Während dreier Jahre wirtete der umtriebige Ueli Eichenberger (68) mit seiner Lebenspartnerin Claudia in der Sennhütte; idyllisch oberhalb Effingen gelegen. An diesem Wochenende wurde mit den Stammgästen gross Abschied gefeiert, mit Musik und einer Portion Paella mit Poulet. «Die Paella wird von jemand anderem gekocht, damit die Gäste etwas von mir haben», so Eichenberger.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlässt der Bäcker-Konditor, der einst das «Café Altstadt» in Brugg betrieb, nun die Sennhütte. Seiner Pâtisserie wegen, aber auch für sein Fondue marschierten viele Gäste via Bözberg und Homberg in rund 40 Minuten zu ihm rauf. Oder sie nahmen den kürzeren, steileren Weg von zehn Minuten via Mönthal und Ampfernhöhe unter die Füsse.

Er wandert doch nicht aus

Noch im Februar präsentierte Ueli Eichenberger seine Auswanderungspläne mit Partnerin Claudia und deren Tochter Gabriela nach Spanien, um dort eine Bar zu eröffnen. Jetzt ist alles anders: Ueli Eichenberger bleibt der Region und der Branche erhalten. Wieso der Sinneswandel? «Die Herausforderung lag in der Luft», erklärt er. Wo er genau wirken wird, sagt er noch nicht; erst wenn alles unter Dach und Fach ist. Er sei halt einer, der die Herausforderung brauche, sagt er. «Ich habe die Sennhütte zum Höhepunkt gebracht, jetzt brauche ich wieder etwas anderes.»

Ueli Eichenberger schwärmt vom Stammtisch, an dem sich manch interessante Gespräche ergeben hätten: «Die kamen auch immer im Winter rauf, ob es nun schneite oder regnete.» Wandergruppen kehrten in der Sennhütte ein, im Sommer wurde grilliert. Ob mit oder ohne Musikunterhaltung, die Gäste zog es zu ihrem Treffpunkt: «Man kommt hierher, um jemanden zu treffen. Solche Beizli gibt es sonst kaum mehr», sagt ein Biker. Zwei Wanderern gefällt die ungezwungene Atmosphäre. «Im Beizli lernt man sich automatisch kennen, wenn man so nah beisammen sitzt.»

Wieder eine «Besenbeiz»

Die Sennhütten, zu der auch eine Herberge gehört, sind seit 2001 im Besitz der Kunstschaffenden Eva und Pesche Panero. Schon damals seien sie am Wochenende von Gästen überrannt worden. Bislang hätten sich für Eichenbergers Nachfolge drei bis vier Interessenten gemeldet. Im April bleibt das Beizli geschlossen. Den Paneros ist es ein Anliegen, es «back to the roots» zu führen. Das heisst: Das Sennhütte-Beizli hat freitags, samstags und sonntags geöffnet. Wandergruppen und Gesellschaften werden nach Anmeldung auch unter der Woche bewirtet.

In Zukunft möchte das Besitzerpaar vermehrt auf regionale Produkte setzen und den Menschen in Erinnerung rufen, dass die Sennhütten ohne Autos am schönsten sind. «Wir suchen Leute, die gern miteinander arbeiten, die Besenbeiz aber als Nebenverdienst anschauen. Die Menschen kommen wegen der Ruhe hierher», meint Eva Panero. Trotzdem soll nicht der Eindruck entstehen, sie wären mit dem jetzigen Pächter unzufrieden, im Gegenteil: «Wir waren schaurig froh, dass Ueli das gemacht hat.»

«Stübli-Treffen» für Leute, die sich für die Nachfolge von Ueli Eichenberger interessieren: Sonntag, 23. April, 15 bis 18 Uhr auf der Sennhütte in der Herberge. Weitere Interessierte können sich unter info@sennhuette.ch melden.