Bözen

Die Auswahl des richtigen Weihnachtsbaumes ist eine delikate Aufgabe

Selbst einen Weihnachtsbaum aussuchen und beim Fällen zusehen? Rechtzeitig verkauft der Forstbetrieb Homberg-Schenkenberg Weihnachtsbäume aus den Ortsbürger-Wäldern.

Es kann nur einen Christbaum geben. Sicher ist es nett, wenn die Mutter zu Hause «guetzlet». Doch sie kann «guetzlen», so viel sie will: Erst mit dem Christbaum kehrt wirklich Weihnachtsstimmung ins Haus. Diesen einen, richtigen Baum zu finden, ist eine höchst delikate Aufgabe, die selbstverständlich nur gestandenen Männern, allenfalls deren erstgeborenen Söhnen, überantwortet werden kann. Leider lockt der dritte Adventssamstag weder den einen noch den anderen vor die Tür.

Es hilft alles nichts. Vater und Sohn nähern sich gegen Mittag mit grossem Auto und leerem Kofferraum der Baumschule Bözen auf der heiligen Suche nach dem Überbau für die diesjährigen Geschenke. Es luftet ziemlich, und vom Regen längst durchnässt klebt Schnee wie kalter, sauberer Schlamm zwischen den Bäumen.

Schon beim Empfang auf der Anlage sehen sich die beiden in ihrer Männlichkeit herausgefordert: David Schütz empfängt seine Kunden im T-Shirt. Dem Forstwart scheint die Kälte nichts anhaben zu können. Ohne Aufforderung präsentiert er gut gelaunt die geschlagenen, bereitstehenden Nordmanntannen im Eingangsbereich, dreht sie um ihre Achse und beschreibt deren Vorzüge; aus den Ortsbürger-Wäldern der Region täten sie stammen, hervorragend riechen und lange halten, ohne die Nadeln zu verlieren.

Wanderung von Baum zu Baum

Jetzt zugreifen und gleich heimgehen? Niemals! Welcher Christbaum-Kenner nimmt schon den erstbesten Baum, der ihm vor die Nase gestreckt wird? Wer hierherkommt, der will seinen Baum selber aussuchen, markieren und ihn fallen sehen. Die Spiele sind eröffnet, der Rundgang kann beginnen. Rechts hinter dem Eingang stehen vor allem Fichten. Allzu viele stattliche Exemplare stehen nicht mehr, und die anderen haben sich optisch wirksam gegen die Umfunktionierung zum Lamettaträger gewappnet.

Irgendwo rattert ein Motörchen. Dass der Sohn das hört, spricht Bände. Ein paar Schritte nur, und schon beschäftigt ihn der Gedanke an den forschen Forstwart mit dem T-Shirt fast so sehr wie die eigentliche Christbaum-Suche. Er spekuliert auf ein wärmendes «Öfeli» im Holzerwagen und setzt die Suche fort. Auch die Baumgruppe mit den Nordmanntannen auf der anderen Seite hält nicht das ersehnte Exemplar bereit. Dafür springt eine alleinstehende Blautanne ganz am Zaun bei der Hauptstrasse ins Auge. Das könnte er sein, unser Baum!

Schafe ohne Appetit auf Nadeln

Vater zückt den Meter und misst, Sohn beäugt kritisch die Hinterseite. Schliesslich sind sie sich einig. Zum ersten Mal seit 20 Jahren soll es eine Blautanne sein, die die Kugeln stemmt. Die Vorfreude aufs Fällen fällt mit der Vorfreude auf den wärmenden Kaffee zusammen. Zurück beim Holzerwagen stossen sie mit Tee, Kaffee und Kirsch auf die erfolgreiche Suche an, während Forstwart Schütz von den «Anti-Tannenbaum-Schafen» berichtet, die im Sommer die Anlage beweiden, weil sie die Nadeln nicht fressen, Shropshire-Schafe heissen sie. In der Wärme lässt sich auch gut über Naturschutzprogramme, den Holzpreis und bei Vollmond geschlagene «Super-Weihnachtsbäume» philosophieren.

Das Fällen dauert nur wenige Sekunden. Auf Wunsch werden noch Äste entfernt und der Stamm für den Christbaum-Ständer dünner gemacht. Verrechnet wird der Baum mittels Referenz-Holzlatte bis zur Mitte des Spitzes: 35 Franken – weniger als gedacht. Zufrieden verladen Vater und Sohn den Auserwählten ins Auto und fahren langsam durch den Schnee davon – bereit für Weihnachten.

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