Brugg

Die Band Mu:n gibt ihr erstes Album heraus – und startet mit einer Konzertreihe ins neue Jahr

Mu:n ist bereit für den Album-Release am 6. Januar im «Isebähnli» in Baden (v. l.): Djamal Moumène, Noah Weber, Tobias Pfister und Vito Cadonau.

Mu:n ist bereit für den Album-Release am 6. Januar im «Isebähnli» in Baden (v. l.): Djamal Moumène, Noah Weber, Tobias Pfister und Vito Cadonau.

Die Jungmusikerszene der Stadt Brugg wird ein neues Musikalbum erhalten. Djamal Moumènes Band Mu:n (ausgesprochen Muun) publiziert Anfang Januar ihr erstes Album unter dem Titel «Fabrics». In seiner Altstadtwohnung erzählt Djamal Moumène bei einer Tasse Tee von seinem Werk.

Mu:n ist vor eineinhalb Jahren aus der Bachelorarbeit vom Gitarrist Moumène entstanden. «Es hat super funktioniert zusammen mit Noah Weber, Vito Cadonau und Tobias Pfister, den anderen Bandmitgliedern. Da war es naheliegend, eine Band zu gründen», sagt der Musiker. Bis im Herbst war das Quartett noch unter dem Namen «Mène» unterwegs.

Zur Umbenennung kam es, so Moumène, weil die Assoziation vom Bandnamen mit Männern verhindert werden sollte – «Mène» erinnert an das englische Wort für Männer «Men». «Wir sind keine Machoband. Eher das Gegenteil», sagt Djamal Moumène. Ihre Musik sei oft intim und sanft. Zudem müsse man auch in einem Genre, wo die Frauen klar in der Minderheit seien, die Männerdominanz im Bandnamen nicht zusätzlich unterstreichen. Der neue Namen hat aber nichts mit dem Mond (englisch: moon) zu tun, den Musikern gefiel schlicht der kurze Namen.

Obwohl eine Verknüpfung zum Mond noch naheliegend wäre, denn Mu:n spielt Interstellar-Jazz – Interstellar bedeutet «Zwischen den Sternen». Die Musiker wollen damit nicht das Genre des Albums beschreiben, sondern in Worten ausdrücken, wie ihr Album tönt: Nämlich räumlich, zugleich aber an bestimmten Stellen auch sehr dicht. Also «Zwischen den Sternen». Inspiriert wurde der Name von John Coltranes Album «Interstellar Space».

Inspiriert von Albert Camus und Wassily Kandinsky

In «Fabrics» tasten die Jazzer die verschiedenen Phasen der Band ab. Es sei ein Produkt aus langer Zeit und verschiedenen Musikmaterialien, deshalb eben «Fabrics». Es ist ein Konzeptalbum, das heisst jedes Stück geht nahtlos in das darauffolgende über. Die Stücke – alle von Moumène komponiert – bieten den Musikern viel Freiheit. «Sie müssen nicht an den Kompositionen hangen», sagt der Brugger Gitarrist. Vielmehr haben sie die Unabhängigkeit für die im Jazz so wichtige Improvisation.

Zwischen den einzelnen Kompositionen Moumènes befinden sich gesprochene oder gesungene Interludien. Die Zwischenspiele dienen als Bühne für befreundete Künstler und Musiker der Band. Inspiriert sind die Zwischenstücke unter anderem von Bildern von Wassily Kandinsky und von dem Buch «Der Fremde» von Albert Camus – Moumènes Lieblingsbuch.

Das Cover wurde von der befreundeten Künstlerin Brooke Jackson entworfen. Es zeigt eine Korallenansammlung auf einem Schaltkreis. «Das Cover hat nicht eine tiefere Bedeutung. Es soll einfach schön sein», kommentiert Moumène. All diese unterschiedlichen Inputs und Stücke aus den verschiedenen Phasen der Band lassen an ein Flickwerk-Album denken, dies sei aber nicht der Fall, so Moumène, es besitze einen roten Faden. Wer einen Vorgeschmack auf das Album haben möchte, findet auf Youtube einen Trailer.

Der Gitarrist nutzt Brugg als Rückzugsort

Seit dem letzten Interview mit der AZ vor eineinhalb Jahren hat sich viel getan im Leben des 26-jährigen Gitarristen Djamal Moumène. Nach abgeschlossenem Bachelorstudium an der Zürcher Hochschule der Künste nahm er gleich den Master in Angriff. Obwohl eine Tour durch Kongo aus politischen Gründen nicht durchgeführt werden konnte, war der Musiker oft im Ausland auf Konzertreisen. Dies auch mit dem Quartett Mu:n.

Trotz der unterschiedlichen Herkünfte der Bandmitglieder von Mu:n – jeder kommt aus einem anderen Teil der Schweiz – bleibt der Brugger Gitarrist seiner Stadt treu. Er nutze Brugg als Rückzugsort. Vor allem im Vergleich zum hektischen Zürich wirke Brugg durch seine Ruhe und Langsamkeit entspannend. Enttäuschend findet er die fehlende Kulturförderung durch die Stadt. Diese Meinung sei auch unter anderen Musikern verbreitet. Das Schöne an der Situation ist, dass dennoch unter den Musikern aus Brugg ein reichhaltiges Milieu entstanden ist.

Veröffentlicht wird das neue Album am 3. Januar digital und am Montag, 6. Januar, als Platte im Jazzlokal Isebähnli in Baden. In Brugg spielen Mu:n am 30. Januar um 12.30 Uhr bei der Mittagsmusik auf Gleis 1 vor dem Metron-Eingang.

Nach der Konzertreihe, die nach Zürich, Luzern und Graubünden führen wird, werden sich die Jazzer vorerst Zeit für anderes nehmen. Sie sind gespannt auf Rückmeldungen zum Album. Im Frühling sollte dann die nächste Tournee folgen.

Plattentaufe und Konzert 6. Januar: Plattentaufe «Isebähnli» in Baden; 30. Januar: Mittagsmusik Gleis 1, Brugg.

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