«Wir sind schon seit längerer Zeit auf der Suche nach neuen Räumen», sagt Annemarie Euler, die zusammen mit Barbara Hutter die Brockenstube des Schweizerischen Gemeinnützigen Frauenvereins Brugg leitet. «Wir haben alles abgecheckt, und wir haben alle unsere Kontakte spielen lassen. Wir stehen, wegen eines neuen Raumes, auch seit Jahren mit den Behörden der Stadt Brugg in Kontakt. Bei der Stadt hat man sich sehr bemüht. Allerdings sieht man sich nicht in der Lage, uns einen geeigneten Raum zur Verfügung zu stellen. Jetzt wird es einfach dringend.»

Auch Yvonne Bertschi, die Präsidentin des Gemeinnützigen Frauenvereins Brugg, stellt fest: «Wir suchen dringend ein Lokal. Wir haben viele Anfragen gestartet. Wir sehen aber im Moment keine Möglichkeit. Für uns stellt sich damit einfach die Frage, ob wir die Brockenstube an einem geeigneten Standort weiterführen können. Wir sind offen für alle Möglichkeiten.»

Versicherung macht Druck

Dringend wird es, weil die Tage des Anbaues an der Alten Post in Brugg - in dem die Brockenstube seit 1969 ihren Standort hat - so oder so gezählt sind. Die Stadt, als Eigentümerin der Alten Post stehe zudem unter einem gewissen Druck der Gebäudeversicherung, weil für den Anbau feuerpolizeiliche Auflagen bestehen, erklärt Stadtrat Christoph Brun auf Anfrage. «Weil der Anbau aber ohnehin abgebrochen werden muss, macht es keinen Sinn, noch Investitionen vorzunehmen. Im Budget 2012 sind daher Mittel für den Abbruch eingestellt.»

Der Anbau könnte somit im Laufe des kommenden Jahres abgebrochen werden. Christoph Brun betont aber auch: «Der Stadtrat anerkennt das Engagement des Gemeinnützigen Frauenvereins und das öffentliche Interesse an der Brockenstube. Abklärungen des Bauamtes haben jedoch ergeben, dass keine Räume für die Brockenstube verfügbar sind.»

Brockenstube würde nächstes Jahr 100

Im Wissen darum, dass das zwar illusorisch sei, habe man eine Wunschliste für einen neuen Standort erstellt, sagt Annemarie Euler. «Das Wichtigste ist eine möglichst zentrale Lage, um Laufkundschaft anziehen zu können. Wir könnten uns auch einen grossen Keller vorstellen. Wir verfügen über gewisse finanzielle Möglichkeiten für einen Umbau oder eine Miete. Es kann aber nicht sein, dass der ganze Ertrag der Brockenstube für die Miete draufgeht. Dann macht es keinen Sinn mehr. Hinter der Brockenstube stehen 21 Freiwillige und ein grosses Engagement. Es geht uns nicht darum, einfach beschäftigt zu sein. Der Gemeinnützige Frauenverein nimmt soziale Aufgaben wahr. Das sind nicht einfach Frauen mit einem ‹Bürzi›, die stricken.»

Das Verschwinden der Brockenstube - die im nächsten Jahr ihren 100.Geburtstag feiern kann - wäre zweifellos bedauerlich. «Die Brockenstube ist eine Finanzquelle des Vereins», stellt Annemarie Euler fest. Aus den Erträgen der Brockenstube werden auch die sozialen Aufgaben finanziert, die der Gemeinnützige Frauenverein gegenüber Menschen erfüllt, die durch alle Maschen des sozialen Netzes fallen.

12000 Franken Aufwand

Unter anderem lässt der Gemeinnützige Frauenverein bedürftigen Einzelpersonen oder Familien mit Kindern Weihnachtspakete mit Warengutscheinen aller Art zukommen. Dafür werden jährlich rund 12000 Franken aufgewendet. «Es geht dabei», betont Annemarie Euler, «nicht um eine wilde Wohltätigkeit, sondern um unspektakuläre Hilfe, die aber eine grosse Wirkung zeigt.»