Schinznach
Die 400-jährigen Trockensteinmauern sind saniert

700 Quadratmeter Mauer wurden saniert oder neu aufgebaut, 640 Tonnen neue Kalk-Steine wurden integriert und 13’850 Stunden wurden durch Zivildienstleistende aufgewendet. Jetzt sind die Trockensteinmauern beim Schloss Kasteln fit für die Zukunft.

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Die Bruchsteinmauern um das Schloss Kasteln sind das grösste Ensemble von Trockensteinmauern in der Deutschschweiz.

Die Bruchsteinmauern um das Schloss Kasteln sind das grösste Ensemble von Trockensteinmauern in der Deutschschweiz.

zvg / Jurapark Aargau

Am Tag der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels wurde beim Schloss Kasteln in Schinznach ein etwas anderes und anders dimensioniertes, aber lokal bedeutendes Bauwerk gefeiert. Rund 25 Personen von Bund, Kanton und der breit abgestützten Arbeitsgruppe wiesen anlässlich der Fertigstellung der Arbeiten auf den grossen kulturhistorischen und ökologischen Wert der Trockenmauern im Rebberg hin.

Die Bruchsteinmauern um das Schloss Kasteln bilden das grösste Ensemble von Trockensteinmauern in der gesamten Deutschschweiz. Die teilweise mehrere Meter hohen Mauern wurden vor rund 400 Jahren erbaut. Ursprünglich angelegt, um die steilen Hänge für den Weinbau zu terrassieren, speichern sie zudem die Sonnenwärme, was dem Weinbau ebenfalls zuträglich ist.

Die Mauern drohten einzustürzen

Geraume Zeit drohten die Bruchsteinmauern einzustürzen, da die Steine der Bruchsteinmauern verwitterten und der Hangdruck über die Jahrhunderte Wirkung zeigt und die Bruchsteinmauern wegdrückte. Dadurch drohte ein wertvoller Lebensraum für Pflanzen und Tiere verloren zu gehen. So leben hier etwa Ringelnattern, die sich in der traditionellen Kulturlandschaft wohl fühlen – im Talgrund finden sie nämlich einen Bach und im Rebberg einen «gedeckten Tisch» mit zahlreichen Mauereidechsen, Amphibien und Kleinsäugern vor. Die Bruchsteinmauern sind aber auch ein bedeutendes, kulturhistorisches Erbe. Mit dem Schloss Kasteln, dem prächtigsten Bauwerk des Barocks im Aargau, bilden sie ein ästhetisches Ensemble.

Vier Grundeigentümer involviert

Mit der finanziellen Unterstützung im Rahmen der Jubiläums-Schoggitaler-Aktion, die der «Förderverein Werkstatt Schenkenbergertal» durchführte, konnte 1996 die erste Etappe zum Erhalt der Bruchsteinmauern gestartet werden. Seit 2010 bis 2015 wurde mittels eines Bundesprojekts mit Unterstützung des Fonds Landschaft Schweiz, des Kantons Aargau, des Juraparks Aargau, von Rebbauern, der Gemeinde Schinznach und von Pro Natura Aargau die benötigten Finanzen generiert, um fast 700 Quadratmeter Trockensteinmauern neu aufzubauen respektive zu sanieren.

Es waren Bruchsteinmauern auf Parzellen von vier verschiedenen Grundeigentümern. Die Profis von creaNatira haben die Bruchsteinmauern mithilfe von Zivildienstleistenden wieder aufgebaut. Sie haben bei Hitze, Regen und Schnee unermüdlich gearbeitet. Damit haben junge Leute ein altes Handwerk ausgeübt und die Bruchsteinmauern für die nächsten Jahrhunderte wieder fit gemacht.

Teamwork als Schlüssel

Nicht nur beim Mauerbau, sondern auch bei der Planung und Projektbegleitung war Teamwork gefragt. Die Arbeitsgruppe bestand aus Vertretungen der Gemeinde Schinznach, Rebbauern, dem Jurapark Aargau, dem Schulheim Schloss Kasteln und Pro Natura Aargau. Peter Zimmermann, Vizeammann der Gemeinde Schinznach, sagte: «Wir sind stolz auf das Werk. Die Gemeinde Schinznach hat damit wohl einen der schönsten Dorfeingänge der Schweiz.» Und Christine Neff, Geschäftsleiterin Jurapark Aargau, ergänzte: «Aufgrund der Vernetzung von Ökonomie, Ökologie und dem Zusammenwirken diverser Akteure ist das Kulturgut ein Vorzeigeprojekt für einen regionalen Naturpark.»

Die Zahlen zum Projekt: 700 Quadratmeter Mauer wurden saniert oder neu aufgebaut, 640 Tonnen neue Kalk-Steine wurden integriert und 13’850 Stunden wurden durch Zivildienstleistende aufgewendet. (az)

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