Brugg

Deutsches Gitarristen-Duo fordert Schweizer Publikum heraus

Überzeugten: Werner Acker (links) und Ignaz Netzer. (Bild: hcw)

Überzeugten: Werner Acker (links) und Ignaz Netzer. (Bild: hcw)

Vor einem kleinen Publikum startete am Freitag im Salzhaus die 2020er-Auflage der Reihe «Jazz im Salzhaus». Die Gitarristen Werner Acker und Ignaz Netzer präsentierten sich als ungleiches, aber harmonisches Duo.

«Good evening Brugg, how are you», begrüsst Ignaz Netzer das Publikum. Das sass am Abend den Musikern an Tischen gegenüber, überschaubar in der Zahl, vielleicht 30 bis 40 Personen, meist schon fortgeschrittenen Alters. Der Deutsche Netzer ist kein Unbekannter in der Szene und schon zum zweiten Mal in Brugg mit von der Partie.

Mit Werner Acker aber, einem ebenfalls aus Deutschland stammenden Hochschuldozenten für Jazzgitarre, trat er zum ersten Mal im Salzhaus auf. Auch Acker selbst ist den Jazzfreunden aus Brugg und Umgebung noch unbekannt. Werner Acker und Ignaz Netzer: Asket trifft auf Bonvivant, Filigranität auf Erdigkeit, Technik auf Leidenschaft – so mochten die Zuschauer das Zusammenspiel der beiden erlebt haben. Sie begegneten einem ­Ignaz Netzer, der nahe sein mochte und vieles von sich preisgab: Dass er mit mehreren Katzen zusammenlebt und die Songs mitunter auch in Koproduktion mit denen entstehen.

Dabei verblüffte er die Zuhörer auch schon mal ganz unschweizerisch und direkt. Fand: Da ist zu wenig Blues in der Luft: «In den USA würden die Leute nicht so still auf ihren Stühlen sitzen wie ihr.» Das wirkte. Mit Fingerschnipsen, Klatschen und Mitsingen bewies ihm das Brugger Auditorium: Wir können auch aus uns rausgehen.

Netzer und Acker intonierten Klassiker wie «Summertime» aus der Gershwin-Oper «Porgy and Bess» oder «Me and Bobby McGee», durch Janis Joplin populär geworden. Sie präsentierten die Songs aber so neu arrangiert, dass sie nicht sogleich ins Ohr stachen.

Das sorgte selbst bei den alten Hasen im Publikum, die sich keine Saison von «Jazz im Salzhaus Brugg» entgehen lassen, für Überraschungen. Rolf und Ilse Witten aus Obersiggenthal gehören dazu. Sie sagen: «Wir kommen sicher schon seit sechs bis sieben Jahren zu jedem Konzert.» Beide sind begeistert: «Das Riesenspektrum an Musikern reizt uns sehr, ebenso die Nähe zu den Stars und die besondere Atmosphäre im Salzhaus.»

Die Reihe geht inzwischen ins 21. Jahr und der Auftritt von Werner Acker und Ignaz Netzer bildet das 105. Konzert, berichten Martin Nüesch und Daniel Kirchhofer, Vertreter der Jazzgruppe im Verein Salzhaus. «Mit 21 Jahren sind wir halbwegs erwachsen geworden, aber zeigen uns immer noch mit pubertärem Übermut», sagt Nüesch zum Publikum in seiner Begrüssung. Das ist nach rund zwei Stunden Konzert inzwischen so warmgelaufen, dass es die beiden Musiker nicht gleich entlassen möchte, sondern erst nach mehreren Zugaben.

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