Brugg

Die Coiffeur-Salons kämpfen hart um die Haare der Kunden

Beyza Tut führt einen Haar- und Nagel-Salon am Bahnhofplatz in Brugg. Sie fordert bessere Kontrollen bezüglich Hygiene in der Branche.

Beyza Tut führt einen Haar- und Nagel-Salon am Bahnhofplatz in Brugg. Sie fordert bessere Kontrollen bezüglich Hygiene in der Branche.

In der Stadt sind 23 Coiffeur-Salons registriert. Der Konkurrenzkampf ist gross. Zwei Coiffeusen erklären, wie sie trotzdem überleben können.

Wer in der Stadt Brugg zum Coiffeur möchte, hat die Qual der Wahl. In der Altstadt gibts innerhalb von einer halben Gehminute drei Salons. Rund um den Bahnhof und den Neumarkt sind es sechs. Insgesamt sind in Brugg, inklusive Umiken, 23 Coiffeur-Geschäfte im Telefonbuch registriert. Darin nicht erfasst sind die sogenannten «Badewannen-Coiffeusen». Jene also, die zu Hause Haare schneiden – manchmal legal, häufig aber auch schwarz.

In der Branche sind diese nicht gerne gesehen. «Für diese Frauen ist der Verdienst vor allem ein Zustupf, ein Sackgeld», sagt Fredi Schmid, Präsident der Sektion Aargau des Verbands Coiffuresuisse. «Sie müssen mit den Einnahmen nicht eine ganze Familie durchbringen sowie Miete und Mehrwertsteuern bezahlen.» Auch Beyza Tut, die ein Geschäft am Bahnhofplatz führt, hat Mühe mit diesen versteckten Salons. «Sie schwächen den Markt», sagt sie. Und Susanne Käppeli, die eingangs der Brugger Altstadt ein Coiffeur-Geschäft führt, sagt: «Darum habe ich aufgehört, Lehrlinge auszubilden. Ich merkte, dass ich mir damit meine eigene Konkurrenz schaffe.» Viele ihrer Lehrlinge hätten unmittelbar nach der Ausbildung entweder einen eigenen Salon eröffnet oder eben zu Hause im Hinterzimmer ihre Dienstleistung angeboten.

Kleine Salons verschwinden rasch

Beide Frauen – Käppeli und Tut – staunen über die Anzahl Coiffeur-Salons in Brugg. Tut spricht von einem Boom, der in den letzten Jahren eingesetzt hat. «Doch viele kleine Salons verschwinden rasch wieder. Die Fluktuation ist hoch.» Beide Brugger Coiffeusen sind überzeugt, dass ein Salon trotz der vielen Mitbewerber in Brugg überleben kann. Mit guter Qualität und Menschlichkeit. «Zum Coiffeur müssen die Leute immer noch selber kommen», sagt Susanne Käppeli. Das könne – «zum Glück» – nicht im Internet erledigt werden. Je länger. je mehr merke sie, dass ihre Kunden wegen des Gesprächs kommen. «Wir sind auch Psychiater. Ich habe junge Menschen als Kunden, die mir ihre Sorgen anvertrauen. Sie sind froh darum, dass sie mit jemandem darüber reden können», erzählt sie.

Zudem kann sie auf ihre Stammkundschaft zählen. Familien, die generationenübergreifend zu ihr kommen. Stammkunden, die selber nicht mehr zu ihr ins Geschäft kommen können, besucht sie auch zu Hause. Mit ihrem Standort in der Altstadt ist Susanne Käppeli zufrieden. Hier laufe es besser als vorher im Geschäft, das sie im Neumarkt betrieb. Sie könne auf 300 bis 350 Stammkunden zählen. Trotzdem sagt sie: «Ich würde heute in Brugg kein Geschäft mehr eröffnen. Viel eher würde ich mir einen VW-Bus kaufen und damit auf die Stör gehen, den Leuten zu Hause die Haare schneiden.» Sorgen bereitet ihr am ehesten das Kränkeln der Läden in Brugg. Laufen die Geschäfte rund um den Salon nicht, beeinflusst dies auch ihr Geschäft.

Beyza Tut, die 90 Prozent des Umsatzes mit Stammkunden macht, legt in ihrem Salon viel Wert auf Qualität und Hygiene. «Mein externer Berater sorgt dafür, dass immer wieder Testpersonen zu uns kommen. Sie geben uns ein ehrliches Feedback», erklärt sie ihr Vorgehen. Hygiene ist das Stichwort. Tut fordert von der Branche bessere Kontrollen. Eine gute Idee, findet Fredi Schmid. «Wer aber bezahlt dies? Und wer setzt die Massnahmen durch?», fragt er. Für ihn gibt es auch noch andere Dinge, die besser kontrolliert werden müssten. Beispielsweise, ob alle Angestellten auch tatsächlich den gesetzlich festgelegten Mindestlohn erhalten.

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