Der überparteiliche Verein «region brugg jetzt» zeigt sich enttäuscht: Die im Projekt «Ostaargauer Strassenentwicklung» – kurz «Oase» – vorgeschlagenen Umfahrungslösungen in Brugg-Windisch seien untauglich. Grosser Nachholbedarf bestehe beim öffentlichen Verkehr und beim Langsamverkehr. Der Verein ruft dazu auf, in der laufenden Vernehmlassung dezidiert gegen das Vorhaben Stellung zu nehmen.

Ins Leben gerufen wurde «region brugg jetzt» im Jahr 2003. Der Verein möchte die Bevölkerung über Sachthemen informieren, Impulse geben und politische Diskussionen anregen. Ihm gehören an: Christoph Mühlhäuser, Präsident, Hausen; Eva Knecht, Windisch; Markus Bitterli, Windisch; Heini Kalt, Brugg; Jürg Baur, Brugg; Raffele Patrone, Habsburg; Markus Zumsteg, Windisch.

Den zur Weiterbearbeitung vorgeschlagenen «Oase»-Varianten Nordumfahrung Windisch sowie Südostumfahrung Windisch kann der Verein nicht viel Positives abgewinnen, wie er in einer Medienmitteilung zum Ausdruck bringt. Die beiden Lösungen enthalten eine neue Aarebrücke im Bereich des Auengebiets im Brugger Schachen und durchschneiden nach Ansicht von «region brugg jetzt» das Siedlungsgebiet. «Die Nordumfahrung Windisch verstärkt die bereits bestehende Trennung des Regionalzentrums von Brugg-Windisch durch die Bahnlinie zusätzlich», führt der Verein aus. «Dass die vom Campus zu den Kabelwerken verlaufende Lebensader Industriestrasse auch nur teilweise nicht mehr benutzbar sein soll, weil die Umfahrung deren Trassee beansprucht, ist unvorstellbar.»

In Langsamverkehr investieren

Aber auch die nicht zur Weiterbearbeitung empfohlenen Vorschläge seien wenig tauglich, fährt der Verein fort. Von den fünf studierten Linienführungen vermöge einzig die Variante Südostumfahrung Brugg-Windisch mit neuer Reussunterquerung «ihren Zweck einigermassen zu erfüllen». Sie sei mit ihrem langen Tunnel – von der Limmat bis zirka zum Knoten Baschnagel in Windisch – allerdings sehr teuer.

«Angesichts dessen sind massive Investitionen in den Bereichen öffentlicher Verkehr und Langsamverkehr vorzuziehen», hebt der Verein hervor. «Beim öffentlichen Verkehr funktioniert der Umsteigeknoten Brugg heute zu wenig gut, weil die Busse und die Züge zu oft verspätet sind.» Deshalb seien endlich Pförtneranlagen «und weitere Busbevorzugungsmassnahmen» umzusetzen. Auch Busspuren, neue Linienführungen oder neue Verbindungen müssten ein Thema sein.

Entlasten, nicht durchschneiden

«Wir fordern verbindliche Absichtserklärungen für Massnahmen beim Langsamverkehr», fährt der Verein fort. Umzusetzen sei in der ganzen Region ein durchgehendes Netz von schnellen, möglichst unterbruchsfreien und sicheren Direktverbindungen für Velos, um Bahnhöfe, Campus, Einkaufszentren, Arbeitsplatzzentren, Schulhäuser und weitere öffentliche Anlagen zu verbinden. An kritischen Knotenpunkten seien den Velofahrern vortrittsberechtigte separate Spuren zur Verfügung zu stellen.

«Auch dem Fussgängerverkehr ist die gebührende Beachtung zu schenken», fügt der Verein «region brugg jetzt» an. Die beiden Bahnunterführungen – das sogenannte «Mausloch» sowie die Personenunterführung Mitte – seien deshalb auszubauen beziehungsweise zu verbessern. «Der Fussverkehr verdient insbesondere an zentralen Lagen sichere, möglichst direkte, zusammenhängende und oberirdische Verbindungen.» Dass Autos hin- und wieder anhalten müssen wie an der Zürcherstrasse in Windisch beim Übergang Campus/Königsfelden, sei in Kauf zu nehmen.

Kurz: Im Strassenbereich seien weitere – eher kleinräumigere – bauliche Massnahmen unausweichlich, stellt der Verein mit Blick auf den «Oase»-Planungshorizont 2040 fest. Diese Massnahmen müssten allerdings wie die bereits beschlossene Brugger Südwestumfahrung das Siedlungsgebiet entlasten und nicht durchschneiden und den Erholungs- und Naturraum Brugger Schachen schonen.