Windisch

Die erneuerte Kläranlage liefert neu wertvolles Biogas

Die Aufbereitungsanlage im Gebiet Sommerau ist offiziell eingeweiht worden. Der Projektleiter spricht von einer «interessanten Energieform», die neuerdings zur Verfügung steht.

Die Verantwortlichen sind sich einig: In der umgebauten Abwasserreinigungsanlage (ARA) Windisch ist eine innovative Lösung gefunden worden. Neu kann das Klärgas, das beim Reinigungs- und Faulungsprozess anfällt, aufbereitet und in das Erdgasnetz eingespeist werden.

Ausschnitte aus der Medienkonferenz in Windisch.

Ausschnitte aus der Medienkonferenz in Windisch.

Am Mittwoch sind die Biogas-Anlagen in Windisch sowie in der ARA Laufäcker in Turgi mit Besichtigungen und Ansprachen offiziell eingeweiht worden. Anwesend waren Vertreter der Brugger Energieversorgerin IBB, des Abwasserverbands Region Baden Wettingen, der beteiligten Unternehmen sowie die Behördenvertreter.

Wirkungsgrad ist viel höher

Anders ausgedrückt: Das anfallende Klärgas nutzt die IBB als Neuheit vollständig für ihre Erdgas- und Biogas-Produkte. «Das ist eine interessante Energieform», sagte Felix Kreidler, Leiter Projekte, Geoinformation und Anlagen-Management bei der IBB. Früher, blickte er zurück, wurde das Gas in zwei Blockheizkraftwerken in Strom und Wärme umgewandelt. Die Krux: Ein grosser Teil der Wärme musste, da keine Verwendung für sie bestand, an die Umgebung abgegeben werden.

In der erneuerten Anlage werde der Klärschlamm äusserst sinnvoll genutzt, bestätigte Mike Keller, Projektleiter der Firma Biopower aus Liestal. Denn im Gegensatz zu den Blockheizkraftwerken sei der Wirkungsgrad jetzt viel höher. Es könne also ein Beitrag geleistet werden an die Umwelt. Aber: «Es war eine echte Herausforderung, diesen Schritt zu machen», fuhr Keller fort. «Es gibt in der Schweiz noch nicht viele ARA, die ein solches Projekt realisiert haben.»

Mittlerweile ist die technische Abnahme erfolgt. Besonders erfreulich ist laut Keller, dass die sogenannten Kennzahlen, also die Zielvorgaben, erreicht werden können. Die Kläranlage liefert jährlich rund 4,5 Gigawattstunden Energie.

Damit das Klärgas in das Transportnetz eingespeist werden kann, muss es behandelt werden, zeigte Keller auf. Das Kohlendioxid wird vom Methan getrennt. Zum Einsatz kommen viel Druck sowie Membranen in einem mehrstufigen Verfahren.

Kapazitätsgrenze war erreicht

In der ARA Windisch im Gebiet Sommerau wird das Abwasser von 12 Gemeinden aus der Region Brugg-Birrfeld gereinigt – pro Jahr rund 6 Mio. Kubikmeter. Ausgelegt war die biologische Reinigungsstufe ursprünglich für 30 000 Einwohner. Mit der Vergrösserung des Einzugsgebiets – mit dem Anschluss von Untersiggenthal und Turgi – stiess die 1967 gebaute Anlage an ihre Kapazitätsgrenzen. Zwar wurde die mechanische Ausrüstung der biologischen Stufe saniert, an den Beckenvolumen oder am Verfahren wurden aber keine grösseren Veränderungen vorgenommen.

Beschlossen wurden deshalb eine Sanierung und ein Ausbau für 28 Mio. Franken. Die Wahl fiel auf das moderne Verfahren der Biofiltration. Bei diesem haften die Mikroben an kleinen Blähtonkugeln und sorgen für die Klärung des Abwassers. Der Spatenstich fand im Juni 2014 statt. Die leistungsfähige Biofiltrationsanlage ist seit Oktober 2016 in Betrieb. Gereinigt werden kann in der ARA Windisch in Zukunft das Abwasser von rund 80 000 Einwohnern.
Der Vorstand des Abwasserverbands hat im Juni des letzten Jahres einen weiteren Kredit von knapp 7 Mio. gesprochen für die Nutzung der alten Nachklärbecken für die Regenwasserbehandlung sowie für Hochwasserschutz- und verschiedene Werterhaltungsmassnahmen. Am 9. September ist ein Tag der offenen Tür vorgesehen.

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Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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