Windisch
Der Theater-Virus kam mit der «Täfelisucht»

Die seit 20 Jahren bestehende Seniorentheatergruppe «Herbschtrose» steht vor der Premiere des neuen Stückes, betitelt «S süesse Läbe vo de Klara Bitterli». Wie die Regisseurin der Seniorentheatergruppe «Herbschtrose» zum Theater fand.

Edgar Zimmermann
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Letzte Probe vor der Premiere: Regisseurin Pierrette Stegmüller gibt den «letzten Schliff».

Letzte Probe vor der Premiere: Regisseurin Pierrette Stegmüller gibt den «letzten Schliff».

Annika Bütschi

Süss begann auch die Theaterleidenschaft der begnadeten Regisseurin Pierrette Stegmüller, die seit 12 Jahren dieses Ensemble führt, seit 13 Jahren auch jenes von Oberentfelden. Sie ist in Luxemburg aufgewachsen. Mit 6 Jahren durfte sie in einem Schultheater mitspielen. Es ging darin um einen Husten, den ein Kind vom vielen Bonbonessen eingefangen hatte. Gespielt wurde dieses Kind von – Pierrette.

Sie fing sofort Feuer, nicht für Bonbons, sondern fürs Theater und wirkte an weiteren Schulaufführungen mit. Nach einer Lehre als Damenschneiderin zog sie mit 20 Jahren nach Oberentfelden. Hier besuchte sie die Vorstellungen der Theatergesellschaft, lernte dabei ihren Mann kennen, betreute die Kasse, fertigte Kostüme und Bühnenbilder an, wirkte als Statistin, übernahm dann Theaterrollen, stand Profiregisseuren als Assistentin zur Seite, führte bei kleineren Produktionen selber Regie. «Mein Lehrmeister war Joe Stadelmann, der beim Seniorentheater Zürich Regie führte. Das Stück, das die Windischer nun aufführen, stammt von Stadelmann, was mich besonders freut», sagt Stegmüller. Sie hat den Text etwas überarbeitet und angepasst.

«Da machte es klick»

In Kursen bildete sie sich weiter, trat in Freilichtaufführungen auf, suchte dann einen neuen Weg. Das Jahr 1999 galt als «Jahr des älteren Menschen». Bei dieser Widmung «machte es in mir klick»: Sie beschloss, mit älteren Menschen Theater zu spielen, gründete die Gruppe «Entfelder Theater-Senioren» und brachte 2000 das erste Stück, passenderweise «Willkommen an Bord» (von Elsa Bergmann) zur Aufführung. Ein Jahr später klopfte Annemarie Euler von der Pro Senectute Brugg bei ihr an: ob sie nicht auch die regiemässig verwaiste «Herbschtrose» unter die Fittiche nehmen könnte.

Pierrette Stegmüller sagte versuchsweise zu – und wurde auch für die hiesige Gruppe zu einem Glücksfall. Seither reiht sich eine erfolgreiche Aufführung an die andere – bereits vor der Premiere des neuesten Stückes liegen schon 30 Engagements vor. Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. «Zeitweise arbeite ich zu 100 Prozent fürs Theater», sagt Stegmüller, die noch ein Vorhangatelier führt. «Doch das Theater ist mein Leben geworden. Es macht mich glücklich, den Mitwirkenden Gelegenheit zu geben, ihre Talente zu entfalten, Herausforderungen zu meistern.»

Premiere 12. Oktober, Lindenpark Windisch, 19.30 Uhr.