Quartierverein

Die Brugger Altstadt im Umbruch: Warum das Jahr 1980 so bedeutend war

Paul Huber schaut zurück auf 40 Jahre Quartierverein Altstadt. Dieser versuchte, die Menschen untereinander zu vernetzen, aber auch eine Position gegenüber der Stadt einzunehmen.

Das Jahr 1980 brachte einen grossen Umbruch für die Brugger Altstadt. Bis anhin fuhr der Verkehr zwischen Zürich und Basel mitten durch die Altstadt, es roch nach Abgasen, die Fassaden der Häuser waren grau. Die dicht befahrene Strasse trennte die Altstadt in ein Ost- und Westquartier. Dann aber wurde 1980 die Casinobrücke eröffnet und der Verkehr aus der Altstadt verbannt. Gleichzeitig entstand der Quartierverein.

Die Menschen sahen die Chance, der Altstadt neues Leben einzuhauchen. Sie wollten ein Bewusstsein für ihr Quartier schaffen. Sie haben sich gefragt: Wer sind wir eigentlich? Wer wohnt hier? Und so haben sich einige Bewohnerinnen und Bewohner der Altstadt getroffen und Ideen gesammelt.

Die Menschen untereinander verbinden

Unter den Gründungsmitgliedern war auch Kinderarzt Paul Huber, der Ende 1977 seine Praxis im Bürgerasyl am Spitalrain 7 bezog. Zu diesem Zeitpunkt nämlich wurde auch das erste Altersheim in Brugg eröffnet, was zur Folge hatte, dass die etwa 14 Menschen im Bürgerasyl dort ein Zimmer beziehen konnten. Huber erinnert sich noch an den Motorenlärm in der Altstadt, an die drei Bäckereien oder an die Metzgerei. Aber auch daran, dass man sich in der Altstadt nicht sehr gut kannte. Schon gar nicht jene Menschen, die auf der anderen Seite der dicht befahrenen Strasse wohnten. «Es wohnten zudem sehr viele ältere Menschen in der Altstadt», sagt er. «Viele waren einsam. Das wurde mir bewusst, als ich in meiner Funktion als Arzt in die eine oder andere Wohnung gerufen wurde.» Ziel des Quartiervereins sei es einerseits gewesen, die Menschen untereinander zu verbinden, andererseits aber auch, eine Position gegenüber der Stadt einzunehmen.

Aufgrund der neuen Situation mit der Verkehrsfreiheit befürchtete man aber bereits damals, dass die Altstadt aussterben könnte. Bäckereien und Metzgerei verschwanden. Heute sieht das Paul Huber nicht mehr so dramatisch. «Wenn man die Altstadt mit früher vergleicht, dann hat sie sicher eine positive Wandlung erfahren», meint er. «Die Häuser sind farbig, an vielen Orten ist die Altstadt begrünt, die Restaurants dürfen nach draussen stuhlen – das alles ist sehr positiv.» Auch die Trennung zwischen der östlichen und westlichen Altstadt existiere heute nicht mehr.

Das Engagement des Quartiervereins Altstadt zeigte Wirkung: Immer mehr Ideen wurden umgesetzt. Es gab das Adventsfenster, während des Zapfenstreichs wurde vor dem Bürgerasyl gefeiert, das Spaghettikochen in der Hofstatt wurde lanciert. «Immer wieder stiessen spontan Leute dazu», sagt Paul Huber. Er war ab 1985 nur noch Passivmitglied, da er aus der Altstadt auszog, obwohl er die Aarebrücke so eindrücklich findet und die Hofstatt bewundert. Er hofft, dass die Altstadt mit viel Leben gefüllt wird, mit kleinen Konzerten, «lustigen Lädeli» oder Bepflanzung. «Das sorgt für Verbundenheit untereinander und zur ganzen Stadt.»

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