Brugg
Die Brugger Lehrer fürchten um Sicherheit in der Schule

Die Schule Brugg sowie die Schulpflege wehren sich gegen das geplante Sparpaket des Kantons und gaben ihrer Wut Ausdruck. Im Salzhaus präsentierten sie in Beispielen, was die Sparrunde für Folgen auf die Qualität der Schule hat.

Janine Müller
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Die Brugger Lehrer befürchten, dass sie aufgrund der Sparmassnahmen die Aufsichtspflicht von den Schulkindern (im Bild Kinder auf dem Areal des Stapferschulhauses) nicht mehr so erfüllen können. Stattdessen machen sie den Vorschlag, Englisch erst ab der vierten Klasse zu unterrichten.

Die Brugger Lehrer befürchten, dass sie aufgrund der Sparmassnahmen die Aufsichtspflicht von den Schulkindern (im Bild Kinder auf dem Areal des Stapferschulhauses) nicht mehr so erfüllen können. Stattdessen machen sie den Vorschlag, Englisch erst ab der vierten Klasse zu unterrichten.

Irene Hung-König

Der Aargauer Regierungsrat will den Halbklassenunterricht auf der Primarstufe und Kindergartenstufe sowie Stunden in «Deutsch als Zweitsprache» (DaZ) einsparen. Das ist für die Brugger Bildungsverantwortlichen – Lehrer, Schulpfleger, Schulleiter – eine Katastrophe.

Kurzerhand entschloss man sich, einen Informationsabend zu organisieren, «weil ich gemerkt habe, dass viele nicht gemerkt haben, welche Folgen die Sparrunde hat», sagt Gesamtschulleiter Peter Merz. Es soll ein Zeichen sein, vielleicht sogar ein Verzweiflungsruf. Er findet: «Es ist ein Märli, dass die Sparmassnahmen keinen Einfluss auf die Qualität in der Schule haben. Es gibt nicht gleich viel Schule zu einem günstigeren Preis.»

Der Andrang war gross, die Wut auch

Alle strömten sie am Mittwochabend ins Salzhaus: Lehrer, Schulleiter, Schulpfleger aus Brugg und umliegenden Gemeinden, Gemeinderäte aus dem Bezirk und zwei Brugger Grossräte. Der Andrang war gross, die Wut auch.

«Mir fehlen die Hände und die Worte auch», schloss eine Kindergärtnerin ihren Beitrag auf der Bühne. Zuvor zeigte sie auf, was sie als alleinige Verantwortliche für eine Chindsgi-Gruppe so alles zu tun hat: Schuhe binden, einen Streit schlichten, einem fremdsprachigen Kind auf Deutsch eine Aufgabe erklären, eine Pfütze am Boden aufwischen, beim Gang aufs WC helfen.

Fragezeichen Schwimmunterricht

Eine Lehrperson für 20 bis 25 Kinder? Da sträubt es Schulleiter Peter Merz die Nackenhaare. «Ich mache mir als Schulleiter sorgen, dass die Sicherheit nicht mehr garantiert werden kann», sagt er nachdrücklich.

Überhaupt scheint die Sicherheit das Argument für die Lehrer zu sein. Ein Beispiel ist der Schwimmunterricht. Da soll gemäss Ausführungen des Schulleiters eine einzige Lehrperson eine ganze Klasse beaufsichtigen. Der einen Hälfte soll sie das Schwimmen lehren, die andere Hälfte könne in dieser Zeit neben dem Becken Turnübungen oder Ähnliches machen. Das hat der Regierungsrat den Schulen in einem Brief, der der az vorliegt, mitgeteilt: «Der Unterricht kann auch so organisiert werden, dass eine Schülergruppe ausserhalb des Schwimmbeckens beschäftigt wird, während die andere Gruppe im Schwimmbecken unterrichtet wird.» Als Peter Merz diesen Satz im Salzhaus vorlas, ging ein Murren durch die Ränge. Hier hat noch niemand vergessen, dass es vor gut acht Jahren in Brugg zu einem tödlichen Unfall im Schwimmunterricht kam. Allerdings heisst es im Brief auch, dass der Regierungsrat für den Schwimmunterricht kleine Gruppen von 12 Kindern empfiehlt. Es sei aber den jeweiligen Schulpflegen mit der Schulleitung überlassen, wie der Schwimmunterricht geregelt werden soll.

Nur noch eine Vollzeitstelle möglich

Die Sparmassnahmen hätten auch Einfluss auf die Pensen an der Primarschule Brugg. «Wir könnten im aktuellen Schuljahr noch eine Vollstelle anbieten», argumentiert Peter Merz. Zurzeit gibt es 22 Vollzeitstellen und 10 Teilpensen an der Schule Brugg. «Zwei Drittel der Abteilungen auf Primarstufe sind von einer Pensenreduktion betroffen.» Somit büsse die Schule auch an Attraktivität bezüglich Anstellungsbedingungen ein. «Es wird unter solchen Voraussetzungen schwierig werden, gut ausgebildetes Personal zu finden.»

Ein weiteres Problem sei die Kürzung der Stunden im DaZ. «Wenn wir die Stunden im Deutsch als Zweitsprache kürzen, werden wir später die Langzeitfolgen spüren. Spätestens dann, wenn diese Kinder eine Lehrstelle suchen. Die Fehler erst dann ausbügeln, dürfte kostenintensiver sein», meint Peter Merz.

Um Druck auf die Politiker auszuüben, haben die Brugger Lehrer am Mittwochabend eine Resolution unterschrieben. Der anwesende Grossrat Dieter Egli (SP) ist einer, der dann über die Sparmassnahmen abstimmen wird. Seine Meinung ist klar: «In der Bildung sparen kann nie richtig sein.»

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