Birr
Die Birrer haben die Wahl: Drei wollen in den Gemeinderat

Drei Kandidaten, ein Sitz im Gemeinderat: Die Stimmberechtigten in Birr sind in einer komfortablen Situation. Sie haben eine echte Wahl am 21.Mai.

Michael Hunziker
Merken
Drucken
Teilen
Am 21. Mai findet in Birr die Ersatzwahl in den Gemeinderat statt.

Am 21. Mai findet in Birr die Ersatzwahl in den Gemeinderat statt.

Michael Hunziker

Gleich drei Kandidaten stellen sich in Birr am 21. Mai für die Ersatzwahl in den Gemeinderat zur Verfügung: Urs Anderegg, Barbara Gloor sowie Doris Iten. Neu zu besetzen ist der Sitz von Tobias Kull, Ressort Soziales, der seine Demission eingereicht hat.

Am Donnerstagabend bestand Gelegenheit, die Kandidaten kennenzulernen und ihnen auf den Zahn zu fühlen. Rund vier Dutzend Neugierige folgten der Einladung in die Cafeteria im Haus Eigenamt. Geleitet wurde die Podiumsdiskussion von Hans Utz, Kommunikation- und Marketing-Profi aus Birr.

Die drei Kandidaten, soviel vorweg, stellten sich den Fragen auf sympathische, aufgestellte und authentische Art und Weise – auch wenn sie vor allem zu Beginn sichtbar nervös waren. Nach rund dreiviertel Stunden bestand beim gemütlichen Apéro Gelegenheit für weitere angeregte Gespräche.

Alle, zeigte sich bei der Vorstellung, sind seit Jahren in Birr verwurzelt. Landwirt Urs Anderegg (45) ist im Dorf aufgewachsen und – unter anderem – bekannt durch sein Engagement in der Feuerwehr. Doris Iten (55) zog ursprünglich aus dem Kanton Zürich zu, hat einst eine kaufmännische Lehre absolviert und betreibt heute mit ihrem Familienbetrieb einen eigenen Rebberg. Barbara Gloor (37) wuchs in Hausen auf, lernte medizinische Praxisassistentin und ist im Gesundheitsbereich tätig. Ihre freie Zeit verbringt sie mit der Familie und ist Mitglied der Feldmusik Lupfig.

Sie würde sich gerne im Gemeinderat engagieren, frischen Wind in die Behörde bringen und sich für ein familienfreundliches Leben und ein gutes Bildungssystem einsetzen, sagte Barbara Gloor. Das Ressort Soziales würde ihr durch ihren beruflichen Hintergrund liegen.

Schwierig, aber spannend

Es handle sich um ein spannendes, gleichzeitig auch um ein schwieriges Ressort, stellte Doris Iten fest. Sie gehört als einzige der Kandidaten einer Partei an, der SVP, und verfügt als frühere Schulpflegerin und heute als Vorstandsmitglied der Ortspartei über langjährige politische Erfahrung. In dieser Funktion habe sie den Gemeinderat bisher dann und wann kritisiert. Jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, selber Verantwortung zu übernehmen, führte sie aus. Sie sei interessiert am Gemeinwesen, unabhängig und bringe die nötige Zeit und das Herzblut mit. Und sie sei keine Hardlinerin, sagte sie mit einem Lachen, Parteipolitik lasse sich nicht unbedingt vergleichen mit Gemeindepolitik.

Auch Urs Anderegg ist bereit, sich zum Wohl der Gemeinde einzubringen, sich hinzustellen, statt nur Forderungen zu stellen. Wichtig in der Behörde seien die Teamfähigkeit und das Kollegialitätsprinzip, ein fairer Umgang. Nur gemeinsam komme man zum Ziel.

Dieser Aussage pflichtete Doris Iten bei. Politisch liegen die beiden, so kam zum Ausdruck, offenbar auf einer ähnlichen Wellenlänge. Als Pluspunkte der Gemeinde bezeichnen sie etwa die Verkehrsanbindung. Die Herausforderungen sehen sie im tiefen Steuersubstrat, in den steigenden Sozialkosten oder auch dem hohen Ausländeranteil. Es gelte, haushälterisch mit dem Geld umzugehen. «Die Ausgaben sollen sich nach den Einnahmen richten», sagte Doris Iten. Ziel müsse es sein, dass Sozialhilfeempfänger möglichst schnell wieder selbstständig und Ausländer integriert werden. Überdies sei auf Luxusinvestitionen zu verzichten. Urs Anderegg schlug eine umsichtige Finanzplanung vor. Eine Erhöhung des Steuerfusses muss seiner Meinung nach vermieden werden.

Beim Thema Fusion nicht einig

Es brauche eine klare Linie, damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen, pflichtete Barbara Gloor bei. Trotzdem aber seien Mit- und Feingefühl gefragt. Denn die Leute, die sich in einer schwierigen Situation befinden, sollen auch Wertschätzung spüren. Einsparungspotenzial ortet sie beispielsweise im Bereich der Kesb, der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde.

Während Barbara Gloor eine Politik über die Gemeindegrenze hinweg als möglichen Weg für die Zukunft bezeichnete, stehen Doris Iten und Urs Anderegg einer Fusion eher kritisch gegenüber. Eine solche müsse tatsächlich Sinn machen. Sie setzen auf die Zusammenarbeit und möchten Synergien nutzen.