In einem Zug manövriert Daniel Peterhans den Kippanhänger rückwärts an die Auffangvorrichtung der riesigen gelben Maschine, der sogenannten «Bahnratte». Die Kipperbrücke beginnt sich zu heben, die Zuckerrüben kollern in die Auffangvorrichtung und werden vom Elevator erfasst.

Hoch oben in der verglasten Kabine der «Bahnratte» sitzt Fabian Märki, hauptberuflich Landwirt in Rüfenach. «Zuckerrüben baue ich selber keine an», sagt er. «Ich betreibe Milchwirtschaft und Weinbau».

Fabian Märki dirigiert den schwenkbaren Ausleger, der die Zuckerrüben in die Bahnwagen bringt. In wenigen Minuten sind die gut 20 Tonnen Zuckerrüben, die Daniel Peterhans aus Fislisbach gebracht hat, in einem der hochbordigen offenen Bahnwagen verschwunden.

Rüben gehen nach Frauenfeld

Seit Mittwoch werden in Lupfig, einem der 14 Verladeorte von «Rübenumschlag Aargau», Zuckerrüben für den Transport in die Zuckerfabrik Frauenfeld auf die Bahn gebracht. «Rübenumschlag Aargau» ist, so heisst es auf der Website, «ein nach den Grundsätzen einer Genossenschaft organisierter Verein mit rund 200 Genossenschaftern». Ziel und Aufgabe ist es, «die Zuckerrübenernte jedes einzelnen Pflanzers gemeinsam an der nächstmöglichen Bahnstation zu verladen» und das «schonend, professionell, kostengünstig und rationell».

Die Geschäftsstelle von «Rübenumschlag Aargau», die ihren Sitz in Wildegg hat, besorgt zudem sämtliche organisatorischen, logistischen und administrativen Aufgaben und sie stellt die Finanzierung sowie den Betrieb der mechanischen Einrichtungen (das heisst der drei «Bahnratten») sicher.

Beeindruckende Generalstabsarbeit

Dass hinter der Organisation des Zuckerrübenumschlages eine beeindruckende Generalstabsarbeit steht, zeigt der Blick in die Planung für den Verladeort Birrfeld. Der Plan, dessen Einzugsgebiet sich von Gebenstorf bis ins untere Reusstal, an den Rohrdorferberg und westlich bis Scherz und Habsburg erstreckt, hält fest, wann von welchem Pflanzer wie viele Tonnen Rüben verladen werden, wer den Transport vom Feld zur «Bahnratte» besorgt und wann die erste Fuhre am Bahnhof zu sein hat.

Abtransport: In Lupfig werden die Zuckerrüben verladen

Abtransport: In Lupfig werden die Zuckerrüben verladen

Ausgangspunkt für Organisation des Rübenverlads, der gestaffelt nach Ortschaften erfolgt, sind, so Thomas Vögeli, Geschäftsführer von «Rübenumschlag Aargau», die Verträge der Rübenpflanzer mit der Zuckerfabrik Frauenfeld. Gegenwärtig werden übrigens die Verträge für die Ernte 2015 abgeschlossen.

«Die Organisation des Verlads beginnt bereits im Frühjahr», sagt Thomas Vögeli. Aufgrund der sogenannten Zuckerquote, das heisst des Zuckergehaltes der Rüben, werden die annähernde Tonnage und damit der Bedarf an Bahnwagen ermittelt.

SBB Cargo erstellt darauf den Verladeplan, wobei eine Auflage der Zuckerfabrik besteht, dass während der Zuckerkampagne täglich 100 Bahnwagen Rüben angeliefert werden müssen – egal woher. «Ich selber», so Thomas Vögeli, «erarbeite ab August die Verladepläne, indem ich die Reihenfolge der Dörfer einteile, aus denen Rüben angeliefert werden. In einem zweiten Schritt dann die Reihenfolge der Pflanzer.»

Reiche Ernte in diesem Jahr

Während Daniel Peterhans in die Fahrerkabine seines Traktors klettert, ist bereits das nächste Kippergespann bei der «Bahnratte» vorgefahren. Es wird nicht das letzte sein. Allein an diesem Tag werden im Birrfeld gemäss Plan 21 Bahnwagen mit 917 Tonnen Zuckerrüben aus Fislisbach beladen. Bis zum Schluss des Verlades im Birrfeld war eine Menge von rund 10 500 Tonnen geplant sein.

Tatsächlich wird es mehr sein. Die Ernte ist dieses Jahr reich ausgefallen. «Täglich verladen wir im Birrfeld 1200 Tonnen Rüben, was 24 Bahnwagen entspricht», sagt Thomas Vögeli. «Insgesamt haben wir bis zum vergangenen Dienstag 103 000 Tonnen Rüben verladen. Gesamthaft dürften es an die 120 000 Tonnen werden, die von rund 450 Pflanzern stammen.»