Windisch
Die Authentica als Statement gegen den Massenkonsum

Am Wochenende präsentierten sich Kleinproduzenten in und rund um die Klosterkirche Königsfelden in Windisch. Das Motto der Spezialitätenmesse Authentica heisst: Lieber mehr bezahlen und lange etwas davon haben.

Hans Christof Wagner
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Authentica in der Klosterkirche
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Authentica in der Klosterkirche Kein Stand gleicht dem anderen bei der Messe Authentica.
Authentica in der Klosterkirche Stefan Sobota kombiniert seine beiden erlernten Berufe, Schreiner und Küfer, zur Fertigung von Möbeln aus ausrangierten Barrique-Fässern.
Authentica in der Klosterkirche Im Kreuzgang des Klosters präsentierte sich ein Hersteller von Bio-Sprossen aus dem Kanton Luzern.
Authentica in der Klosterkirche Im Kreuzgang des Klosters präsentierte sich ein Hersteller von Bio-Sprossen aus dem Kanton Luzern.
Authentica in der Klosterkirche Albert Brunner und Kaya Dehlinger von der Kleinbrauerei Divus in Oftringen präsentierten ihre Bierspezialitäten.
Authentica in der Klosterkirche Auch ein Glasmacher war an der Authentica mit dabei.
Authentica in der Klosterkirche Martin Benz ist einer der letzten Kleinseiler in der Schweiz.
Authentica in der Klosterkirche Auch einen Teil seiner zur Seilfertigung dienenden Maschinen hat Martin Benz mitgebracht.

Authentica in der Klosterkirche

Hans Christof Wagner

Wo sonst die bunten Glasfenster die Hauptattraktion sind, gehört während der Authentica die Aufmerksamkeit der Besucher im Kloster Königsfelden anderen Preziosen: Von Kleinproduzenten handwerklich hergestellte Waren, Gebrauchsgegenstände und Lebensmittel, für deren Authentizität die an den Ständen persönlich anwesenden Firmeninhaber selbst bürgen.

Dass das Kloster Königsfelden – sonst eigentlich keine Messe-Location – für die dritte Auflage der Authentica in Windisch wieder ausgewählt wurde, ist für Sarah Christ, Sprecherin des organisierenden Authentica-Vereins, kein Zufall. Es ist vielmehr Teil des Konzepts, die Produkte der rund 60 Aussteller in und vor einer individuellen Kulisse zu präsentieren, um deren Individualität selbst zu unterstreichen. «Das ist für uns ein tolles Privileg, das gibt unserer Messe die notwendige Würde», betont sie. Und: «Wir könnten es uns nicht vorstellen, das in einer x-beliebigen Messehalle ohne Charme zu machen, wo jeder Stand dem anderen gleicht.»

Klein aber fein will die Authentica sein, mit lieber weniger, dafür bewussteren Besuchern. 2017 zählte die Authentica Windisch 4500 Besucher, nach 2800 beim ersten Mal. Was 2012 zum ersten Mal im Kloster Solothurn stattfand, hat sich mittlerweile etabliert. Nachdem 2018 Brugg-Windisch an diesem Wochenende den Anfang machte, reist die Messe im August erstmals nach Pratteln weiter und schliesst dann im Oktober in Appenzell ab.
Seit die Messe in Windisch stattfindet, ist Martin Benz mit dabei und zeigt den Besuchern auf, wie gefesselt er von seinen Seilen ist, die er in allen Varianten in Winterthur herstellt. «Der Verein hat mich 2016 angefragt. Und auch meine Kunden haben mir eine Teilnahme an der Messe empfohlen», berichtet er: «Da konnte ich ja kaum anders.» Wie so viele hier lebt er von seinem Metier, als einer der letzten Kleinseiler in der Schweiz.

Für einige eine Premiere

Für Stefan Sobota ist die Authentica 2018 hingegen eine Premiere. Der Zürcher kombiniert seine beiden erlernten Berufe, Schreiner und Küfer, zur Fertigung von Möbeln aus ausrangierten Barrique-Fässern. «Als ich zum ersten Mal sah, wie der Rotwein darin seine Farbe ans Holz abgegeben hat, war mir klar, dass ich damit arbeiten will», erzählt er. Authentica – authentisch: «Für mich heisst das, dass alles aus einer Hand stammt und ich zu allem hier eine Geschichte erzählen kann», sagt Sobota. Auch das erste Mal bei der Spezialitäten-Messe mit dabei sind Albert Brunner und Kaya Dehlinger von der Kleinbrauerei Divus in Oftringen. Von den Vorzügen ihres Öko-Biers wollen die beiden die Besucher überzeugen.

Drei Tage am Stand stehen, Geduld haben, das Interesse wecken – das heisst die Authentica für die Aussteller. Besucherin Lisa Baettig aus Baden imponiert es, wie viel Idealismus, Ausdauer und Durchhaltevermögen die Kleinproduzenten mitbringen. Und deren Produkte sagen ihr zu. «Ich war erst an vier Ständen und bin schon fündig geworden.» Sie sei hier «in grösserer Gefahr» einzukaufen als in einem «Billigladen» mit vermeintlichen Schnäppchen. Lieber mehr bezahlen und lange etwas davon haben: So sieht sich die Authentica. Sie ist ein Statement gegen den Massenkonsum und die Wegwerfgesellschaft, Verfechter für Nachhaltigkeit und lokale Wertschöpfung.

Künstler Rotsch Weber aus Niederlenz ist Aussteller an der Authentica. Das Porträt finden Sie hier.