Brugg
Die Brugger Fasnächtler wissen, was sich gehört

Die Konfettispalterzunft Brugg muss der Narrenfreiheit kaum Grenzen setzen, Richtlinien für den Fasnachtsumzug bestehen nur wenige. Es seien viele gestandene Fasnächtler mit von der Partie, die wüssten, was erlaubt sei, sagt Zunftmeister Hugo Schmid.

Michael Hunziker
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Schild an der Baslerstrasse: Die Fasnachts-Fieberkurve steigt von Tag zu Tag in Brugg.

Schild an der Baslerstrasse: Die Fasnachts-Fieberkurve steigt von Tag zu Tag in Brugg.

Claudia Meier

Kritisch oder auch einmal politisch inkorrekt darf – und soll – die Fasnacht sein. Da und dort wird in diesen Tagen aber auf die Grenzen aufmerksam gemacht, die der Narrenfreiheit gesetzt sind. Das Basler Fasnachts-Comité beispielsweise hat – mit Blick auf die Auseinandersetzungen um die Mohammed-Karikaturen – darauf hingewiesen, dass Religion ein heikles Thema ist. In Köln wurde ein «Charlie Hebdo»-Karnevalswagen gestoppt.

Wie präsentiert sich die Situation in Brugg? Wann muss die Konfettispalterzunft, die für den Fasnachtsumzug zuständig ist, einschreiten? Richtlinien für die Teilnehmer bestehen nur wenige, sagt Zunftmeister Hugo Schmid. Einerseits sei es untersagt, auf den Wagen alkoholische Getränke zu verkaufen, andererseits dürfen die Sujets eine gewisse Höhe nicht überschreiten. Denn ein zu grosser Wagen könne auf der Route hängen bleiben – was in der Vergangenheit schon vorgekommen sei und den ganzen Umzug ins Stocken brachte. Ansonsten aber werde auf Eigenverantwortung und gesunden Menschenverstand der Sujetbauer gesetzt.

Tolerant selbst beim Penis-Wagen

Diese melden sich samt Motto an, bei der Umzugsaufstellung werden sämtliche Wagen begutachtet. Es seien viele gestandene Fasnächtler mit von der Partie, die wüssten, was erlaubt sei, führt Schmid aus. «Die meisten kennen die Fasnacht und wissen, wie sie funktioniert. Der gegenseitige Respekt ist vorhanden.» Neuere Gruppen nutzten die Möglichkeit, sich im Vorfeld bei den Organisatoren über allfällige Auflagen zu erkundigen.

Würden Grenzen aber offensichtlich überschritten, müsste die Konfettispalterzunft sicher einschreiten, sagt der Zunftmeister. Bisher seien allerdings nie Schwierigkeiten aufgetreten. Zur Erinnerung: Selbst der Penis-Wagen der 34er-Höckler aus Ennetbaden, der vor einem Jahr für Aufsehen sorgte, wurde für den Brugger Umzug 2014 zugelassen. Zu negativen Reaktionen sei es nicht gekommen. An einem Kinderumzug habe ein solches Sujet aber nichts zu suchen, ergänzt Schmid. «Bei uns ist das nicht so tragisch.»

Gegen 50 prächtige Nummern

Er gehe davon aus, sagt der Zunftmeister zum druckfrischen Umzugsprogramm 2015, dass es auch in diesem Jahr nicht zu Problemen komme. Am übernächsten Sonntag reicht die Palette von «CIGUGEGL (Camping isch geil und git e gueti Luune)» bis zu «E dem neue Wind stiigt de Franke gschwind», von «Wesen der Unterwelt» bis zu «Atomkraft – Lömmers lüchte». Erwartet werden rund 1500 Umzugsteilnehmer sowie – Schmid spricht vom Brugger Rekordanlass – um die 20 000 Besucher. «Wir haben wieder einen prächtigen Umzug mit gegen 50 Nummern, davon zahlreiche sehr schöne Wagen und Guggen, Kinder- und Erwachsenengruppen», fasst er zusammen.

Was muss ein gutes Sujet mitbringen? Es seien oft die lokalpolitischen Themen, die gut ankommen, antwortet der Zunftmeister. Leider fehlten diese – im Gegensatz zu anderen Fasnachtsumzügen – ein bisschen, weil viele Gruppen nicht aus Brugg selber stammen. Was im Vergleich zu anderen Orten ebenfalls etwas fehle, seien die stimmungsvoll dekorierten Restaurants. Schmid hofft, dass sich die Beizer in Zukunft verstärkt für die Fasnacht begeistern können. Wie auch die Jungen, denn: «Wir brauchen Nachwuchs.» Er selber möchte bei Gelegenheit gerne etwas kürzer treten, meint der Zunftmeister und fügt mit einem Schmunzeln an: «Aber das sage ich jedes Jahr.» Jetzt freut er sich auf den grossen Umzug, auf die Fasnachtseröffnung mit dem Konfettispalten und der Häxered – seine ganz persönlichen Höhepunkte im bunten Fasnachtsprogramm.

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