Windisch

Die Aleviten luden ein und viele Besucher kamen

Das Semah-Ritual bildet den Abschluss eines Gottesdienstes.  Foto: NN

Das Semah-Ritual bildet den Abschluss eines Gottesdienstes. Foto: NN

Das Alevitische Kulturzentrum Aargau öffnete seine Türen für die Öffentlichkeit - viele Besucher kamen. Um die 40 000 Aleviten leben in der Schweiz.

Sich öffnen, Verständnis wecken, Toleranz füreinander finden – dies waren die Anliegen einer öffentlichen Veranstaltung im Alevitischen Kulturzentrum an der Aumattstrasse in Windisch. Vereinspräsident Duran Mor konnte zahlreiche Besucher begrüssen, darunter Angehörige anderer Religionen. Um die 40000 Aleviten leben derzeit in der Schweiz. «Wir sind Teil der Multikultigesellschaft des Landes und akzeptieren alle andern Religionsgemeinschaften als gleichwertig.»

In der Türkei zählt man rund 20 Millionen Aleviten, in Deutschland zirka 600000, wie der Bildungsbeauftragte für Deutschland, Ismail Kaplan, darlegte. Er stellte die Grundzüge des Alevitentums vor, während seine Gattin Nur mit Gitarre und Gesang Glaubenslehren musikalisch interpretierte. Ob die Aleviten zum Islam gehören, sei eine offene Frage, sie unterscheiden sich auch von den Muslimen, Christen und Juden. Sie nennen ihren Gott Tann, Allah, Hu, Hak, Huda, Sah oder Ulu.

Zur Natur Sorge tragen

Die Natur ist die sichtbare Gestalt Gottes, der Mensch die Widerspiegelung Gottes; nach dem Tod erfolgt die Wiedervereinigung der Seelen mit Gott. Der Schutz von Natur und Umwelt ist denn auch ein grosses Anliegen. Man ist, begleitet von der heiligen Kraft, auf dem Weg zur Vervollkommnung. Auch Angehörige anderer Religionsgemeinschaften können diese Vervollkommnung erreichen. «Wir missionieren deshalb nicht.» Strikte abgelehnt wird jegliche Gewaltanwendung, Humanität und Mitmenschlichkeit haben einen hohen Stellenwert.

Die Angehörigen fallen in unserer Gesellschaft nicht auf – oder nur positiv aufgrund von Einstellung, Gewaltverzicht und Engagement. Die Aleviten tragen keine spezielle Kleidung oder Kopfbedeckung und beten nicht in Moscheen, sondern in Cem-Versammlungsräumen (Cem bedeutet Kreis, Ring). Zum gemeinsam gestalteten Gottesdienst werden Esswaren mitgebracht, die dann geteilt werden. Wichtig ist die Begleitung des Gottesdienstes durch das Instrument Saz und durch Gesänge, abgeschlossen wird er mit dem Semah-Ritual, wie es am Windischer Anlass vorgeführt wurde.

Pilotprojekte an Schulen geplant

In sechs Bundesländern in Deutschland wird alevitischer Religionsunterricht an den öffentlichen Grundschulen erteilt. In der Schweiz sind Pilotprojekte in Basel und Zürich vorgesehen, wobei die Kinder durchaus auch den christlichen Religionsunterricht besuchen dürfen.

Der Aargauer Jannis Zinniker erzählte abschliessend von seinen positiven Erfahrungen in den Begegnungen mit Aleviten, die vom Mystiker Hadschi Bektasch Wali im 13.Jahrhundert wesentliche Kernsätze erfahren hatten wie «Das wichtigste Buch ist der Mensch». Oder: «Der Verstand sitzt im Kopf, nicht in der Krone». «Ermögliche den Frauen eine gute Bildung» – eine Empfehlung aus dem 13.Jahrhundert! Und: «Was du suchst, findest du in dir selbst.»

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