Villigen
Die «Alptraum-Villa» hat es in sich

Dem Virus zum Trotz hat sich der Vorhang für die Theatergruppe Villigen geöffnet.

Louis Probst
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Die Meilis zeigen den De Manières ihre Traumvilla.
4 Bilder
Melanie (links) und Frau Bühler
Nanu Hugi trifft auf Yvonne
Theater Villigen 2020

Die Meilis zeigen den De Manières ihre Traumvilla.

Louis Probst

«Nach langem Hoffen kann der Vorhang doch geöffnet werden», sagt Petra Böni von der Theatergruppe Villigen zur Begrüssung. «Wir haben beim Kanton eine Bewilligung eingeholt. Zudem sind Vorkehrungen gegen das Corona-Virus getroffen worden.» Trotzdem blieben bei der Premiere einige Plätze frei. «Dabei war alles ausverkauft», meint die Dame am Nachbartisch. Dann öffnet sich der Vorhang, die Theatergruppe Villigen lässt das Publikum an einem Geniestreich»teilhaben, mit dem eine Luxusvilla an den Mann gebracht werden soll.

«Dieses Haus ist keine ‹Chrüpf›», tadelt Johanna Bühler (Sandra Gutknecht) die motzende Lehrtochter Yvonne (Yael Berweger). Als Chefsekretärin der Meschenmoser Luxury Real Estate hat Bühler den Verkauf der Liegenschaft – ein Juwel zeitgenössischer Architektur oder eine unverkäufliche «Chrüpf» – in die Wege zu leiten. Weil die Liegenschaft, so Chef Otto C. Meschenmoser (Heinz Geissberger), «zwar nur halb so gross wie der Friedhof Schinznach, aber doppelt so tot» ist, soll sie künstlich belebt werden. Richten soll das Verkaufsleiter – und Nationalratskandidat – Erwin Meili, genannt Smiley-Meili (Fabian Giger). Unterstützt durch Schauspielerin Melanie Simon (Alexandra Schumacher) soll er dem interessierten Industriellen Monsieur De Manière (Pascal Schwarz) und dessen Gattin Hélène (Nina Waser) eine heile Familienidylle vorgaukeln. Zur Dokumentation des Kindersegens in der (Alp-)Traumvilla, hat Bühler in der Brockenstube ein Bild mit Kindern organisiert.

Nichts ist, wie es scheint, in der (Alp-)Traumvilla

«Spielen Sie ein typisches, glückliches Ehepaar», so die Regie-Anweisung des Otto C. Meschenmoser an Meili. Dieser meint ungläubig: «Gibt’s denn das?» Doch Melanie und er geben ihr bestes. Man leidet mit, wenn Smiley-Meili schwarz für seine Polit-Karriere sieht: «20 Jahre bei den Jungfreisinnigen – alles für die Katz’.» Einfacher wird es nicht, nachdem Anwalt David Hagendorn (Peter Wülser) auf der Suche nach seiner Verlobten Melanie auf der Matte steht und Max Fischbach (Georg Süss), Nationalrat der Grünen, und seine Frau Regula (Lilli Grimm) um ein Nachtquartier bitten, weil sie auf einer ornithologischen Exkursion mit ihrem Hybrid stecken geblieben sind. Zudem irrlichtert Privatdetektivin Dütsch (Petra Böni) durch die Alptraum-Villa.

Die überraschenden «alternativen Fakten» machen das Stück, das Erwin Britschgi mit Polit-Kolorit angereichert hat, höchst vergnüglich. Die Akteurinnen und Akteure um Regisseur Enrico Maurer ziehen alle Register. Dem Publikum jedenfalls hats in der «Alptraum-Villa» gefallen.

Theaterleute hoffen, dass Vorstellungen stattfinden

«Wir mussten mit Abmeldungen rechnen», so Lilli Grimm, Vizepräsidentin der Theatergruppe Villigen. «Wir hoffen aber, dass uns die Leute die Treue halten und nächstes Jahr wiederkommen.» Vorgesehen sei, die Vorstellungen gemäss Programm durchzuziehen. «Das kann aber von Tag zu Tag ändern», sagt Grimm. «Wir hoffen jedoch nicht, dass das eintreten wird. Die Theatergruppe hat ein halbes Jahr gearbeitet. Wir haben auch Sicherheitsvorkehren getroffen, soweit das in unserer Macht steht.»

«Alptraum-Villa»: 13./14. März, 20 Uhr, Turnhalle Erbslet, Villigen. Infos unter www.theatervilligen.ch.

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