Brugg
Der Verkauf des ehemaligen Restaurants «Freihof» gestaltet sich schwierig

Ein Grossteil der Vorstadt hat sich herausgeputzt – trotz Interessenten ist Zukunft einiger Liegenschaften unklar. Darunter das Haus des ehemaligen Restaurants «Freihof».

Claudia Meier
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Die Genossenschaft Altstadt bekundete Interesse am ehemaligen Restaurant «Freihof» (Mitte). Die Eigentümer sehen darin auch eine mögliche Verstärkung fürs Zimmermannhaus (rechts) der Stadt Brugg. Die Bibliothek platzt dort aus alle

Die Genossenschaft Altstadt bekundete Interesse am ehemaligen Restaurant «Freihof» (Mitte). Die Eigentümer sehen darin auch eine mögliche Verstärkung fürs Zimmermannhaus (rechts) der Stadt Brugg. Die Bibliothek platzt dort aus alle

Claudia Meier

Es ist kurz nach Mittag. Zwei Männer drücken ihre Nasen an die Fensterscheibe des ehemaligen Restaurants «Freihof» in der Brugger Vorstadt, um einen Blick vom Gebäudeinnern zu erhaschen. Dann steigen sie in ein weisses Auto mit Zürcher Kontrollschild und verschwinden.
Das Wohn- und Geschäftshaus aus dem Jahre 1949 steht bereits seit über einem Jahr zum Verkauf. Gleich an drei Vorstadt-Liegenschaften hing vor einem Jahr eine Werbe-Blache eines Immobilienanbieters. Es herrschte Ausverkaufsstimmung. Auf der anderen Seite hat sich das vom Verkehr stark belastete Quartier vor den Toren der Brugger Altstadt in den letzten Jahren ziemlich herausgeputzt.
Die Fassaden der Häuser an der Aare wurden ab Sommer 2014 auf Vordermann gebracht; die Farben der Altstadt angepasst. Auch das Zimmermannhaus der Stadt Brugg, das an den «Freihof» angebaut ist, erhielt in einer ersten Sanierungsetappe eine hellere Fassade und neue Fenster sowie Gebäudebeschriftungen und Aussenbeleuchtung.

Der Standort der darin beheimateten Stadtbibliothek gibt bei Politikern und Kunden regelmässig Anlass zu Diskussionen. Dazu kommt, dass die Platzverhältnisse für die Bibliothek im Zimmermannhaus sehr eng sind. Viele Brugger wünschen sich deshalb einen zentraleren Standort für ihre Bibliothek – beispielsweise in der Altstadt.

Blachen am Haus plötzlich weg

Im «Rössli» an der Hauptstrasse 19 wollte die Genossenschaft Altstadt unter anderem die Option Bibliothek prüfen und mit Unterstützung der Stadt Brugg eine Nutzungsstudie erstellen lassen. Die erst 2012 gegründete Genossenschaft Altstadt Brugg beabsichtigt, gezielt geeignete Liegenschaften zu erwerben und Wohn- und Gewerberäume für Nutzergruppen anzubieten, die zu einem vielseitigen und vitalen Altstadtgefüge beitragen.

Doch aus dem Kauf der «Rössli»-Liegenschaft wurde nichts. Die BruggInvest AG war schneller und kaufte das ehemalige Warenhaus im letzten Sommer, um den Wohnungsanteil zulasten der kommerziellen Nutzung zu erhöhen.

Zurück in die Vorstadt: Die Verkaufsblachen an den drei Liegenschaften verschwanden im Laufe des letzten Jahres. Das Eckhaus neben der Lichtsignalanlage wurde verkauft und hat inzwischen auch einen neuen Anstrich. Die beiden anderen Liegenschaften – der «Freihof» und das etwas zurückversetzte weisse kleine Häuschen – wurden von mehreren potenziellen Käufern unter die Lupe genommen.
Auch die Genossenschaft Altstadt zeigte Interesse.
Mitte Januar dieses Jahres sagte Stadtammann Daniel Moser, dass die Behörde mit der Genossenschaft Altstadt unter anderem wegen Liegenschaften in der Vorstadt in Kontakt stehe.
Offenbar kam es aber bisher nicht zu einer Einigung. Denn der «Freihof» mit Restaurant, Bar, drei 4-Zimmer-Wohnungen und Nebengebäude ist im jüngsten Remax-Magazin für 1,3 Mio. Franken wieder zum Verkauf ausgeschrieben. Max Kuhn, Präsident der Genossenschaft Altstadt Brugg, will sich zu allfälligen Vorhaben in der Vorstadt oder zum Stand der Verhandlungen nicht äussern. Ebenfalls nicht klar ist, ob die Genossenschaft Altstadt bei ihren Bemühungen von der Stadt Brugg unterstützt wird.

Stadt begrüsst «Bewegung»

Stadtammann Daniel Moser gibt sich bedeckt und sagt: «Aus Sicht der Stadt sind wir froh, dass Bewegung in die Angelegenheit Vorstadt kommt.» Dazu trage auch die Stadt ihren Teil bei. Allerdings sei die Behörde im Prozess noch nicht so weit, dass es da schon Grosses oder Definitives zu berichten gäbe.
Willy Rogger von der «Freihof»-Eigentümerschaft sagt zur Zukunft der Liegenschaft: «Ideal wäre, wenn eine Genossenschaft das Haus kaufen würde. Allenfalls wäre es auch als Verstärkung fürs benachbarte Zimmermannhaus geeignet.» Das Ganze scheint aber zu stocken. Rogger glaubt deshalb nicht mehr daran, dass sich noch eine Genossenschaft meldet.
Drei Tage nach dem eingangs erwähnten Augenschein durch die beiden Männer machte ein anderes Auto mit Zürcher Kontrollschild in der Vorstadt Halt. Im Fokus der Fotolinse standen dieses Mal die alten Liegenschaften beim «Freihof».

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