Veltheim

Der Wirt ist Stahlbauer: «Bären» steht nach 6 Monaten wieder offen

Sie freuen sich auf die nächste Etappe in der Dorfbeiz: Wirt Michael Glasow (hinten links) mit Lebensgefährtin Sandra Zuber sowie Präsident Siegfried Ulrich (hinten) und Vizepräsident Alfred Schaffner von der Genossenschaft Bären.

Sie freuen sich auf die nächste Etappe in der Dorfbeiz: Wirt Michael Glasow (hinten links) mit Lebensgefährtin Sandra Zuber sowie Präsident Siegfried Ulrich (hinten) und Vizepräsident Alfred Schaffner von der Genossenschaft Bären.

Was als Widerstand gegen eine Asylunterkunft begann, trägt erneut Früchte.

Die Gastro-Szene ist im Umbruch: Im Schenkenbergertal stehen gleich mehrere Restaurants zum Verkauf. Nicht so das Gasthaus Bären in Veltheim. In der markanten Liegenschaft mitten im Dorf hat nun ein neuer Pächter das Zepter übernommen. Michael Glasow wohnt in Mönthal und ist ein Quereinsteiger. Ein Restaurant hat der Stahlbauer noch nie geführt.

Unterstützt wird der neue Wirt unter anderem von seiner Lebensgefährtin Sandra Zuber in Sachen Finanzen und Buchhaltung sowie vom portugiesischen Koch Carlos Barradas de Ascenção, der auf September vom Restaurant Grotto in Brugg nach Veltheim wechseln wird.
Dass es im Dorfkern überhaupt noch ein Restaurant gibt, haben die Gäste der Genossenschaft Bären zu verdanken.

Diese wurde mit 100 Mitgliedern im Februar 1999 gegründet als starke Widerstandsbewegung gegen die Absichten des Kantons, im «Bären» ein Durchgangszentrum für maximal 40 Asylbewerber zu realisieren. Initiiert wurde die Aktion von Werner Däster und Engelbert Konecek. So wurde der Weg frei, den damals verwaisten «Bären» mit Eigenmitteln und einer Bankhypothek von der Waadt-Versicherung zu kaufen.

Auch die Ortsbürgergemeinde Veltheim zeichnete ein grösseres Darlehen. In den Gründungsstatuten wurde festgehalten, dass die Genossenschaft bezweckt, den Betrieb des Gasthofs zum Bären zu gewährleisten.

Bekannter Hippie-Treffpunkt

Rückblick: Im 17. und 18. Jahrhundert war der «Bären» eine gutgehende Taverne mit Pferdewechselstelle auf der Hauptachse zwischen Bern und Zürich. Der Eigentümer wechselte bis zum Konkurs 1996 mehrmals. Von 1981 bis 1988 wurde der «Bären» als alternative Genossenschaft geführt und war ein bekannter Hippie-Treffpunkt.

Die Waadt-Versicherungsgesellschaft kaufte dann die Liegenschaft 1996 an der Versteigerung.
Der zweiten – 1999 gegründeten – Genossenschaft ist es gelungen, den «Bären» bis heute als einziges Restaurant im Dorf am Leben zu erhalten. Die fünf Wohnungen über dem Restaurant sind vermietet.

Anfang Jahr hat das langjährige Wirtepaar den Pachtvertrag gekündigt. Die Suche nach einer geeigneten Nachfolge gestaltete sich nicht ganz einfach. Eine Pizzeria oder eine Kebab-Bude waren keine Option.

«Grosse Bedeutung fürs Dorf»

«Uns war es wichtig, wieder einen Wirt zu finden, bei dem auch die Vereine willkommen sind und der gutbürgerliche Gerichte im Angebot hat», sagt Alfred Schaffner, Vizepräsident der Genossenschaft. Ab und zu werde es auch portugiesische oder italienische Gerichte geben. Die Freude über die Wiedereröffnung – nach sechs Monaten Pause – ist bei allen Beteiligten gross. «Das Gasthaus hat für das Dorf eine grosse Bedeutung und soll erneut ein Treffpunkt für Vereine und Behörden werden.

Auch der Pensioniertenstamm am Donnerstagmorgen kann fortgesetzt werden», betont Schaffner. Mit anderen Worten: Wer als Vereinsmitglied gut bedient wird, kommt vielleicht auch mal mit der Familie zum Essen vorbei. Präsident Siegfried Ulrich ergänzt: «Wir wollen ein gutes Restaurant für die ganze Bevölkerung, wo man bequem ohne Auto hinkommt.»

Insgesamt 122 Plätze stehen in der Gartenbeiz, im Restaurant und im Säli zur Verfügung. In den letzten Wochen legte der neue Pächter selbst fleissig Hand an, um das Restaurant auf Vordermann zu bringen und für ein gemütliches Ambiente zu sorgen. So wurden etwa im Säli die Lüftung ersetzt, die Wände neu gestrichen und ein grosser Flachbildschirm aufgehängt. Pächter und Genossenschaftsvorstand rühmen die gute Zusammenarbeit.

Präsident Ulrich ist überzeugt, dass es für eine Genossenschaft nach wie vor zeitgemäss ist, als Hauptzweck ein Restaurant zu führen, auch wenn es im Aargau nicht mehr viele Beispiele dafür gibt. «Der Betrieb geniesst so eine breite Abstützung. Die Leute müssen lernen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, damit eine Dorfbeiz überleben kann», lautet sein Fazit. So gesehen habe der damalige Widerstand gegen das Durchgangszentrum zu einem Gewinn für die Dorfbevölkerung geführt.

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