Brugg/Kleindöttingen
Der Umsatz ging 2015 zurück – doch die Gruppe Brugg trotzt mit Innovationskraft

Die Krise in Energiemärkten sowie die Frankenstärke schlagen auf den Umsatz und die Marge. Im Geschäftsjahr 2015 hat das Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von 590 Mio. Franken das Vorjahresresultat von knapp 651 Mio. Franken verfehlt.

Michael Hunziker
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Sie blicken – hier am Standort Kleindöttingen – trotz schwierigen Rahmenbedingungen positiv in die Zukunft (von links): Urs Schnell, CEO Gruppe Brugg; Urs Bollhalder, CEO Brugg Pipesystems; Michael Sarbach, Geschäftsführer Brugg Rohrsystem AG; Otto H. Suhner, Verwaltungsratspräsident. mhu

Sie blicken – hier am Standort Kleindöttingen – trotz schwierigen Rahmenbedingungen positiv in die Zukunft (von links): Urs Schnell, CEO Gruppe Brugg; Urs Bollhalder, CEO Brugg Pipesystems; Michael Sarbach, Geschäftsführer Brugg Rohrsystem AG; Otto H. Suhner, Verwaltungsratspräsident. mhu

Aargauer Zeitung

Tiefe Energiepreise und Frankenstärke: Der Gruppe Brugg mit ihren exportorientierten Schweizer Standorten weht ein rauer Wind entgegen. Die Rahmenbedingungen seien ausserdordentlich schwierig und hätten im Geschäftsjahr 2015 deutlich ihre Spuren hinterlassen, sagten denn auch übereinstimmend Verwaltungsratspräsident Otto H. Suhner sowie CEO Urs Schnell an der Bilanzmedieninformation gestern Donnerstag. Sowohl die Entwicklung beim Umsatz als auch beim Cashflow sei nicht dort, «wo wir sie gerne hätten».

Schönreden mochte der Verwaltungsratspräsident die Zukunftsaussichten nicht. «Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Es stehen uns harte Zeiten bevor.» Trotzdem: Das Unternehmen halte am Produktionsstandort Schweiz fest und stelle sich den Herausforderungen. Gefragt ist, so Suhner, das Engagement eines jeden einzelnen Mitarbeitenden. «Es braucht alle.» Ihr Beitrag, ihre Entschlossenheit seien entscheidend. Nicht Wachstum um jeden Preis stehe im Vordergrund, fuhr Suhner fort, sondern Profitabilität und Innovation. In der industriellen Produktion gesetzt werde auf Effizienzprogramme und Investitionen in die Anlagen, um dem hohen Wettbewerbsdruck standhalten zu können.

Sprung bei Digitalisierung

Apropos Innovationen: Solche habe die Gruppe einige am Start, «die positiv stimmen und gute Wachstumschancen versprechen», sagte CEO Schnell. Als Stichworte erwähnte er – um nur einige zu nennen – die flexiblen Kabel- und Verbindungssysteme, die Seilbahn-Seile der neusten Generation, die Sicherheitsnetze für Formel-E- und Formel-1-Rennen oder das Rohr für Flüssiggas-Tankstellen für Lastwagen. Ein grosser Sprung sei in Zukunft zu machen bei der Digitalisierung, fügte Schnell an. «Heute wird alles vernetzt. Das wird eine Herausforderung.»
Im Geschäftsjahr 2015 hat das Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von 590 Mio. Franken das Vorjahresresultat von knapp 651 Mio. Franken verfehlt. Der betriebliche Cashflow ging von 28,8 Mio. Franken im Jahr 2014 zurück auf 24,2 Mio. Franken. Trotz allem tätigte die Gruppe Brugg Investitionen von 37,2 Mio. Franken – 55 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Personalbestand reduzierte sich leicht von 2011 auf 1983 Mitarbeitende, davon 1210 in der Schweiz.

Der Bereich Kabelsysteme war – wie in den Jahren zuvor – weltweit geprägt von Überkapazitäten und einer unsicheren Auftragslage sowie vom Preisdruck. Bei der Seiltechnik war der Umsatzrückgang hauptsächlich den Währungseinflüssen zuzuschreiben, führt das Unternehmen aus. Der Markt für Rohrsysteme leidet unter widrigen Bedingungen, denn Projekte für Fernwärme- oder Fernkältenetze werden wegen der tiefen Energiekosten annulliert oder verschoben. Der junge Bereich Prozessleittechnik dagegen entwickelte sich erfreulich, das Wasserversorgungsgeschäft blieb stabil und das neue Dienstleistungsangebot – Sicherheitsberatung und Ferienvertretung für Brunnenmeister – erzielte erste Erfolge. Im Bereich Immobilien schliesslich ist das Projekt Tower beim Fachhochschul-Campus Brugg-Windisch weiter vorangetrieben worden. Ein nächster Meilenstein ist die Baueingabe für das geplante, 15-geschossige Hochhaus.

25 Jahre Brugg Rohrsystem AG

Angesprochen auf den Gesundheitszustand der Gruppe Brugg, sagte Verwaltungsratspräsident Suhner: «Die Bilanz ist kerngesund, die Erfolgsrechnung entspricht nicht unseren Erwartungen. Aber damit werden wir wohl leben müssen.»

Grund zum Feiern hat das Unternehmen am Standort Kleindöttingen, wo auch die Bilanzmedieninformation stattfand: Die Brugg Rohrsystem AG wird 25 Jahre alt. Im festlichen Rahmen vorgesehen sind in diesen Tagen verschiedene Anlässe für aktuelle und ehemalige Mitarbeiter und ihre Familienangehörigen sowie für Kunden, Lieferanten und Partner. Auch die Generalversammlung wird am Firmensitz an der Industriestrasse in Kleindöttingen abgehalten. Als neue Mitglieder des Verwaltungsrats vorgeschlagen werden: Marc Wartmann und Markus Fiechter. Sie ersetzen den zurücktretenden Kurt H. Fischer sowie den in diesem Jahr verstorbenen Vizepräsidenten Reto Wartmann.

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