarkt hat Brugg verändert

Wie bedeutend der Bau des Neumarkts für Brugg war, bringt ein Leserbrief im Brugger Tagblatt im Jahr 1975 auf den Punkt: «Der Neumarkt bringt Wertschöpfung und damit Steuererträge und Arbeitsplätze.» Andererseits habe der Neumarkt auch das Bild einer Stadt verändert: Mit einer eigenwilligen Architektur und mit einer Modernität, die viele zunächst als bedrohlich empfanden. Das Stadtzentrum hat sich zudem von der Altstadt in Richtung Bahnhof verlagert.