Brugg
Der Weg zum Behinderten-WC war versperrt – das ärgert Erich Mösch noch immer

Am Brugger Weihnachtsmarkt blockierten zwei Marktstände den Zugang zum WC beim Eisi-Parkhaus.

Linus Signer
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Erich Mösch vor dem Eingang zum Eisi-Parkhaus, wo sich auch das Behinderten-WC befindet.

Erich Mösch vor dem Eingang zum Eisi-Parkhaus, wo sich auch das Behinderten-WC befindet.

Linus Signer

Nach Brugg strömen alljährlich zahlreiche Marktfahrer und -besucher zum Weihnachtsmarkt Mitte Dezember. Bei der letzten Durchführung sorgte der Markt nicht nur für frohe Vorfeiertagsstimmung, sondern auch für Ärger.

Eine Situation beim Eingang zum Behinderten-WC beim Eisi-Parkhaus sorgte bei Rollstuhlfahrer Erich Mösch für hitziges Gemüt. Zwei Marktstände versperrten den Zugang zum Parkhaus, in dem das einzige öffentliche Behinderten-WC liegt. Für Rollstuhlfahrer und in der Mobilität eingeschränkte Menschen war zwischen der Säule und den Ständen schlicht nicht genügend Platz für den Durchgang vorhanden.

«Spontan reisen ist nicht möglich»

Erich Mösch, wohnhaft in Windisch, ist durch eine Erkrankung an den Rollstuhl gebunden. Ein Aufenthalt in der Öffentlichkeit ist daher immer mit einer gewissen Vorsicht verbunden. «Spontan reisen ist nicht mehr möglich», sagt Mösch. Aus diesem Grund klärt er bei Ausflügen in neue Umgebungen stets ab, wie beschränkt seine Mobilität vor Ort ist.

Beispielsweise ist es für ihn wichtig, zu wissen, ob die sanitären Anlagen in der Nähe für ihn befahrbar sind. Am vergangenen Weihnachtsmarkt merkte er, wie der Ausflug nach Brugg nicht ganz so unkompliziert wird, wie üblich. «Der Samstag ist der Wochentag, an dem ich mich in der Regel in Brugg mit Freunden treffe, um ‹eis go zieh›.»

Einen Monat nach dem Weihnachtsmarkt ist der Rollstuhlfahrer immer noch verärgert. Er erzählt, wie er an diesem Samstag auf ein Getränk verzichten und sein Sandwich trocken hinunterwürgen musste. Ein Toilettengang stand für ihn aufgrund des versperrten Eingangs ausser Frage. Am Weihnachtsmarkt wies er den Marktchef der Regionalpolizei (Repol) Brugg auf die Situation hin.

Die Regionalpolizei ist an den Märkten in Brugg für die Platzzuweisung zuständig. Gemäss Mösch ging der Marktchef erst auf das Anliegen ein, als der Rollstuhlfahrer den Polizisten nach dem Namen fragte. Insbesondere sei bis am Nachmittag, als Mösch ein zweites Mal den Weihnachtsmarkt besuchte, die Situation nach wie vor unverändert gewesen. Das Verhalten des Polizisten empfand er als unfreundlich.

Der 64-Jährige entschied, sich nach dem Weihnachtsmarkt bei der Repol und dem Werkhof per E-Mail zu erkundigen. Seitens der Repol erhielt er eine Antwort des Marktchefs. Dieser wies auf die zwei anderen Zugänge zum Eisi-Parkhaus und damit zum Behinderten-WC hin. Zudem könne die Autorampe ebenfalls als Eingang genutzt werden.

Der Marktchef ergänzte, dass Mösch von der Regionalpolizei und den Marktfahrern Hilfe angeboten erhielt, er habe diese aber ausgeschlagen. Der 64-jährige Rollstuhlfahrer erwiderte auf diese Aussage: «Im Zentrum der Problematik stand nicht meine eigene aktuelle Situation, sondern die von beeinträchtigten Marktbesuchern, die die Gegend nicht kannten.»

Die Regionalpolizei bedauert den Vorfall

Auf Anfrage teilt Andreas Lüscher, Chef der Regionalpolizei (Repol) Brugg, mit: «Wir bedauern, dass der Zugang zum Lift/WC im Eisi durch Marktstände zugestellt war und haben für die Einwände von Herr Mösch Verständnis.» Die Repol entschuldige sich, dass die Behebung des Missstands nebst den anderen Markttätigkeiten im Verlauf des Markttags «vergessen ging». Für die Zukunft werde die Regionalpolizei ein besonderes Augenmerk darauf legen und «selbstverständlich bestrebt sein, dass der Zugang frei bleibt».

Als Vergleich zur ungünstigen Situation am Markt nennt Erich Mösch das vergangene Brugger Stadtfest. Dort wurde eine ähnliche Problematik innert kürzester Zeit behoben. Am Fest versperrten Bauten den Zugang zum Eisi-Parkhaus und dem Behinderten-WC, eine Rampe für Rollstuhlfahrer wurde als Lösung aufgestellt.

Des Weiteren hat Mösch die Idee, die Stadt Brugg könnte mit einem Behindertenrat, analog zum bereits existierenden Seniorenrat, künftig solchen Themen Abhilfe schaffen und so eine Brücke schlagen zwischen Verwaltung und Betroffenen.