«Der Weihnachtsmarkt wird immer grösser», meinte jemand auf dem Neumarktplatz, auf dem sich zur Freude der Kinder zwischen den schmucken, oft liebevoll auf Winter getrimmten Verkaufshäuschen ein Karussell drehte. Da schien tatsächlich etwas dran zu sein. Vom Neumarkt bis zur Altstadt reihten sich die Häuschen und Stände aneinander. Der Markt reichte jedenfalls bis in den obersten Teil der Altstadt. Der Weihnachtsmarkt schaffte offensichtlich, wovon Planer und Geschäftsleute schon lange träumen: die Verbindung von Alt- und «Neustadt». Vor dem Stadthaus meinte eine junge, auswärtige Besucherin, die sich an einem Tee aufwärmte, nachdem sie sich vom Neumarkt her sozusagen durch den Weihnachtsmarkt vorgearbeitet hatte: «Mich hat überrascht, dass es an diesem Markt immer wieder weiter geht. Ich hatte mir das nicht so gross vorgestellt.»

Gestricktes und Bestrickendes

Grösse allein machts aber nicht aus. Der Brugger Weihnachtsmarkt, hinter dem die Gewerbevereinigung Zentrum steht, wird stets vielfältiger und schöner. Das Angebot konnte sich sehen lassen. Neben Nützlichem und Praktischem – vom dicken Norwegerpulli bis zur schützenden Kappe – gab es vor allem viel Kunsthandwerkliches zu sehen und zu kaufen. Sei das nun gediegener, in liebevoller Handarbeit angefertigter Modeschmuck oder seien es Gegenstände für die weihnächtliche Dekoration. «Es gibt Gestricktes und Bestrickendes», stellte ein Besucher angesichts der bunten Vielfalt treffend fest. Gut vertreten waren natürlich auch einheimische Spezialitäten, wie etwa Konfitüren und Sirupe.

Während die Bläser der Heilsarmee und die Drehörgeler mit ihren nostalgischen Klängen die Seelen der Besucherinnen und Besucher ansprachen, war selbstverständlich auch für leibliche Bedürfnisse gesorgt. Und zwar weit über den obligaten Glühwein und die Bratwurst hinaus. Ein lieber alter Bekannter geriet über das Zebu-Mostbröckli aus der Innerschweiz geradezu ins Schwärmen. Oder war das jetzt der Hexentrunk, der am selben Stand ausgeschenkt wurde, der es ihm derart angetan hatte? Nun. Bei den Pfadfindern konnte man am offenen Feuer Schlangenbrot backen. Und die Männerturner warteten mit feinen Käseschnitten auf. Aber auch Entdeckungen waren zu machen: Es gibt jetzt offenbar ein Brugger Stadtbier.

Sterne im Stadtpark

Einen besonderen Akzent in den Stadtgarten setzte das Team der katholischen Pfarrei Brugg mit der Beteiligung an der Aktion «Eine Million Sterne» der Caritas. Und vor der Eisihalle lockten die Förster zu einer Aufwärmpause ans offene Feuer und machten gleichzeitig auf ihre Petition «Für Euse Wald» aufmerksam.

Den ganz besonderen Zauber der vorweihnachtlichen Atmosphäre entfaltete der Weihnachtsmarkt mit seinen vielen Lichtern und dem grossen Weihnachtsbaum auf dem Neumarktplatz beim Hereinbrechen der Dämmerung. Der Markt, so viel steht fest, bot zweifellos eine gute Gelegenheit zum Einkauf von Weihnachtsgeschenken sozusagen in zweitletzter Minute. Er bot aber ebenso viele Gelegenheiten für Begegnungen und für einen kurzen Moment des Innehaltens – natürlich bei einem Glühwein.